Die Stadt Staßfurt will die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehr-Kameraden noch attraktiver machen und damit auch die Nachwuchsgewinnung erleichtern. Dazu wurde gemeinsam mit den Stadtwerken ein neuer Stromtarif entwickelt, der nur von diesem Personenkreis zunächst für ein Jahr gebucht werden kann.

Staßfurt. Den neuen Feuerwehr-Tarif stellte Oberbürgermeister René Zok (parteilos) Donnerstagabend in der jüngsten Stadtratssitzung vor.

Im Gegensatz zum Sonderprodukt der Stadtwerke "Meine Energie - privat" brauchen die Kameraden statt der 23,62 Cent je Kilowattstunde nur 23,32 Cent bezahlen, was einer Ersparnis von 0,3 Cent entspricht. Beim Grundpreis sind es aber immerhin zwölf Euro pro Jahr. Hier zahlen die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren der Stadt künftig statt 72 Euro (sechs Euro pro Monat) nur noch 60 Euro.

Bei einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden ergibt sich ein jährliches Sparpotenzial von 22,50 Euro, rechnete die Geschäftsführerin der Stadtwerke, Doris Eckstein, vor.

Den neuen Tarif werde das städtische Unternehmen ab dem 1. April für alle aktiven Mitglieder der Wehren anbieten, sagte Oberbürgermeister René Zok (parteilos). Die Ortswehrleiter seien bereits informiert und könnten jetzt mit der Umsetzung beginnen.

"Der neue Tarif soll eine Anerkennung für die Feuerwehr-Kameraden sein, aber auch die Möglichkeit der Werbung von Mitgliedern unterstützen", so der Stadtchef. "In den nächsten Monaten", so kündigte er an, "werden wir gemeinsam nach weiteren Möglichkeiten außerhalb der bisherigen Vergünstigungen suchen."

"Der neue Tarif soll eine Anerkennung für die Feuerwehr-Kameraden sein, aber auch die Möglichkeit der Werbung von Mitgliedern unterstützen"

Denn bei der Nachwuchsgewinnung für die Feuerwehren gibt es nach Zoks Einschätzung Handlungsbedarf. Der Schwerpunkt liege hier nicht unbedingt in den Ortsteilen, sondern in der Kernstadt.

Zok: "Es ist nicht erklärbar, warum bei rund 17 000 Einwohnern in der Kernstadt kaum einer bereit ist, sich in der Ortswehr zu engagieren." Nach einem Gespräch mit dem Ortswehrleiter habe sich herauskristallisiert, dass ein Anreiz auf andere Art ein erster Schritt sein könnte. Eine erste Idee sei dann dem kommunalen Energieversorger, den Stadtwerken, vorgeschlagen worden.

Staßfurts Ortswehrleiter Steffen Aermes findet den Feuerwehrstrom gut. "Das war auch ein Stück weit meine Idee. Wenn kein Geld da ist, müssen wir auch in den eigenen Unternehmen der Stadt schauen, ob man da was machen kann", sagte er.

Der scheidende Landtagsabgeordnete und ehemalige Innenminister Dr. Manfred Püchel (SPD) kommentierte den Vorstoß des Oberbürgermeisters mit den Worten: "Ich bin dafür, dass für Feuerwehr-Kameraden ein Anreiz geschaffen wird, denn aufgrund der zu erwartenden demografischen Entwicklung werden wir immer größere Probleme bekommen, geeigneten Nachwuchs für die Brandbekämpfung zu finden."

Die Idee für einen Feuerwehrstromtarif sei nicht schlecht, aber noch besser wäre aus Sicht des SPD-Politikers den Kameraden die kostenlose Nutzung der Freizeit- und Kultureinrichtungen der Stadt zu ermöglichen. "Das ist für die jungen Leute erstrebenswerter als bei den Energiekosten zu sparen", sagte Manfred Püchel der Volksstimme.