Wenn der Güstener Peter Grams an Wochenenden mit seiner Frau Antje an mittelalterlichen Lagertreffen teilnimmt, dann schlüpfen beide nicht nur in fremde Gewänder. In der Saison zwischen April und Ende September wird der 44-jährige Computerfachmann regelmäßig zu Graf Eberhard I. von Catzenelnbogen, begleitet von Gräfin Elisabeth.

Güsten (mz). Beide Figuren hat es Ende des 12. Jahrhunderts tatsächlich gegeben. Eberhard war Berater eines Pfalzgrafen. Auf seine historische Person ist Grams getroffen, als er vor Jahren einer Gruppe in Mainz angehörte, deren Gründer sich historisch als "Ritter des silbernen Kreuzes" eingeordnet hatte. Außerhalb des üblichen Tagesablaufs beginnt für die beiden Güstener mit dem Leben in mittelalterlich anmutenden Lagern eine andere Zeit.

"Der krasse Gegensatz zum beruflichen Alltag"

"Das Mittelalter ist der krasse Gegensatz zum beruflichen Alltag", findet Grams.

Es kommt nicht so sehr darauf an, wann eine Arbeit fertig ist. Muße ist angesagt. Allein der Aufbau des Zeltes nimmt einige Zeit in Anspruch. Wann gegessen wird, hängt erheblich von den Wetterbedingungen ab, denn gekocht wird im Freien. Entscheidend ist, sich in aller Ruhe auf die Mitglieder der Gruppe einzulassen. Vor drei Jahren haben die beiden Güstener die Askania Mittelalter IG gegründet. Mittlerweile gehören zu der Interessengemeinschaft zehn Erwachsene und zwei Kinder.

"Für uns ist es wie ein Kurzurlaub"

Für das Güstener Ehepaar ist die Beschäftigung mit dem Mittelalter zu einem aufwändigen Hobby geworden. An jedem zweiten Wochenende in der Saison sind sie mit ihrem Transporter unterwegs, um die Stangen für das sechs mal sechs Meter große Zelt, diverse Kisten und alle weiteren Utensilien zu transportieren. "Man muss schauen, dass alles in handliche Stücke zerlegbar ist", sagt Grams.

Persönlich beteiligt sich der 44-Jährige auch an Schwerterkämpfen. Sie werden bei den Treffen oft spontan vereinbart. Allein die Rüstung, die zu schleppen ist, wiegt 23 Kilo. Für Peter Grams ist es eine Möglichkeit, seine Fitness zu testen. Doch in der Askanen-Gruppe ist dies eine Ausnahme. Typisch sind Veranstaltungen wie die Königspfalzbelebung in Tilleda, die vom 20. bis 22. Mai geplant ist. Dort kann man in experimenteller Archäologie des Mittelalters lernen, wie man eine Zahnbürste herstellt. Auch die richtige Dosis zum Herstellen von Tinte wird erprobt.

Was fasziniert Erwachsene, ihre Freizeit so zu verbringen? "Für uns ist es wie ein Kurzurlaub", sagen Antje und Peter Grams. Einer dieser Kurzurlaube ist übrigens am 29. Mai geplant. Beim großen Festumzug zum 850-jährigen Bestehen der Stadt Bernburg wollen sich die Mittelalter-Freunde ebenfalls einreihen. Das Motto des Umzugs: "Eine Stadt schreibt Geschichte".

www.askania-mittelalter-ig.de