Kilometerweit sichtbar reckt sich seit einigen Wochen ein Neubau mitten in der Feldflur zwischen Rathmannsdorf und Ilberstedt in die Höhe. Immerhin 8,30 Meter hoch, soll das Gebäude mal unterschiedlichsten Wildtieren als Herberge dienen.

Rathmannsdorf/Ilberstedt. Nachdem im Zuge des B-6n-Baus bei Ilberstedt eine Scheune abgerissen wurde, setzte sich die Untere Naturschutzbehörde des Salzlandkreises für eine Artenschutzmaßnahme ein. Das Ergebnis ist nun in der Feldflur zwischen Rathmannsdorf und Ilberstedt zu bewundern. Der Landesbetrieb Bau (LBB), Niederlassung West, ließ die 8,30 Meter hohe Artenschutzstation auf einer etwa fünf mal fünf Meter großen Grundfläche errichten. Wieland Kämpfe, Fachbereichsleiter Hochbau, hebt das begrünte Dach und die unbehandelte Lärchenholzverschalung an diesem turmartigen Gebäude hervor. Und die vielen Öffnungen, durch die die verschiedensten Tierarten einmal in das Haus gelangen sollen.

Mit welchen man als Untermieter rechnet, erklärt Katrin Heucke, Sachgebietsleiterin für Landschaftspflege und Umweltschutz beim LBB in Halberstadt. So gibt es Einflugöffnungen für Fledermäuse, kleine Öffnungen und Brutnischen für Singvögel, in Bodennähe laden welche Lurche, Kriechtiere und Igel ein. Auch an Nistkästen für Hornissen wurde gedacht. "Ein Highlight wäre, wenn Schleiereulen hier ihr neues Zuhause finden würden", meint Heucke. Wann das soweit sein könnte, lasse sich schwer sagen. "Wir haben mit so einem Neubau noch keine Erfahrungen. Das ist ein Novum. Bisher wurden meist alte Gebäude wie ausgediente Trafohäuschen für solche Zwecke verwendet." Katrin Heucke rechnet damit, dass wohl Singvögel als erste Quartier nehmen werden, und sie ist zuversichtlich, dass das Haus auch von anderen Tieren angenommen werde, sobald wieder Ruhe im Umfeld einkehre.

Bei der Projektierung der hiesigen Artenschutzstation arbeitete der LBB mit dem Naturschutzbund (Nabu) Deutschland zusammen. Ob der Nabu das Haus dann auch betreuen wird, steht noch nicht fest. Eine Infotafel soll jedenfalls demnächst noch einen umweltpädagogischen Aspekt erfüllen.

Etwa 62 000 Euro kostet das gesamte Projekt übrigens. Und es wird sich noch einiges tun in der unmittelbaren Umgebung. Elf Hektar Ackerfläche werden die Landwirte noch für Bepflanzungen mit einheimischen Laubbäumen und Hecken abgeben für den Natur- und Umweltschutz. Die hiesigen Landwirtschaftsbetriebe haben schon öfters bluten müssen für Ersatzmaßnahmen im Zuge von Straßenbau und Liethe-Ausbau. Doch dieses Mal sehen es Peter Heinrichs und Uli Glootz nicht ganz so schlimm. "Die Flächen hier vernässen in absehbarer Zeit sowieso", meint Heinrichs. Bodensenkungserscheinungen durch den Salzabbau wurden prognostiziert. "Und wenn solche Maßnahmen mit Sinn und Verstand umgesetzt werden, okay", findet Uli Glootz versöhnliche Worte. Außerdem könne man sowieso nichts dagegen unternehmen.