Für den Personennahverkehr auf der Straße sind die Landkreise zuständig. Im Salzlandkreis existieren drei Nahverkehrspläne der ehemaligen Landkreise Bernburg, Schönebeck und Aschersleben-Staßfurt. Noch. Der Kreistag hatte im November 2008 beschlossen, einen einheitlichen Plan erarbeiten zu lassen. Ab August 2012 soll diese Dienstleistung nur noch bei einer Verkehrsgesellschaft bestellt werden. Der Umwelt-, Planungs-, Verkehrs- und Wirtschaftsausschuss befasste sich mit der Thematik.

Bernburg. Eine längere Zeit der Diskussion hat das Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) bei der Sitzung des Umwelt-, Planungs-, Verkehrs- und Wirtschaftsausschusses am Montag in Bernburg eingenommen. Es geht konkret darum, die bisherigen Nahverkehrspläne der ehemaligen Landkreise Bernburg, Schönebeck und Aschersleben-Staßfurt zu vereinheitlichen. Ab 1. August 2012 soll ein harmonisierter Nahverkehrsplan mit aktueller Linienbündelung gelten. Das Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung (Isup) GmbH mit Sitz in Dresden ist mit der Erarbeitung eines solchen Konzeptes beauftragt worden. Das Ergebnis stellten Mitarbeiter des Unternehmens am Montag im Ausschuss vor.

Unterschieden werden muss beim öffentlichen Personennahverkehr zwischen Schiene und Straße. Die Landkreise und kreisfreien Städte sind Aufgabenträger für den öffentlichen Straßenpersonennahverkehr (ÖSPV), während das Land für den Schienenpersonennahverkehr verantwortlich zeichnet. So jedenfalls ist es in der von der Verwaltung erstellten Beschlussvorlage zum Nahverkehrsplan für den Salzlandkreis erklärt.

Eine Priorität des nun vorgelegten Planes für den Salzlandkreis bildet der Schülerverkehr, der prinzipiell als sehr wichtiges Standbein im ÖPNV gilt. Als eine weitere Zielgruppe benannte Hartmut Gerber von der Isup GmbH die über 65-Jährigen. Alles in allem müsse der Nahverkehrsplan die demografische Entwicklung im Salzlandkreis berücksichtigen, das heißt: schrumpfende Bevölkerungszahlen, Überalterung, aber auch zunehmende Motorisierung.

Orte mit mehr als 200 Einwohnern sollen, laut Gerber, in einen festen Linienverkehr mit mindestens zwei Fahrtenpaaren pro Werktag eingebunden werden. Orte mit weniger als 200 Einwohnern sollen flexibel bedient werden. Faustformel: Für ein Unternehmen rechne sich eine Fahrt ab fünf Fahrgästen.

Landkreis mit Marego ein "gebranntes Kind"

Der Planer sprach von den schienengebundenen Strecken als "Landesnetzachsen". Sein Büro habe ihnen im vorliegenden Entwurf Busverbindungen in der Fläche hinzugefügt. "Anregungen von Kommunen sind mit aufgenommen worden", sagte Gerber. Kreistagsmitglied Johann Hauser (FDP) wollte wissen, wo er diese Anregungen findet. "Das will ich lesen", ließ er wissen. Jürgen Badzinski (SPD), der die Sitzung leitete, sagte den Ausschussmitgliedern zu, dieses Papier dem Sitzungsprotokoll beizufügen.

Den Salzlandkreis verglich Willi Kannegießer (SPD) in punkto Umlandverbund "Marego" mit einem "gebrannten Kind". Damit sei man auf die Nase gefallen. Deshalb mahnte er ein umsichtiges Herangehen an. Insgesamt kritisierten die Kreistagsmitglieder Mängel im Tarifsystem bei Marego. Diese Mängel seien aber zumindest anfänglich durchaus normal, schätzte Tilo Wechselberger, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, ein. Über einen Marego-Beirat könnten sie nach und nach abgestellt werden.

Nach einer attraktiven Verbindung ohne Umsteigen zwischen Bernburg und Magdeburg fragte Jutta Röseler (Bündnis90/Die Grünen). Wechselberger verwies hier auf eine geplante Direktverbindung ab 2013/2014 auf der Schiene über Calbe.

Dem Beschlussvorschlag zum Nahverkehrsplan stimmten sieben Kreistagsmitglieder zu, zwei enthielten sich der Stimme. Jetzt muss der Kreistag noch zustimmen. Vorbehaltlich dieses Votums würde der Nahverkehrsplan dann von 2012 bis 2020 gelten. Die Neuerteilung der Linienverkehrsgenehmigungen im gesamten Salzlandkreis soll per Direktvergabe erfolgen.