Oberbürgermeister René Zok (parteilos) hält an dem neuen Einkaufszentrum, das private Investoren in der Lehrter Straße bauen wollen, fest. Der Bauausschuss des Stadtrates hatte die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes vor wenigen Tagen abgelehnt.

Staßfurt. Bei einem Treffen im Rathaus dankte der Oberbürgermeister den Investoren gestern Mittag für ihre Bereitschaft, sich in Staßfurt engagieren zu wollen. Das neue Einkaufszentrum werde nach seiner Fertigstellung ebenso wie die Stadtvillen am See zur Innenstadtbelebung beitragen, ist Zok überzeugt.

Er äußerte sich erfreut darüber, dass mit dem rund 3,1 Millionen Euro teuren Projekt insgesamt elf Vollzeitarbeitsplätze und zwölf für Teilzeitkräfte verbunden sind.

Ausgangspunkt der Debatte über die Neubebauung des Standortes waren die Überlegungen des Unternehmers Reiko Koch gewesen, seine Fleischerei einschließlich des angrenzenden Imbisses zu gegebener Zeit aufgrund des Umsatzrückgangs zu veräußern.

Da laut Regionalstudie der Volksstimme noch immer 41 000 Personen aus der gesamten Region nach Magdeburg fahren, weil sie in Staßfurt nicht die Oberbekleidung, die junge Mode oder die günstige Bekleidung bekommen, die sie sich wünschen, entstand die Idee, an besagtem Standort einen Textildiscounter anzusiedeln, informierte der Wirtschaftsförderer der Stadt Christian Schüler.

Das gehe jedoch nur mit einem "Anker-Mieter", sagte der Zerbster Immobilienmakler Reinwald Bechler. Dafür habe sich Netto entschieden. Die Handelskette mit dem rot-gelben Schriftzug sei daran interessiert, in Staßfurt mit drei Standorten zu arbeiten, sagte Bechler. Geplant sei eine Verkaufsraumfläche von 800 Quadratmeter plus Backshop.

Im Gegensatz zum November, wo er die Pläne für das neue Einkaufszentrum erstmals im Bauausschuss vorstellte, nannte der Makler gestern den Namen des Textildiscounters, der Interesse an einer Ansiedlung in Staßfurt hat: AWG Mode.

Das Unternehmen verfügt über 200 Filialen, 3000 Mitarbeiter und eine Verkaufsfläche von rund 172 000 Quadratmetern. Die nächstgelegene Filiale befindet sich im Einkaufspark an der Hoymer Chaussee in Aschersleben.

Bechler: "Die oberste Geschäftsleitung war mehrfach in Staßfurt. Sie ist von der Güte des Standortes so überzeugt, dass sie die geplante Verkaufsraumfläche von rund 1000 Quadratmeter gern noch um 400 Quadratmeter erweitern würde." Dann könnte man dort auch bestimmte Marken und Labels, wie zum Beispiel s. Oliver, platzieren.

"Der Gewerbeverein der Stadt hat sich nicht generell ablehnend zu diesem Vorhaben geäußert", sagte Zok. An einer anderen Stelle in der Innenstadt könne man das Projekt nicht umsetzen.

Wie Schüler informierte, seien die Investoren ursprünglich an dem leerstehenden Objekt auf dem Luisenplatz interessiert gewesen. "Wir haben uns seit 2008 intensiv mit dem dortigen Eigentümer auseinandergesetzt. Es ist uns aber nicht gelungen, ihn zu bewegen, entweder das Gebäude zu verkaufen oder etwas Neues zu entwickeln", bedauerte der Wirtschaftsförderer.

Den für den Einkaufsmarkt in der Lehrter Straße notwendigen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan bezeichnete er als "Analyse", ob das Vorhaben an diesem Standort überhaupt umsetzbar ist. Dabei würden sowohl das angrenzende Naturschutzgebiet, der Europaradweg R1 sowie die Skateranlage berücksichtigt. Die Freifläche, die Zirkus Probst bei seinen Auftritten nutze, werde nicht überbaut,

Am 19. Mai entscheidet der Stadtrat abschließend darüber.