Der Widerstand gegen die im Raum Güsten geplanten Massentierhaltungsanlagen wächst. Das zeigte das eindeutige Echo auf einem Bürgerforum in Güsten. Rund 280 Besucher kamen dazu Donnerstagabend ins Bürgerhaus. Mit dem Ergebnis: Mitglieder einer Bürgerinitiative, Politiker und Bürger halten weiter daran fest, alles daran zu setzen, den Bau der gigantischen Mega-Ställe abzuwehren.

Güsten. Der Protest der Bürger gegen die geplanten Mega-Ställe in der Saale-Wippe-Region ist nach fast einem Jahr kein bisschen abgeebbt. Im Gegenteil. Nachdem 2010 bekannt wurde, dass private Investoren im Raum Güsten Mastanlagen für Sauen, Legehennen und Junghennen errichten wollen, ist die Auflehnung seitens der Bevölkerung größer denn je. Der Protest hat sich in einer Bürgerinitiative formiert.

"Wir wissen sehr wohl, dass die Investoren nicht schlafen"

Die Mitglieder kämpfen gegen die Vorhaben der Betriebsgesellschaft Schackenthal, haben Unterschriften gesammelt, Protestaktionen in Berlin begleitet, eine Internetseite ins Leben gerufen, Informationen zusammengetragen und Verbündete gefunden.

Die Menschen fürchten Gestank, Verschmutzung und daraus resultierende gesundheitliche Belastungen sowie den Verlust an Lebensqualität in ihrer Region. Zustände in der Massentierhaltung werden angeprangert. Die Politik steht hinter den Bürgern. Auch zu diesem Fazit kam die Veranstaltung. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saale-Wipper Steffen Globig bezog klar Stellung. "Wir setzen alles daran, Sie vor den Mega-Ställen zu schützen", sagte der Verbandsgemeindechef mit Hinweis darauf, alles in seiner Macht mögliche zu unternehmen. Die Verwaltung bediene sich aller Hebel, die es nur gebe, um die ihr übertragene Verantwortung umzusetzen und sich für die Interessen der Bürger einzusetzen. Schutz bedeutet für den Verwaltungsleiter Unterstützung. Denn mit dem Bau der Mega-Ställe sei Globig zufolge die Schwierigkeit verbunden, nicht genau zu wissen, was kommt und wer kommt. "Wir wissen nicht, ob der Betreiber sich an die Gesetze hält." Es bestehe ein Restrisiko. Anwohner könnten betroffen sein. "Wir müssen das Risiko minimieren und wir minimieren es am besten so, indem die Anlage erst gar nicht entsteht", sagte der Verwaltungschef unter Applaus.

Globig machte zudem deutlich, dass er für die "generelle Ablehnung von Tierhaltungsanlagen" und damit verbundene unwürdige Bedingungen für die Lebewesen ist. Es könne nicht sein, dass Tiere als "lebende Fleischberge" gesehen werden. "Ich finde den Umgang sehr schrecklich." Wenngleich das für ihn eine ethische Frage aufwirft, die jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden müsse. Globig sprach von einem "zweischneidigen Schwert". Es bringe nichts, zu demonstrieren und am nächsten Tag wieder beim Billig-Discounter einkaufen zu gehen, so seine Überlegungen.

Der Verbandsgemeindebürgermeister setzte die anwesenden Bürgern zudem über den rechtlichen Stand der Dinge in Kenntnis. Er erklärte, dass ein beim Land gestellter Antrag des Betreibers zur Errichtung der Mastanlagen zunächst zurückgezogen wurde.

Damit ist das Problem aber auch für die Stadt Güsten nicht vom Tisch. "Wir wissen, dass die Investoren nicht schlafen", spielte Güstens stellvertretender Bürgermeister Gehard Malkowski (CDU) auf einen zweiten Antrag der Betreiber an. Die Rede ist von einem sogenannten "vorhabenbezogenen Bebauungsplan", der von den Investoren jetzt eingefordert wird und wonach im Raum Güsten am Bau einer Biogasanlage in Verbindung mit Mega-Mastanlagen weiter festgehalten wird.

Ein Vorhaben, dem Malkowskis Ansicht nach die Räte der Kommunen der Verbandsgemeinde Saale-Wipper einen Riegel vorschieben müssen. Als Argument führte er den Landesentwicklungsplan des Landes an, in dem einzelne Landstriche in Vorranggebiete gegliedert sind. Das Gebiet um Güsten sei darin als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. "Die Güte des Bodens ist danach so hervorragend. Die Stadträte müssten unter diesen Gesichtspunkten den Beschluss fassen, die Mastanlage abzulehnen", betonte Malkows- ki.

Damit stieß er beim Sprecher der Bürgerinitiative Klaus Gerner aus Warmsdorf auf offene Ohren. Die Mitglieder sehen die Gemeinde in der Pflicht. Gerner appellierte an die Stadtväter: "Entscheiden Sie sich für die Bürger!" und forderte: "Keine Massentierhaltung in der Region Saale-Wipper". Damit gehe ein Stück "Lebensqualität und Gesundheit" verloren. "Die Masttieranlagen sind unnötig und tierverachtend. Die Landwirtschaft wird damit kaputt gemacht", so sein dringender Aufruf, weiter dagegen vorzugehen.

"Wir haben bundesweit schon viele Anlagen verhindern können"

Eckehard Niemann von der Bundesvereinigung Bauernhöfe statt Agrarfabriken begrüßte das Engagement der Protestierenden und sagte mit seiner Teilnahme am Forum Unterstützung zu: "Wir haben bundesweit schon viele Anlagen verhindern können." Das müsse auch das Ansinnen der Bürger sein.

"Was vor Ihrer Haustür entstehen soll, ist die größte Masttieranlage Deutschlands", warnte Niemann. Im Nachgang schilderte er seine Erfahrungen und legte daraus resultierende Vermutungen zu möglichen Strategien und wirtschaftlichen Beweggründen der Investoren offen und begründete, wer neben den Investoren Interesse am Bau der Anlagen haben könnte, um damit Spekulationen über mögliche Hintermänner zu bele- gen.

Gierslebens stellvertretender Bürgermeister Peter Rietsch sprach in diesem Zusammenhang von "klaren Profitinteressen". Er sieht hinter der Vorgehensweise der Investoren eine klare Strategie. Nicht nur in Güsten.

"Wir wollen die Mastanlagen nicht nur nicht bei uns, wir wollen sie überhaupt nicht", sagte Rietsch.