Tierschutz - politisch gewollt aber in der Realität oft schwer umzusetzten. Ein Frau, die tagtäglich dafür kämpft, ist die Staßfurterin Rosemarie Tischler. Ehrenamtlich betreibt sie eine Tierauffangstation. Sie hat sie speziell der Pflege von Katzen verschrieben. Unterstützt vom Tierschutzverein und von Spendengeldern, betreut sie bis zu 27 Stubentiger und drei Hunde. Das alles in ihrem eigenen Zuhause. Die Jury der Volksstimme-Redaktion findet zweifellos "Du bist spitze". Sie stellt Rosemarie Tischler als zweite von insgesamt sechs Kandidaten vor. Ob die Staßfurterin auch Lokalmatadorin wird, das liegt in den Händen der Leser.

Staßfurt. Es kitzelt im Nacken. Zu kurz und flüchtig, als dass man das Kitzeln hätte identifizieren können. Plötzlich ein plumpes Poltern. Ein ein dicker, schwarzer Kater macht einen Satz und springt von der Stuhllehne auf den Boden. "Ach Siggy. Lass uns doch bitte kurz in Ruhe!", spricht Rosemarie Tischler zu dem Kater. Ihre Stimme klingt dabei ganz lieb, fürsorglich. Und irgendwie auch ein wenig mahnend. Sie klingt, als spräche sie mit einem Kind. Doch Siggy bleibt stur. Eben wie ein Kind. Er sucht erneut ihre Nähe, er schmiegt sich an, schaut hinauf, mauzt, schleicht um ihre Beine herum. Siggy fordert ihre Aufmerksamkeit. Während die anderen Katzen irgendwo auf dem Schrank, in der Sonne oder in irgendwelchen Boxen faullenzen, scharwenzelt Siggy permanent um Rosemarie Tischler herum. Zweifelsohne - Siggy hat sein Frauchen ganz fest ins Katzen-Herz geschlossen.

Man kennt Rosemarie Tischler als "Katzenmama". Sie leitet ehrenamtlich eine Katzenauffangstation. Sie betreut bis zu 30 Tiere in ihrem Elternhaus. Es würden gewiss auch noch mehr sein, doch ihre Kapazitäten sind schon jetzt mehr als erschöpft. Rosemarie Tischler teilt ihr ganzes Hab und Gut und vor allem auch ihren Geldbeutel mit den Tieren. Sie kümmert sich liebvoll, bringt sie zum Tierarzt, pflegt sie gesund und lässt sie wenn nötig kastrieren. Sie ist die erste Anlaufstelle, wenn jemand seine Katze vermisst. Und sie ist die erste Anlaufstelle, für jemand, dem eine Katze zugelaufen ist.

Mit "Mauzi" nahm alles seinen Anfang

In Staßfurt kennt sie jeder. Und jeder schätz ihr Engagement. Doch kaum einer weiß, mehr über die 69-Jährige. Kaum einer weiß, was sie tagtäglich auf sich nimmt. Auf was sie verzichtet. Und wieso sie dies alles tut.

Schon als Rosemarie Tischler klein war, war sie von Tieren umgegeben. Damals allerdings Nutztiere wie Kaninchen und Hühner. Dass einmal 27 Katzen und drei Hunde bei ihr durchs Haus streifen, das hätte sie sich damals nie träumen lassen. Und im Grunde war dies auch gar nicht so geplant.

Rosemarie Tischler ist eigentlich Lehrerin. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2000 hat sie Deutsch, Werken und Kunst an der Goetheschule und später an der Pestalozzi Schule unterrichtet. "Das hat mir immer viel Freude bereitet", erzählt sie.

Das mit den Katzen habe sich im Laufe der Jahre entwickelt. An die erste kann sie sich noch sehr gut erinnern. Ihr Mann Konrad hatte "Mauzi", wie sie sie nannten, 1979 in der Wassertorstraße in einem jämmerlichen Zustand gefunden. "Mauzi war grau-weiß getigert und nach drei Jahren eines Tages spurlos verschwunden", erzählt sie.

"Dann kam die Wende. Damals hatte beinah jeder Betrieb eine Art Haus-Katze. Nachdem die Betriebe schlossen, irrten sie nach Futter suchend auf den Straßen umher", erinnert sie sich. Sie habe das Gefühl gehabt, dass es immer mehr Katzen werden, die in Mülltonnen nach etwas Essbarem suchten. Das tat mir in der Seele weh."

So kam es, dass Rosemarie und Konrad Tischler die ersten Tiere mitnahmen, um sie kastrieren zu lassen. Fünf Katzen hatten die Tierliebhaber damals daheim. Und mehr sollten es eigentlich auch nicht werden.

