In Hochwasserzeiten ist die kleine Gemeinde Athensleben immer ganz besonders von den Fluten betroffen. Die Fraktion Bürgervertretung hat sich dazu Gedanken gemacht und Oberbürgermeister René Zok (parteilos) um Hilfe und Unterstützung gebeten. Montag-abend stand dieses Thema auch auf der Tagesordnung des Ortschaftsrates.

Athensleben. Die Bürgervertretung schlug der Stadt vor, in Höhe des Löderburger Thies einen abschiebbaren Durchfluss zum Löderburger Bruch zu schaffen. "Damit könnten Athensleben und auch Löderburg bei Hochwasser entlastet werden", sagte Ortsbürgermeister Jürgen Kinzel. Das Wasser würde durch den Goldbach zurück in die Bode fließen. Das hätte allerdings zur Folge, dass der Löderburger Damm als Schutzdeich eingestuft und ausgebaut werden müsste.

Besser vor Hochwasser muss nach Ansicht der Ortschaftsräte auch der Bereich Athensleben 1 bis 7 am Schloss geschützt werden. "Da der Schlossgraben keinerlei Bedeutung für den Hochwasserschutz hat, könnte man den vorderen Teil auffüllen, so dass bei Hochwasser kein Wasser zu den betreffenden Grundstücken fließen kann", regte die Bürgervertretung an. Darüber hinaus empfahl sie, einen dreiseitigen Damm um die Wohnsiedlung herum zu errichten. "Durch diese Maßnahme könnte der Aufwand der Hilfskräfte um ein Vielfaches reduziert werden", hieß es. Der hintere Teil des Schlossgrabens müsste tiefer ausgebaggert werden, so dass das Hochwasser, wenn es wieder zurückgeht, bergauf fließen muss.

Darüber hinaus regten die Ortschaftsräte auch ein Ausbaggern des Flussbettes der Bode zwischen Rothenförde und Löderburg an, damit es in bestimmten Situationen mehr Wasser aufnehmen könne. Das letzte Mal sei das in den 1960er und 1970er Jahren passiert. Verbreitert, gesäubert und besser gepflegt werden müsste auch die Ehle bis zur Gemarkung Tarthun.

Aber auch der Marbegraben müsste nach Einschätzung der Kommunalpolitiker in der Gemarkung Athensleben im Bereich Lust bis zur Mündung in die Bode auf Vordermann gebracht werden. Er müsste breiter und tiefer werden, so dass das Hoch- und Oberflächenwasser der angrenzenden Ortsteile besser in die Bode abfließen kann. Überlegt werden sollte auch, wer das Wasser abpumpen soll, das durch die nicht ausreichend durchlässige Brücke auf der Kreisstraße zwischen Athensleben und Groß Börnecke den Athenslebener See bis zur Obergrenze speist. "Wie wir aus der Vergangenheit wissen, dauert es zirka zehn Jahre bis das Wasser so weit zurückgeht, dass der Eigentümer wieder über seine Flächen verfügen kann", so die Fraktion.

"Altes Wissen ist doch vorhanden. Und wir müssen jedesmal wieder was Neues erstellen"

Kinzel appellierte an die Bauern, die Einsicht zu haben, nicht bis in den Marbegraben zu bestellen. "Das fängt mit den Gräben an und endet mit den Feldwegen. In manchen kommt man nicht mal mehr mit einem Fahrrad durch."

Auf Kinzels Frage, ob es schon gelungen sei, einen der Umweltsünder dingfest zu machen, die mit dem Verstopfen eines Grabens oder einem Angriff auf einen Damm die Sicherheit gefährdeten, schüttelte Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann mit dem Kopf: "Wir können nichts beweisen." Eric Maindok machte auch den Talsperrenbetrieb im Harz für die Wasserprobleme verantwortlich. Der CDU-Politiker nutzte die Sitzung, um den Landtagsabgeordneten Johann Hauser (FDP) zu loben. "Man muss ihm ein Dankeschön sagen. Er hat es möglich gemacht, dass innerhalb von kurzer Zeit ein Treffen der Verantwortlichen stattgefunden hat", so Maindok.

Kaufmanns Mitteilung, dass die Stadt ein Gutachten zur hydrologischen Untersuchung des Bereiches von Glöthe bis Athensleben in Auftrag gegeben hat, sorgte bei Maindok für Verwunderung. "Es ist doch altes Wissen vorhanden. Und wir müssen jedesmal wieder was Neues erstellen." "Das System der Zuläufe muss man betrachten", so Kaufmann.

Die Stadt werde die Fragen und Vorschläge an den Landesbetrieb für Hochwasserschutz weiterleiten, sagte Kaufmann. Zudem werde er den Bereichsleiter Edmund Werner einladen, sich die Situation vor Ort anzusehen.