Die Stadt Staßfurt will ihre Beteiligungen an den kommunalen Wohnungsunternehmen der Region zusammenfassen. Das dazu von der Wohnungs- und Baugesellschaft mbH Staßfurt vorgelegte Konzept wird heute im Ortschaftsrat Förderstedt und damit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Sitzung findet um 18.30 Uhr im Feuerwehrdepot in Löbnitz statt.

Staßfurt. Die Stadt Staßfurt ist an der Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (Wobau) Staßfurt zu 100 Prozent beteiligt. Das gleiche trifft für die Wohnungsgesellschaft Förderstedt mbH zu, die der Kommune durch die Eingliederung der Gemeinde Förderstedt zufiel.

Darüber hinaus hält die Stadt auch noch 40,9 Prozent der Anteile der Umland Wohnungsbausgesellschaft Egeln, die die ehemalige Gemeinde Löderburg in Form ihrer kommunalen Grundstücke und Wohnungen damals eingebracht hatte.

"Die Beteiligung an der Umland muss weiter von der Stadt gehalten werden, da gesellschaftsrechtlich keine Änderung möglich ist", so die Stadtverwaltung.

Bei den anderen Gesellschaftern der Umland handelt es sich um die Städte Staßfurt (nur für Ortsteil Löderburg), Hecklingen (nur für die Ortsteile Schneidlingen und Groß Börnecke) sowie Egeln und die Gemeinden der Egelner Mulde.

Das Konzept zur Neuordnung der kommunalen Wohnungswirtschaft sieht vor, dass 94 Prozent der Geschäftsanteile an der Wohnungsgesellschaft Förderstedt (WFG) mbH auf die Wohnungs- und Baugesellschaft GmbH Staßfurt übertragen werden. "Eine vollständige Übertragung bietet sich aus steuerlichen Gründen nicht an", teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Schätzung von Rechtsanwalt Dr. Michael Backhaus, der das Konzept erstellt hat, müsste die Wobau, wenn sie das Förderstedter Unternehmen komplett eingliedern würde, zirka 640 000 Euro Grunderwerbssteuern an den Fiskus abführen. "Die Wobau hätte daraus zunächst eine, von ihr finanziell gar nicht tragbare Liquiditätsbelastung. Zudem würden die bisher identifizierten Einspar-Potenziale bei einem Zusammenschluss für viele Jahre durch die vorab gezahlte Steuer aufgezehrt", warnte Dr. Backhaus.

Alternativ könnte die Stadt Staßfurt einschließlich zugehöriger Änderungen der Gesellschaftsverträge beschließen, dass die jeweiligen Gesellschaftsorgane durch identische Personen besetzt werden. Nicht nur die Geschäftsführung von WGF und Wobau Staßfurt würden durch eine einzige Person ausgeübt, auch die beiden Aufsichtsräte wären mit identischen Personen besetzt. Eine wirtschaftliche Optimierung wäre dadurch aber kaum möglich, so der Jurist.

Im Gebietsänderungsvertrag vom 25. November 2008 ist zur Rechtsnachfolge bei der WGF festgelegt worden, dass diese Gesellschaft bis zum Auslaufen des Geschäftsführervertrages als eigenständige Gesellschaft weiter geführt wird. Nach diesem Zeitpunkt obliege es der Stadt nach Anhörung des Ortschaftsrates die GmbH weiter zu führen oder den Wohnungsbestand in eine andere Gesellschaft mit städtischer Beteiligung zu überführen.

"Je größer das Unternehmen, je leistungsfähiger ist es"

Die Fusion beider Unternehmen würde die Wobau Staßfurt weiter stärken. Die Gesellschaft setzt seit ihrer Gründung alle Kraft daran, den vorhandenen städtischen Wohnungs- und Gewerbebestand zu erhalten, zu sanieren und zu modernisieren. Seit 1991 hat sie 102 Wohnungen neugebaut, 1700 Wohnungen vollsaniert, 1200 Wohnungen teilsaniert und 24 neu erbaute Wohnungen gekauft.

Dazu kommt in den Stadtgebieten Leopoldshall, Staßfurt Nord, Am Tierpark und im Friedensring eine umfassende Wohnumfeldgestaltung. Damit hat das Unternehmen rund 80 Prozent des eigenen Bestandes total- beziehungsweise teilsaniert. Dafür wurden seit 1990 rund 80 Millionen Euro investiert. Darüber hinaus verwaltet die Wobau weitere 400 private Wohnungen professionell und kostengünstig.

Im Auftrag der Stadt betreut die Wohnungs- und Baugesellschaft auch noch 63 Wohnungen, die der ehemaligen Gemeinde Neundorf gehörten. "Hier ist ein Kauf geplant", sagte Wobau-Geschäftsführer Dr. Dieter Naumann der Volksstimme.

Förderstedts Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) sieht persönlich keine Bedenken, was die Fusion der beiden Gesellschaften anbelangt. "Je größer das Unternehmen, je leistungsfähiger ist es", sagte der CDU-Politiker.

Ziel müsse es sein, die Wohnungsverwaltung noch effizienter und kostengünstiger zu gestalten. "Dann haben die Mieter auch mehr Sicherheit, dass sie weiter in gutem Wohnraum zu erschwinglichen beziehungsweise sozial verträglichen Mieten wohnen können", so Rotter.