Die Kameraden der 104 freiwilligen Feuerwehren im Salzlandkreis sind eine Macht. Das wurde bei der Jahresdienstberatung der Retter, Brand- und Katastrophenschützer nicht zuletzt durch 248 Teilnehmer demonstriert, unter ihnen Ver- treter der Hilfsorganisationen des Rettungsdienstes, THW, Polizei, Bundeswehr und Verwaltungen. Im Mehrzwecksaal Löderburg wurden sie auch mit zahlreichen Infos versorgt.

Löderburg. Die Veranstaltung war eigentlich schon Ende Januar geplant, was jedoch die Hochwassereinsätze seit dem 11. Januar verhinderten. Landrat Ulrich Gerstner erinnerte vergangenen Freitagabend daran, dass seit dem genannten Tag 1157 Kameraden der Feuerwehren, 119 Helfer des Technischen Hilfswerks, 764 Mitglieder von Wasserwehren, Deichwachen und unterstützende Bürger, 15 Helfer der Katastrophenschutzeinheiten, 163 Mitglieder der gemeindlichen und 21 der kreislichen Stäbe für außergewöhnliche Ereignisse im Einsatz waren. Es habe sich wiederholt gezeigt, dass der "Salzlandkreis das Sammelbecken aller Wässer zwischen Harz und Elbe" sei, die "hier alle zusammenlaufen". Ausfallen sollte die Zusammenkunft auf keinen Fall. "Mein Versprechen gilt, einmal im Jahr Ihnen allen in dieser Form Danke zu sagen", erklärte Gerstner.

"Prognosen sagen, dass Umweltkatastrophen zunehmen werden", gab der Landrat zu bedenken. Umso beruhigender sei es zu wissen, dass so viele Menschen bereit sind, sich für den Schutz anderer einzusetzen. Gerstner gab nach der Aufzählung von Strukturveränderungen und Anschaffungen zu bedenken: "So gut es auch ist, dass das Land Sachsen-Anhalt den gemeindlichen Wehren die digitalen Sprechfunkgeräte kostenlos zur Verfügung gestellt hat, so schlecht ist es auch, dass diese zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt nutzbar sind." Bis dato sei die Anbindung der Kreiseinsatzleitstelle und die Aufschaltung auf die Zentrale Vermittlungsstelle Magdeburg nicht geklärt. Das gleiche gelte für die Verteilung der Anschluss- und Folgekosten. "Nach jetzigem Kenntnisstand soll diese Vermittlungsstelle bis Mitte/Ende 2012 gebaut werden", informierte Ulrich Gerstner und kritisierte auch, dass die zuständige Bundesbehörde die Rechtsgrundlagen zur Nutzung der Frequenzen und Dienste des digitalen Sprechfunks noch nicht geregelt habe. Er mahnte das Land, das Gesamtvorhaben schneller zu realisieren und forderte, dass neben Brandschutzbereich auch die Partner aus Katastrophenschutz und Rettungswesen in den digitalen Sprechfunk einbezogen werden. Der Salzlandkreis sei mit seiner Leitstelle bereit.

"Die FFW sind nach wie vor die Säulen von Brandschutz und Hilfeleistung"

Bezirksbrandmeister Lothar Lindecke erinnerte an das dramatische Zugunglück von Hordorf: "Nicht nur die Tücken der Natur machen uns zu schaffen. Manchmal sind es auch Probleme, die Technik und Menschen verursachen." Auch solche belastenden Eindrücke seien nicht zu vernachlässigen. Nicht zuletzt die Risikoanalysen für die Wehren würden Erkenntnisse darüber geben, ob alle Gemeinden solchen Aufgaben im Fall der Fälle gewachsen wären.

"Die freiwilligen Feuerwehren sind nach wie vor die Säulen von Brandschutz und Hilfeleistung", unterstrich Kreisbrandmeister Hans-Ulrich Robitzsch. "Die Träger sind deshalb gefordert, ihrer gesetzlichen Pflicht nachzukommen, eine Einsatzbereitschaft zu gewährleisten." Das sei tagsüber nur bei zwei Drittel aller Wehren im Salzlandkreis der Fall. "Eine freiwillige Feuerwehr ist kein freiwilliger Hobbyverein", mahnte Robitzsch. "Den Kameraden auf einer Jahreshauptversammlung zu sagen, wie gut sie sind, reicht nicht aus. Das wissen wir selbst." Wie gut eine Wehr ist, sei eben auch an deren Ausrüstung ablesbar. Wert legt er zudem auf die Formulierung, dass "etwas nicht für die Feuerwehr angeschafft wird, sondern dafür, dass die Bürger sorgenfrei leben, wohnen und arbeiten können". Gleichzeitig müsse aber auch Verständnis aufgebracht werden, dass nicht alle Ausrüstung beschafft werden könne.

Der Kreisbrandmeister bemerkte zu seinen Bilanzen für 2010, dass sich die Aufgaben der Einsatzkräfte weiter in Richtung Hilfeleistungen bewegen würden. Erfreut kommentierte er die Entwicklung der Kinder- und Jugendfeuerwehren. "Die Wehrleiter, die das als Hauptquelle für ihren Nachwuchs erkannt haben, kümmern sich um sie und lassen ihre Kinder- und Jugendwarte nicht im ,eigenen Saft\' schmoren. Oft ist schon die Anwesenheit des Wehrleiters bei ihnen eine Motivation." Kritische Worte fand Hans-Ulrich Robitzsch zum Thema Fortbildungslehrgänge. So waren 2010 750 Kameraden zu 35 Lehrgängen angemeldet. "75 Kameraden wurden von den Wehren abgemeldet, aber nur 572 erschienen", stellte der Kreisbrandmeister fest. Personalbedarf bestehe unterdessen in 36 Führungspositionen. Folgende sind nicht besetzt: ein Stadtwehrleiter, zwei Stellvertreter, sechs Ortswehrleiter und 27 stellvertretende Ortswehrleiter.

Eine kritische Bemerkung machte der Kamerad Tino Puder von der Ortsfeuerwehr Groß Rosenburg und Leiter des Abschnitts II (Calbe/Nienburg) - die einzige übrigens zum Tagesordnungspunkt Diskussion. So wäre unverantwortlich, dass momentan nicht gewährleistet sei, dass jeder Atemschutzgeräteträger einmal im Jahr die Atemschutzstrecke durchlaufen kann. Hierzu reagierte die Dezernentin für Gesundheit, Ordnung und Sicherheit, der auch das Amt für Brand- und Katastrophenschutz/Rettungsdienst untersteht, auf der Stelle. Demnach habe es technische Probleme nach der Zusammenlegung der Feuerwehrtechnischen Zentralen Staßfurt und Plömnitz gegeben. Aus zwei Atemschutzstrecken musste sozusagen eine gemacht werden. Dabei habe es am lange Zeit nicht bestätigten Haushalt des Landkreises 2011 gehapert. Sie gehe aber davon aus, dass im FTZ Staßfurt ab Mai - am 12. Mai wird es nach der Fusion eröffnet - alles wieder funktioniere.

Bevor die Dienstberatung zum gemütlichen Teil schritt, wurde noch befördert und geehrt (siehe Infokasten).

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