Ein besonderes Fest steht zahlreichen Jugendlichen im Salzlandkreis bevor. In den kommenden Wochen feiern sie in ihren Gemeinden die Konfirmation. Die 15 Konfirmanden in Schönebeck bereiten sich noch auf ihren großen Tag vor - den Tag, an dem sie den Schritt in die Selbständigkeit gehen. Die Aufregung steigt, bevor auch sie öffentlich "Ja" zum christlichen Glauben sagen.

Salzlandkreis. Es ist eine bunte Runde, die sich in der St.-Johanniskirche in Bad Salzelmen zusammengefunden hat. Die Mädchen und Jungen schnattern munter drauf los. Dass unter ihnen auch Pfarrer Johannes Beyer und Matthias Porzelle sitzen, stört die Jugendlichen nicht. Mit den beiden Erwachsenen sind sie in den vergangenen anderthalb Jahren sehr vertraut geworden. Gemeinsam haben sie die Konfi-Zeit, die christliche Vorbereitung auf die Konfirmation, erlebt. Jetzt stehen die 15 Jugendlichen aus Schönebeck und der Gemeinde Bördeland kurz davor, den bedeutenden Schritt in die Selbständigkeit zu gehen. Am Pfingstsonntag werden sie konfirmiert. Dabei werden sie ihr Glaubensbekenntnis selbst aussprechen.

"Ich möchte selbst ¿Ja\' zu Gott sagen", begründet Saskia Klopp ihre Entscheidung, sich mit 14 Jahren konfirmieren zu lassen. "Bei der Taufe haben meine Eltern die Entscheidung für mich übernommen, jetzt möchte ich das selber sagen", erklärt die Schönebeckerin. Ähnlich argumentiert Daniel Schünemann. "Es geht mir um die Erneuerung meines Bekenntnisses", sagt der 14-jährige Junge aus Biere. Für die 13-jährige Pauline Sell ist es "der Beweis, das man wirklich glaubt". Und für Johanna Podgorski, die ebenfalls aus Eggersdorf stammt, liegt klar auf der Hand: "Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen."

Die Bedeutung der Konfirmation erklärt Pfarrer Matthias Porzelle so: "Wurde man in jungen Jahren durch die Entscheidung der Eltern getauft, so bestätigt man mit der Konfirmation diese Entscheidung und gibt damit sein ¿Ja\' zur Kirche ab und bezeugt, dass dies der erwählte Glaube ist und man dazugehören will." Außerdem ist man mit der Konfirmation religionsmündig und erwirbt somit alle Rechte und Pflichten der Kirchengemeinde, wie beispielsweise der Wahl des Gemeindekirchenrates. Aber auch Pate dürfe man nur werden, wenn man konfirmiert sei, ergänzt Pfarrer Johannes Beyer.

"In meiner Familie spielt der Glauben eine große Rolle", erzählt Daniel Schünemann, während Tobias Hennig zustimmend nickt. Der Glaube helfe den Jugendlichen in schwierigen Situationen, sind sie sich einig. "Getauft wurde ich als Baby, jetzt möchte ich selbständig ¿Ja\' zu Gott sagen", fasst Saskia Klopp zusammen. Zudem gefällt ihr der Austausch mit neuen Leuten: "Die Gruppe kennt sich ja nicht unbedingt vorher, von daher ist es spannend, mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen."

Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren trifft sich die Gruppe aus Schönebeck und Bördeland zum Konfirmationsunterricht. "Wir nennen es lieber Konfi-Zeit, das klingt nicht so nach Unterricht", erklärt Pfarrer Porzelle schmunzelnd. Grundsätzlich liegt den beiden Pfarrern am Herzen, dass die Konfi-Zeit nicht als eine Pflichtveranstaltung wahrgenommen wird. So waren sie beispielsweise auch mit ihren Schützlingen schon mit dem Rad stolze 46 Kilometer unterwegs. "Wir haben im März eine Tour durch die Stadt und das Umland unternommen, um die Kirchen kennenzulernen", berichtet Pfarrer Beyer. Ob das Schniewindhaus oder die katholische Kirche, nichts wurde ausgelassen. "Das haben wir getan, damit die Jugendlichen auch einmal bewusst wahrnehmen, wie Kirchen aussehen können", erklärt Beyer. Sowohl in einem ruinösen Zustand wie in Felgeleben als auch eben prunkvoll wie die Johanniskirche in Bad Salzelmen. "Ich finde Johannis am schönsten", wirft daraufhin Daniel Schünemann in die Runde.

