Der Verbandsgemeinderat der Egelner Mulde hat am Mittwochabend den Campingplatz am Großen Schachtsee verkauft. Der Käufer ist ein Leiziger, der in Aken einen Campingplatz betreibt. Die Gemeinderäte konnten bei ihrer Entscheidung zwischen zwei Interessenten auswählen.

Egeln/Wolmirsleben. Peter Fries, der Vorsitzende des Verbandsgemeinderates, bat die vielen Zuschauer des jüngsten Verbandsgemeinderates um Zurückhaltung zu Beginn der Sitzung. Viele Gäste waren zu der öffentlichen Sitzung erschienen. Sie interessierte vor allem die Zukunft des Campingplatzes am Großen Schachtsee. Das Besucher- interesse war so groß, dass nicht alle Bürger einen Sitzplatz bekommen konnten.

Im öffentlichen Teil der Veranstaltung sollten sich die beiden Kaufinteressenten vorstellen. Dass es die überhaupt gibt, stimmte Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr sichtlich froh. Hatte die Verbandsgemeinde doch nach ihrer Gründung mehrere Anläufe gestartet, um den Zuschussbetrieb abzustoßen. Die meisten bisherigen Interessenten wollten den Platz mit Badestrand allerdings nur übernehmen, wenn die Verbandsgemeinde weiterhin jährlich einen festen Zuschuss zahlen würde.

Diese Bedingungen gefielen weder dem Verbandsgemeindebürgermeister noch dem Gemeinderat. Denn die jährlichen Defizite drücken auf die Verbandsgemeindeumlage, die keine der fünf Mitgliedsgemeinden mehr zahlen kann.

Nachdem selbst eine europaweite Ausschreibung keinen Erfolg hatte, versuchte es die Verbandsgemeinde im vergangenen Jahr erneut und wurde fündig.

Mit Torsten Ebeling bewarb sich ein Campingfreund um den Platz. Dazu gesellte sich der Leipziger Joachim Nöske. Vorstellen sollten sich die beiden Bewerber dann am Mittwochabend öffentlich. Zunächst stritt der Verbandsgemeinderat allerdings um die Frage, wer denn nun zuerst das Rederecht erhalten sollte.

Joachim Nöske bekam den Vorzug. Über Jahre sei er in Aken auf dem Campingplatz aktiv, schilderte Joachim Nöske. Er habe einen Verein gegründet, um den Platzbetrieb wirtschaftlich zu gestalten. "Ohne einen Verein explodieren die Kosten", sagte er. Wenn er den Zuschlag erhalte, wolle er die Anlage zum 1. Juni eröffnen. Eintrittspreise für den Badebetrieb wolle er nicht erheben, fuhr er fort. Da sich der See selbst reinige und keine aufwändige Technik notwendig sei, sollten die Besucher für ihr Geld einen Gutschein für sein Imbiss- und Restaurantangebot erhalten, kündigte er weiter an.

Gastronomieausbau und Eintrittspreise

Zügig will der Unternehmer eine Gastronomie auf dem Gelände aufbauen. Mit den Gutscheinen wolle er auch verhindern, dass weitere Anbieter, die bislang auf dem Platz präsent sind, ihre Geschäfte beenden.

Denn auf dem Gelände gibt es noch fremde Grundstücke, auf denen beispielsweise Gastronomie in Konkurrenz zu den Angeboten auf dem Platz selbst angeboten werde. Nur über ein entsprechendes Angebot könne der Platz Zusatzeinnahmen generieren, ist Joachim Nöske überzeugt. Einmal im Monat wolle er eine größere Veranstaltung durchführen, kündigte er außerdem an.

Die Probleme des Platzes, sagte er auf Nachfrage der Gemeinderäte, seien ihm bekannt und von der Verwaltung nicht verschwiegen worden.

Mit Torsten Ebeling stellte sich der zweite Bewerber vor. Er sei in Wolmirsleben aufgewachsen und lebe zurzeit in Cochstedt. Außerdem sei er Dauercamper auf dem Platz.

In Form eines Familienbetriebes wolle er den Platz betreiben, sollte er den Zuschlag erhalten, sagte Torsten Ebeling. "Der Platz braucht in Zukunft mehr Belebung, mehr Veranstaltungen. Aber auf Rücksicht auf die Dauercamper sollte es damit nicht übertrieben werden", fügte er hinzu. Für die Camper wolle er eine bessere Gastronomie sowie bessere Einkaufsmöglichkeiten schaffen. Außerdem wolle er das Strandbad für die Badegäste attraktiver machen. Zu den Eintrittspreisen wollte er sich nicht äußern. Das sei Spekulation, wies er Auskünfte ab.

Die Zuschauer bedachten seine Ausführungen mit großem Beifall.

Joachim Nöske hat bereits Zahlen im Kopf. 700 Euro Jahrespacht plus 50 Euro für die Nebenkosten müsste jeder Dauercamper zahlen, sagte er auf Nachfrage. Unter diesem Betrag sei nichts zu machen, zeigte er sich überzeugt.

Ob es feste Arbeitsplätze auf dem Gelände gebe, wollten die Gemeinderäte wissen. Hier wollte sich Joachim Nöske nicht festlegen. Die 100 Dauercamper seien zwar eine feste Größe. Allerdings reichten die Einnahmen kaum aus, um viel zu bewegen, schätzte er ein. Wäre der Campingplatz größer, könne auch mehr investiert werden. Torsten Ebeling sah vor allem neue Beschäftigungsmöglichkeiten für seinen Familienbetrieb. Dazu kämen noch Saisonarbeiter.

Investitionen und Kaufvertrag

Investieren müssen allerdings alle Kaufinteressenten. "Vor allem das Sanitärgebäude, welches durch den hohen Wasserstand des Sees überflutet wurde, hat deutlich Schaden genommen", sagte Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr vorab.

Wahrscheinlich sei, meinte er weiter, dass der neue Eigentümer Veränderungen in der Wahl der Standorte für Dauercamper und das Sanitärgebäude vornehme. Denn neben dem See gebe es deutlich höher gelegene Flächen, die genutzt werden könnten.

Laut einem erstellten Wertgutachten sei das ganze Areal rund 215 000 Euro wert. Diesen Preis wird die Verbandsgemeinde allerdings nicht erzielen, war den Verbandsgemeinderäten vor der Abstimmung bereits klar. Nach Mitteilung gut unterrichteter Ratsmitglieder habe ein Anbieter rund 40 000 Euro und der zweite rund 50 000 Euro geboten.

Bevor die Gemeinderäte im nichtöffentlichen Teil der Sitzung über den Verkauf abstimmen wollten, wurde eine Beratungspause für die Fraktionen eingelegt. Hier diskutierten die Volksvertreter die beiden Konzepte. Anschließend dauerte es dann noch fast eine Stunde, bis die Gemeinderäte zu einem Ergebnis kamen.

Mit deutlicher Mehrheit, fasste Michael Stöhr zusammen, habe sich der Gemeinderat für Joachim Nöske entschieden. Nicht nur habe er das höhere Angebot abgegeben. Für die Volksvertreter spielte offenbar die Erfahrung des Getränkehändlers eine entscheidende Rolle, so Stöhr weiter.

Umgehend habe die Verwaltung den Bewerber informiert. Bereits am kommenden Mittwoch wolle der Bürgermeister mit Joachim Nöske zu einem Notar fahren, um den Kaufvertrag abzuschließen, kündigte Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr an.

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