Dann traf Rosemarie Tischler ein schlimmer Schicksalsschlag. Ihr Mann wurde schwer krank. Er starb 1992. Es folgte eine schwere Zeit für die damals 50-Jährige. Ihre Kinder waren schon erwachsen. Das Haus war leer. So investierte Rosemarie Tischler ihre ganze Kraft in den Tierschutz.

Tierschützerin aus und mit Leidenschaft

Die Arbeit im Tierschutzverein wurde zu ihrer Passion. Sie "spezialisierte" sich auf Katzen und kümmerte sich vor allem um die Kastrationen der Vierbeiner. Schnell sprach sich ihr Engagement herum´, und es bürgerte sich ein, dass Fundtiere zu ihr gebracht wurden. Es entwickelte sich eine Eigendynamik, die aus der Leidenschaftlichen Tierschützerin, die Leiterin einer Katzenauffangstation werden ließ.

In den vergangenen 20 Jahren hat Rosemarie Tischler vieles erlebt. Katzen wurden ihr ins Kellerloch geschmissen oder einfach vor die Tür gelegt. Kranke Tiere hat sie wieder gesund gepflegt und manche auch beerdigen müssen. Hunderte Samtpfoten haben bei ihr ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Einige bekommen bei ihr das Gnadenbrot, andere vermittelt sie an Katzenfreunde weiter. Und das alles macht sie ehrenamtlich.

Rosemarie Tischler führ über alle Katzen Buch. Sie kennt noch alle Namen der Tiere, die einmal bei ihr waren. Und sie weiß zumeist auf Anhieb, welche Schicksale die Stubentiger hinter sich hatten und was aus ihnen geworden ist.

Freizeit hat Rosemarie Tischler so gut wie keine. Mehrmals in der Woche fährt sie mit den Tieren zum Tierarzt. Impfungen, Routineuntersuchungen und Kastrationen stehen auf der Tagesordnung. An Urlaub oder einfach nur ein paar freie Tage ist gar nicht zu denken. Sie hat zwar einige fleißige Helfer aus dem Tierschutzverein, die Verantwortung trägt sie jedoch allein. Und das ist momentan auch ihre größte Sorge. "Ich werde im Juni 70", sagt sie. "Mein gesundheitlicher Zustand wird nicht besser. Wer kümmert sich, wenn ich es nicht mehr kann?", fragt sie.

Zudem haben die vergangenen Jahre nicht nur bei ihr Spuren hinterlassen, sondern auch an ihrem Haus und den Einrichtungsgegenständen.

Die Tiere haben beinah jedes Zimmer in Beschlag genommen. Es gibt für sie Spielezimmer, Krankenzimmer und einen Quarantäneraum. Überall steht Katzenfutter und auch die Katzenhaare sind nicht mehr wegzubekommen. Eine Renovierung ist dringend notwendig.

Zudem müsse sie nun auch noch die Heizungsanlage erneuern lassen. Eine fast unüberwindbare Hürde, da sie ein Großteil ihres wenigen Geldes in die Gesundheit der Katzen investiert.

Derzeit erobert sie sich jedoch einen Raum in ihrem Haus zurück. "Ich will mir ein Zimmer einrichten, in dem die Katzen keinen Eintritt haben", erzählt sie und schmunzelt. "Sozusagen einen Rückzugsraum für mich allein." Einen Raum in dem sie einmal ein Buch lesen kann, ohne dass Kater Siggy um sie herum scharwenzelt und nach Aufmerksamkeit giert. Einen Raum, in dem sie für ein paar Momente die Verantwortung vergessen kann, die sie tagtäglich für die vielen kleinen Vierbeiner trägt.

Die Abstimmung und wie sie funktioniert

Rosemarie Tischler und auch alle Kandidaten (siehe Coupon) haben zweifellos den Titel "Du bist spitze!" verdient. Doch nur einer kann sich die Krone aufsetzen.

Den Sieger bestimmen allein die Volksstimme-Leser mit dem Abstimmungs-Coupon, der noch häufiger abgedruckt wird, wenn wir auch die anderen Kandidaten vorstellen.

Mitmachen lohnt sich für Sie, liebe Leser, doppelt: Zum einen verhelfen Sie Ihrem Kandidaten zum Sieg, zum anderen verlosen wir unter allen Einsendern tolle Preise. Darunter befinden sich ein Biberticketgutschein, Lederfußbälle, Sporttaschen sowie Rucksäcke. Die Zettel (bitte nur Original-Coupons) können in der Volksstimme-Redaktion, Gollnowstraße 6 in 39418 Staßfurt, abgegeben werden.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, im Internet für Ihren Kandidaten abzustimmen. Dies ist möglich unter:

www.volksstimme.de/stassfurt