Am Sonntag wurde zum siebenten Mal der europäische Tag der Logopädie begangen. Die Volksstimme fragte bei Staßfurts Logopädin Bärbel Berger einmal nach: Warum hören wir manche Menschen lieber als andere? Und woran liegt das?

Staßfurt. "Wenn ich den schon höre" - ein Satz, der vielen Menschen leicht über die Lippen geht. Aber was steckt eigentlich dahinter? Entscheidet die Stimme einer Person wirklich, ob wir sie sympathisch finden?

"Gewissermaßen schon", sagt die Staßfurter Logopädin Bärbel Berger. "Die Stimme hilft, einen Menschen einzuschätzen." Sie verrät oftmals mehr über uns, als uns lieb ist. Sie transportiert Schwächen wie Unsicherheit, aber auch Stärken wie Einfühlungsvermögen und Entschlossenheit.

Sind wir beispielsweise aufgeregt, verrät dies ein Zittern in der Stimme. Sie wirkt brüchig. Sind wir sehr verärgert, sprechen wir in der Regel sehr Laut und druckvoll. Möchten wir besonders fürsorglich und freundlich erscheinen - beispielsweise, wenn wir mit Kindern reden - heben wir die Stimme. Bärbel Berger weiß: "Stimme und Stimmung sind untrennbar miteinander verbunden."

Ob uns eine Stimme sympathisch erscheint, hängt letztlich von sehr vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Sprechmelodie, also der Gestaltung der Tonhöhen. Monotones sprechen wirkt einschläfernd. Gerade kurz vor der Landtagswahl ist bei öffentlichen Auftritten der Politiker ein ganz besonderes Engagement zu verzeichnen, die Stimme möglichst dramaturgisch zu gebrauchen.

Dies kann allerdings auch mächtig in die Hose gehen. "Die falsche Belastung des Kehlkopfes, lässt die Stimme gepresst erscheinen", so Berger. Dies wirke nicht mehr authentisch, was die Hörer durchaus erkennen.

"Jeder Mensch hat eine sogenannte Indifferenzlage", erklärt die Logopädin. Das ist die normale Sprechlage, also die Tonhöhe, in der man lange sprechen kann, ohne die Stimme zu ermüden. Wenn jemand in dieser Stimmlage spricht, klingt dies für den Hörer angenehm. Der Sprecher wirkt glaubhaft.

"Den richtigen Umgang mit der eigenen Stimme kann man lernen", weiß die Bärbel Berger. Nachrichtensprecher und häufig auch Politiker haben sich der Schule des Sprechens bedient. Dazu gehört neben dem Stimmtraining auch das richtige Atmen, im Fachjargon atemrhythmisch-angepasste Phonation genannt.

"Gerade, wenn Sprecher aufgeregt sind, atmen sie falsch und müssen ständig nachatmen", erklärt die Logopädin. Dies habe dann zu Folge, dass die Stimme gepresst wirkt.

"Eine sympathische Stimme ist resonanzreich und klangvoll."

"Eine sympathische Stimme ist resonanzreich und klangvoll gestaltet", erklärt die Logopädin. Der Stimmeinsatz ist weich und die Stimmhöhe entspricht der mittleren Sprechhöhe.

"Ein Politiker, der diese Kriterien erfüllt, ist Karl Theodor zu Guttenberg", weiß Berger. Dass er als Sympathieträger gilt, ist sicher nicht allein seiner Stimm- und Sprachkompetenz zu verdanken, dennoch habe sie sicher einen nicht unwesentlichen Anteil daran. Auch den Nachrichtensprechern der öffentlich-rechtlichen Sender hört die Logopädin gerne zu. Sie können zweifelsohne als Vorbild gesehen werden. Wem die Logopädin dagegen gar nicht gern zugehört hat, war der einstige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auch das Näseln des Bundeskanzleramts-Chefs Ronald Profalla, das vermutlich am Schluss des Gaumensegels liegt, ist für das Gehör einer Logopädin kein Wohlklang.

Auch regionale Phänomene "schwingen" in der Stimme mit. So sprechen die Menschen hier die Vokale rückverlagert. Das heißt, dass beispielsweise das A und O nicht ausgeformt werden. Auch bei Konsonanten tun sich die Menschen hier schwer. So wird der Igel zum Ijel und die Gegend zur Jeijend.

Bärbel Berger nimmt es mit Humor. Dennoch würde sie sich wünschen, dass die Menschen ein wenig mehr auf ihre Aussprache achten. "Schließlich möchte man ja gern gehört werden", so die Expertin.