Auf Einladung der Freien Demokraten diskutierten am Donnerstagabend im Salzlandcenter in Staßfurt mehr als 50 Betroffene über die Probleme mit dem Grund- und Hochwasser und wie man diese lösen kann.

Staßfurt. "Wir sind nervlich am Ende. Unser Haus knackt die ganze Nacht", beklagte sich Torsten Haberzettel, der unmittelbar am Großen Schachtsee in Wolmirsleben wohnt. Der See sei stark angestiegen, wodurch auch der Campingplatz und die angrenzende Bebauung in Mitleidenschaft gezogen wurden. "Wir bekommen aber keine Hilfe", sagte Haberzettel, der forderte, dass der in der Nähe befindliche ehemalige Flutgraben in Richtung Egeln-Nord wieder geöffnet wird.

"Wir müssen zunächst eine Ursachenforschung betreiben, Und dann müssen die Gemeinde und der Landkreis zusammenarbeiten", sagte der FDP-Fraktionschef des Landtages Veit Wolpert. Er bot sich an, mit Landrat Ulrich Gerstner (SPD), der vor Tagen seinen Stellvertreter Ulrich Reder an die "Wasserfront" nach Wolmirsleben geschickt hatte, ins Gespräch zu kommen. Dann sicherte der Landtagsabgeordnete Johann Hauser (FDP) zu, sich um dieses nicht ganz einfache Problem zu kümmern. Er hat sich am Wochenende bereits vor Ort informiert. "Ulrich Reder hat mir zugesichert, dass sich der Landkreis darum kümmern wird, dass der Schachtsee, der wie eine Badewanne ohne Stöpsel ist, eine Überleitung in die Bode bekommt, so dass das überschüssige Wasser abfließen kann", teilte Hauser der Volksstimme gestern Nachmittag erfreut mit.

Aber auch den Kleingärtnern stand das Wasser in den vergangenen Wochen sprichwörtlich bis zum Hals. "Eine solche Entwicklung hatten wir noch nie", sagte der Vorsitzende des Stadtausschusses der Kleingärtner, Eberhard Kanitz. Davon seien in der Kommune acht Vereine mit insgesamt 198 Parzellen betroffen, was einer Gartenfläche von zwei Hektar entspreche. "Die gesamten Grabensysteme im Salzlandkreis sind völlig desolat. 20 Jahre lang ist da bis auf die Mahd nichts dran gemacht worden", schätzte Kanitz ein. Von Groß Börnecke bis nach Bernburg erstrecke sich ein Moorgebiet, das mit Entwässerungsgräben durchzogen gewesen sei. Die Hauptwassergräben sind zugewachsen oder durch Baumaßnahmen beeinträchtigt, ergänzte Kanitz. Er dankte Hauser, dass er sich für dieses Problem einsetzt und forderte von den Verantwortlichen, dass diese wichtigen Vorfluter wieder in Ordnung gebracht werden. Dafür könnte man Ein-Euro-Kräfte einsetzen, schlug er vor. Dort würden sie eine wirksamere Arbeit leisten, als wenn sie nur den Rasen "kitzeln".

Nicht besser sieht es auf den Äckern des Löderburger Landwirtes Karl-Heinz Bastian aus. "400 Hektar stehen bei mir unter Wasser", sagte er. Eine Entlastung erhofft er sich vom ersten Eingriff in den Marbegraben.

Jetzt werde die "Todsünde" deutlich, dass in der Vergangenheit vielerorts nicht etwa der Schutz des Eigentums, sondern der Naturschutz Vorrang gehabt habe, so Hausers Seitenhieb in Richtung Grüne. Dazu passte auch die Mitteilung eines Landwirtes aus dem Bördekreis, dass sich Naturschützer dort gegen die Beseitigung von Bäumen ausgesprochen hätten, weil diese in den verwahrlosten Gräben groß geworden seien.

Ein weiteres Ärgernis, das an diesem Abend zur Sprache kam, war das Talsperrenregime im Harz. "Bei einem größeren Niederschlag gibt es in Staßfurt regelmäßig Probleme. Das ist nicht hinnehmbar", sagte Hauser. Zu DDR-Zeiten sei das nicht der Fall gewesen.

"Man hat den Eindruck, dass die dortigen Sperren auf ein Maximum gefahren werden, um möglichst viel Trinkwasser oder Energie gewinnen zu können", sagte Eberhard Scholz. Dass an dieser Vermutung etwas dran sein könnte, bestätigte ein anderer Besucher, der seinen Namen aber nicht nennen wollte.

Mit diesem Sachverhalt müsse sich der Landtag nach der Wahl befassen, verlangte Hauser. Er forderte außerdem einen intensiveren Dialog aller Beteiligten. Die Betroffenen müssten über die Grabenschauen und deren Ergebnisse informiert werden. Nicht akzeptieren könne er die Ankündigung des Präsidenten des Landesverwaltungsamtes, Thomas Leimbach (CDU), dass erst im Sommer oder im Herbst die ersten Ergebnisse der vom Land ins Leben gerufenen sieben Arbeitsgruppen vorliegen sollen.

Hauser: "Das können wir nicht akzeptieren."