Cochstedt. Es ist der unverwechselbare Duft von Zimt, auf den sich die Cochstedter jedes Jahr aufs Neue freuen. Morgen ist es wieder soweit. Dann ist Fastnacht und seit vielen, vielen Jahren gehört die Fastnachtsbrezel an diesem Tag zu Cochstedt wie die Weihnachtsgans zu Weihnachten, der Osterfladen zu Ostern oder der Pfannkuchen zu Rosenmontag.

"Etwa 1000 Fastnachtsbrezeln gilt es dann wieder zu backen. Das ist eine Menge Arbeit. Denn die Brezeln werden handgefertigt", erzählt Bäckerin Manuela Bremmel aus Cochstedt. Schon heute Abend steht die junge Frau ab 22 Uhr in der Backstube und stellt die begehrten Leckereien aus einem süßen Hefeteig her. "Bestellungen gibt es schon Tage vorher. Und bereits vor der Öffnungszeit bildet sich vor der Ladentür eine Schlange", weiß sie aus jahrelanger Erfahrung.

Denn die Brezeln werden zum Frühstück gegessen, statt der üblichen Stulle. Dazu gehört eine Bratwurst. "Das zusammen ist zwar nicht ganz mein Geschmack. Aber die Leute lieben es", verrät sie mit einem Lächeln.

Und genau solche Leute seien es auch gewesen, die die Bäckersleute Manuela und Dirk Bremmel dazu animiert haben, das traditionelle Gebäck zu backen. "Wir stammen aus dem Harz. Deshalb kannten wir die Fastnachtsbrezel nicht. 1993 haben wir die Bäckerei in Cochstedt übernommen. Und im Frühjahr 1994, kurz vor Fastnacht, fragten die Leute das erste Mal nach ihrer Brezel. Ich wusste nicht, was das ist. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach dem Rezept. Wir konnten eine jahrelange Tradition nicht abschaffen", findet Manuela Bremmel.

In der alten Backstube wurde sie nicht fündig. Also fragte sie die Cochstedter. "Doch keiner konnte es mir so richtig erklären. Nur dass Zimt in den Teig muss, das erzählten sie alle", erinnert sie sich noch gut. Auch wie die Brezel genau aussah, konnte ihr keiner so richtig erklären. So war Kreativität gefragt. Drei, vier Jahre lang wurden die verschiedensten Formen und Teige ausprobiert, dann waren alle mit Geschmack und Aussehen zufrieden - die Bäckerfamilie und die Coch- stedter.

Dabei seien die Kunden sehr kritisch gewesen. Doch zum Schluss waren alle glücklich und der stetig steigende Umsatz der Brezeln zeige den Erfolg. "So ähnlich war es auch mit den Brötchen. Erst wollten alle diese luftigen Wessi-Brötchen und dann wieder unsere traditionellen Ossi-Brötchen. Die gibt es auch heute noch hier", ergänzt Bäckermeister Dirk Bremmel.

Die Cochstedter und überhaupt ihre Kunden im Salzlandkreis seien ein süßes Völkchen. Nur zu gern werde das breite Sortiment an Kuchen ausprobiert, das nicht nur im Laden, sondern auch in Bremmels mobilen "Verkaufsstellen" angeboten wird. Vielleicht werde deshalb die süße, mit einem Hauch von Zimt versehene Fastnachtsbrezel so gern gegessen. "Tagelang hat man nach dem Backen noch den Duft von Zimt in der Backstube. Das ist einfach lecker", freut sich Manuela Bremmel schon auf heute Abend wenn sie die 1000 Brezeln in den großen Ofen schiebt.

Dass da jede Menge mehr Arbeit auf sie zukommt, mache ihr nicht so viel aus. "Damit bewahren wir eine Tradition", zuckt sie mit den Schultern. Außerdem sei sie mit Leib und Seele Bäckerin und Konditorin. Ganz besonders zum Beispiel, wenn eine Bestellung einer Hochzeitstorte aufgegeben wird. "Dann bin ich in meinen Element. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Vieles wird natürlich mit dem Brautpaar abgesprochen, doch wenn ich dann beim Backen und Verzieren bin, kommen mir die tollsten Ideen", verrät sie.