Welsleben/Biere. Ein unbekannter Mann hat am Donnerstag einen Jungen (8) aus Biere auf dem Heimweg mehrmals angesprochen und ihn gedrängt, auf sein Quad zu steigen und mitzufahren. Der Junge ging nicht auf das Angebot ein.

Der Junge war am Mittwoch zwischen 12.10 und 12.30 Uhr von seiner Grundschule "Juri Gagarin" in Welsleben mit dem Schulbus auf dem Heimweg nach Biere gewesen, wie Pressesprecherin des Polizeireviers Salzlandkreis Katja Loichen-Kurth informiert. Die Schüler versammelten sich mit einer Lehrerin wie jeden Tag an der Haltestelle in Welsleben, warteten dort auf den Bus.

Die Mutter, die wie ihr Sohn aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will, berichtet aus den Erzählungen ihres Kindes, dass der unbekannte Mann bereits an der Grundschule gewartet haben soll. Zwei weiteren Kindern sei der Fremde auf dem Quad - ein einem Motorrad ähnlichen Geländefahrzeug mit vier Rädern - bereits aufgefallen, sagte ihr der Sohn im Nachhinein. "Er dachte erst, dieser Mann sei der Opa eines anderen Kindes", weiß die aufgewühlte Mutter. Der Junge beschrieb den Mann seiner Mutter: Er fuhr ein schwarz-silbernes Quad, trug schwarze Leder-Motorradkleidung und einen grauen Helm. Weiterhin stellte er den Mann als älter dar, mit hellem Haar, dicklichem Gesicht; er hatte einen grauen Oberlippenbart mit durchgängigem Kinnbart.

Als der Junge und seine Mitschüler in Welsleben an der Haltestelle gegen 12.25 Uhr in den Schulbus einstiegen, bewegte sich der Quadfahrer bereits zu der Schülermenge und fragte den Jungen, ob er ihn nach Hause fahren sollte, schilderte die Mutter weiter. Da der Junge nicht antwortete, wiederholte er etwas rabiater: "Kommst du jetzt mit oder nicht?"

Schweigend stieg der Junge mit seinen Freunden in den Bus, sah wie das Quad den Bus verfolgte, ihn überholte. An der nächsten Haltestelle in Biere am Sportplatz hielt er wieder und wartete, ob die Schüler ausstiegen. "Ich habe das Gefühl, der hat sich ihn ausgeguckt", sagt die Mutter jetzt. Denn auch an der Ausstiegstelle an der Bierer Kirche zielten die Versuche des Mannes wieder nur auf den Jungen ab: Mit seinem Freund, mit dem er täglich den ersten Teil des Heimwegs zusammen antritt, sah er das Fahrzeug wieder herannahen. Auf dem Quad sitzend näherte sich der ältere Mann den beiden Jungs, fragte zweimal "Kommst du mit mir mit? Ich fahre dich nach Hause." Der Junge, der bereits in Elternhaus und Schule über die Gefahren, die von Fremden ausgehen können, aufgeklärt wurde, war erst sprachlos. Dann schließlich antwortete er mit einem knappen "Nein" und ging mit seinem Freund nach Hause. Der Mann verfolgte sie nicht weiter.

Der Junge lief aufgeregt zu seiner Mutter, konnte sich nur schwer beruhigen. "Den ganzen Abend lag er bei mir und hatte Angst", sagt die Mutter. Sie verständigte zusammen mit den Eltern des zweiten Jungen das Polizeirevier Schönebeck. Dieses nahm gleich die Ermittlungen auf, fuhr gestern Vormittag Streife an der Schule. "Die Polizei hat uns wirklich toll behandelt und sehr beruhigt", dankt die Mutter noch einmal den Beamten.

Die Sache wurde an die Kriminalpolizei weitergeleitet. Bis jetzt aber liegt keine Straftat vor, dem Mann ist rechtlich nichts vorzuwerfen. Welchen Hintergrund die Handlung des Mannes hatte, kann die Polizei derzeit auch noch nicht sagen. "Die Ermittlungen wurden aufgenommen und dauern an", so Loichen-Kurth. Lehrerinnen der Schule werden die Thematik noch einmal mit den Schülern besprechen.

Die Familie ist mit einem Schrecken davongekommen. Stolz ist die Mutter besonders auf das Verhalten des Kindes und darauf, wie tapfer es war. Viel Schlimmes sei ihr durch den Kopf gegangen. Schlussendlich sei sie dankbar, dass ihr Sohn nicht allein unterwegs gewesen, dass alles glimpflich ausgegangen sei. Nur noch unter Aufsicht gehe er jetzt hinaus. Auch im Dorf steht jetzt besondere Wachsamkeit auf der Tagesordnung.

Die Polizei lobt noch einmal ausdrücklich die Kinder: "Gut gemacht! Sie haben sich vorbildlich verhalten, sich nicht überreden lassen und sofort ihren Eltern von dem Vorfall berichtet." Sie empfiehlt, den beispielhaften Fall mit den eigenen Kindern auszuwerten. Und die Polizei Schönebeck (03928/466195) bittet um Mithilfe beim Vorfall: Gibt es Zeugen? Kennt jemand, hat jemand Mann oder Quad gesehen? Wurden weitere Kinder angesprochen?