Die Pläne der Gierslebener Landwirte Rainer und Hermann Heukamp, die Schweinemastanlage in Neundorf zu komplettieren beziehungsweise um einen Anbau für 5184 Tiere zu erweitern, stößt in Neundorf auf strikte Ablehnung. Auch der Ortschaftsrat verweigerte beiden Vorhaben das Einvernehmen.

Neundorf. Die anwesenden Bürger als auch Ortsbürgermeister Burkhard Hennicke monierten, dass es schon jetzt im gesamten Dorf übel nach Gülle rieche. "Wir wollten vergangenen Freitagfrüh auf unserer Terrasse frühstücken. Doch das war einfach nicht möglich", beklagte sich Paul Just. "Ich muss am Tag zehn Mal die Fenster aufmachen und lüften", berichtete Verena Perleberg, die im Schulweg und damit in unmittelbarer Nähe zur Anlage wohnt und gegen Heukamp vor Gericht gezogen ist. Sie ist schwer krank und möchte ihr Haus in Neundorf verkaufen. Aber wegen der Beeinträchtigungen durch die Schweinemast würde sie heute statt 600 000 Euro nur noch 80 000 Euro dafür bekommen.

"Der Mensch ist nichts mehr wert. 3000 Einwohner stehen gegen 12 000 Schweine und das bei nur zwei neuen Arbeitsplätzen", sagte Verena Perleberg. Für sie steht die Abkürzung SLK inzwischen für "Schweinelandkreis".

Die Neundorferin versteht nicht, warum die Stadt nicht einfach eine Satzung erlässt und damit die Massentierhaltung in ihrem Territorium verbietet. "Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage", sagte der Bau-Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung Wolfgang Kaufmann.

Verena Perlebergs Partner sagte, es sei erstaunlich, dass der Gestank schnell vorbei sei, wenn man das Umweltamt um eine Kontrolle bitte und die Mitarbeiter dann vor Ort erscheinen. Ein Ablehnungsgrund für die neuen Pläne ist für ihn die Tatsache, dass die Kindertagesstätte und die Grundschule weniger als 1000 Meter von der Schweinemast entfernt seien. Brigitte Hentschel meinte: "Wenn alle Kinder von Heukamp 6000 Schweine mit herbringen, können wir Neundorf zuschütten."

Die in der Beschlussvorlage vermerkte Äußerung von Heukamp, dass er nur dann die Ställe 1 und 2 mit einer neuen Abluftreinigungsanlage ausstatten und die Abluftführungssysteme der Ställe 3 und 4 ändern werde, wenn der Neubau genehmigt werde, stieß beim Ortsbürgermeister auf Kritik. Das gleiche galt für die vom Investor angekündigte Aufstockung der Zahl der Futtertransporte."Herr Heukamp hätte den Neundorfern zeigen können, dass er etwas für die Umwelt tun will", sagte Hennicke.

Ortschaftsrat Fred Hänsel (Fraktion Linke) hält das Vorhaben nicht 100-prozentig planmäßig durchdacht. Er befürchtet, dass es zu einer weiteren Beeinträchtigung des Erholungswertes in Neundorf kommen wird. Und Niko Zenker (SPD) stellte gar die von Heukamp vorgelegten Gutachten, wonach es keine schädlichen Umwelteinwirkungen geben werde, in Frage. Damit liege er richtig, denn dem Landesverwaltungsamt liege eine andere Untersuchung vor, die besage, dass durch den Neubau mit einer erheblichen Geruchsbelästigungen zu rechnen sei, sagte Verena Perleberg.

Kaufmann und die Planungschefin der Stadt Anke Michaelis stellten klar, dass die Kommune das Einvernehmen nicht versagen könne, wenn die planerischen Voraussetzungen wie in diesem Fall gegeben seien. Die Gemeinde werde nur angehört. Für die Genehmigung sei das Landesverwaltungsamt zuständig. Die Bürger sollten die Möglichkeit nutzen und ihre Einwände bei der öffentlichen Auslegung der Pläne in der Stadtverwaltung vorbringen. Der Termin werde rechtzeitig bekannt gegeben. Darüber hinaus gebe es auch noch einen Erörterungstermin mit Fachleuten, der öffentlich sei, so Michaelis.

Der Bauausschuss des Stadtrates wird sich mit beiden Vorlagen wahrscheinlich erst am 16. Juni beschäftigen.