Der Fokus der gemeinsamen Unternehmungen sowie im Unterricht liegt dabei immer auf dem Glauben. Was steht in der Bibel, was bedeuten die zehn Gebote, was sind Sinn und Zweck des christlichen Glaubens? "Manch Konfi kennt das aus dem Religionsunterricht, ein anderer aus der Familie", beschreibt Porzelle die Gruppe, die sich aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen Jugendlicher ergibt. "In der siebenten Klasse beginnt die Konfi-Zeit und endet Ende der achten Klasse mit der Konfirmation", umreißt Porzelle den zeitlichen Rahmen. Er sieht diesen Schritt der Jugendlichen als einen großen zur Selbständigkeit.

Es gibt keine Pflichtstunden, doch die Teilnahme am Unterricht setzen die Pfarrer mit der Einwilligung zur Konfirmation voraus. Und so telefoniert Pfarrer Beyer beispielsweise kurz vor der nächsten Zusammenkunft noch mit einem Konfi, der sich offenbar verspätet. Langsam beginnt schließlich die heiße Phase. Am Pfingstsonntag werden die 15 Schützlinge von Beyer und Porzelle den Abschluss ihrer Konfi-Zeit feiern. Um 10 Uhr findet ein Konfirmationsgottesdienst in der St.-Jakobikirche statt, um 14 Uhr ein zweiter in der St.-Andreaskirche in Biere.

Am gestrigen Sonntag haben sich die 15 Konfis ihrer Gemeinde vorgestellt. Dazu haben sie traditionell den Vorstellungsgottesdienst gestaltet. Eine Art Bewährungsprobe. Die Aufregung vor dem großen Tag Anfang Juni wird dadurch aber nicht geringer. Eine wichtige Frage, die bis dahin auf jeden Fall noch geklärt werden muss, ist: Was zieht jeder an? "Ich glaube, wir müssen uns einmal auf die Knie setzen", flüstert in diesem Zusammenhang Saskia Klopp zu ihrer Nachbarin. Erschrocken blickt Pauline Sell daraufhin auf. "Ich wollte doch ein kurzes Kleid anziehen." Derweil lehnen sich die Jungs gelassen zurück. "Ich werde das kurz vorher entscheiden", sagt Tobias Hennig nur.

"Heute herrscht keine Kleiderordnung mehr für die Konfirmation", erklärt unterdessen Pfarrer Porzelle. Lediglich festlich und dem Anlass entsprechend sollte das Outfit sein, empfiehlt der Pfarrer, der bei all der Lockerheit den Hintergrund der Konfirmation, die seinen Worten zufolge drei wesentliche Elemente beinhaltet, nicht vergessen wissen will: An erster Stelle steht das Glaubensbekenntnis. "Das, was die Eltern mit der Entscheidung zur Taufe für das Kind übernommen haben, bejahen die Jugendlichen eigenständig", erklärt der Pfarrer. Sie bekennen sich sozusagen Jahre später zu ihrer Taufe, und das öffentlich vor der gesamten Gemeinde.

Des Weiteren nehmen die jungen Menschen bei der Konfirmation das erste Mal in ihrem Leben allein am Abendmahl teil, berichtet Porzelle. "Vorher beteiligen sie sich zwar mit ihren Eltern daran, aber bei der Konfirmation sind sie eigenständig dabei." Nicht umsonst, so der Pfarrer, bedeute der Begriff Konfirmation auch "Schritt zur Selbständigkeit". Ähnlich wie bei der Jugendweihe, die umgangssprachlich als Schritt ins Erwachsenenleben gehandelt wird.

"Vor 50 oder 100 Jahren hat die Konfirmation sicher auch mehr diese Bedeutung gehabt", geht Porzelle auf diesen Vergleich ein. "Damals war nach der achten Klasse das Schulleben vorbei und die Kinder kamen ins Arbeitsleben", begründet er. In der heutigen Zeit würde dieser Passagenritus aber nicht zutreffen, "da die Schulzeit dann noch nicht zuende ist". Pfarrer Beyer fügt schlicht hinzu: "Das ist heute überholt."

Anders verhält es sich mit dem dritten Element der Konfirmation, daran wird auch in Zukunft festgehalten. "Jeder einzelne Konfi wird gesegnet", sagt Johannes Beyer. Dabei wird dem Konfirmanden ein besonderer Satz aus der Bibel zugesprochen. "Dieser kann als eine Art Lebensmotto gesehen werden", erklärt Beyer weiter. Ein Spruch, der den jungen Menschen durch das Leben begleitet.

So sei Psalm 23 "Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln" ein gern gewählter Satz für die Segnung, berichtet Porzelle. Kann sich ein Jugendlicher nicht entscheiden, dann kann auch der Pfarrer einen Satz auswählen, erklärt Porzelle weiter. Mit der Segnung wird schließlich die Konfi-Zeit der Jugendlichen beendet.

   

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