Nachterstedt (mz). Die Ampel an der Todeskreuzung zwischen Nachterstedt und Hoym ist angeschaltet. Mitarbeiter der Stührenberg GmbH, einem Unternehmen für Straßenverkehrstechnik mit Stammsitz in Detmold, haben die für die Wiederinbetriebnahme erforderlich gewordenen Wartungsarbeiten durchgeführt und es wieder Licht werden lassen. Das Verkehrsministerium des Landes Sachsen-Anhalt ordnete vergangenen Dienstag - nur zwei Tage nach dem tödlichen Verkehrsunfall auf der L75 zwischen Nachterstedt und Hoym - an, die Anlage schnellstmöglich wieder in Betrieb zu nehmen.

Rückblende: Eine 53-jährige Mitarbeiterin der Therapeutischen Kinder- und Jugendeinrichtung in Opperode (Harzkreis) missachtete am späten Sonntagnachmittag an der schlecht einsehbaren Kreuzung die Vorfahrt. Ein 40 Jahre alter Renault-Fahrer krachte mit voller Wucht in die Seite des VW-Busses, in dem sich neben der Frau noch vier Kinder befanden. Für einen zwölfjährigen Jungen kam jede Hilfe zu spät. Er erlag seinen Verletzungen noch an der Unfallstelle.

Ein Zehnjähriger musste von der Feuerwehr aus dem Autowrack befreit werden. Er wurde schwer verletzt in eine Hallenser Klinik geflogen. Verletzt wurden auch die beiden anderen Kinder - ein 13-jähriger Junge und ein sechsjähriges Mädchen - sowie die Fahrer. Unmittelbar nach dem Unfall und hinsichtlich der Frage der Vermeidbarkeit wurde harsche Kritik aus der Bevölkerung laut. Denn eine Lichtsignalanlage befinde sich seit 2006 an Ort und Stelle, Ende 2007 sei sie aber abgeschaltet worden.

Dass es sich um eine "sach- und fachgerechte Entscheidung" gehandelt habe, bekräftigte der Landesbetrieb Bau noch am Montag. Den Vorwurf, die abgeschaltete Ampel habe zu dem Unfall geführt, wies er entschieden zurück. Die Kreuzung gelte nicht als Unfallschwerpunkt. Eine Ampel sei an dieser Stelle nicht notwendig.

Am Dienstag dann die Wende: Zwar gebe es eigentlich "keine stichhaltigen Gründe", die Ampel wieder in Betrieb zu nehmen, aber "ein kleines Fragezeichen" habe der Unfall hinter die Entscheidung der Abschaltung gesetzt, so Harald Kreibich, Sprecher im Ministerium, das sich in die Angelegenheit einschaltete und die Order "Licht an" aussprach.

Bei der nun auf unbefristete Zeit wieder in Betrieb genommenen Lichtsignalanlage handele es sich um eine so genannte "intelligente Ampel", so Stefan Hörold vom Ministerium für Bau und Verkehr. Feste Schalt-Intervalle gebe es nicht. Je nach Verkehrsaufkommen springen die Ampeln um auf Rot und Grün.

Unabhängig von der Schaltung und dem noch ausstehenden Gutachten, in dem unter anderem die möglicherweise viel zu hohe Geschwindigkeit des am Unfall beteiligten Re-naults eine Rolle spielen wird, plant die Polizei einen erhöhten Kontrolldruck an der Unfallstelle: "Es ist nicht ganz einfach, dort Kontrollen durchzuführen", erklärt Marco Zeuner, Leiter des Ascherslebener Revierkommissariats, dass technische Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

Unterdessen wurden an der Unfallstelle ein Gedenkstein sowie Blumen für den verunglückten Jungen abgelegt. Die Beisetzung des verunglückten Kindes findet im engsten Familienkreis statt.