Die Erdgas Mittelsachsen GmbH (EMS) wird ein Großteil ihres Unternehmens aus Schönebeck verlagern. Das empfahlen die Mitglieder des Aufsichtsrates auf ihrer jüngsten Sitzung in dieser Woche in München.

Staßfurt/Schönebeck. "Es ist vorgeschlagen worden, dass der Hauptsitz nach Staßfurt gehen wird", sagte gestern auf Anfrage der Volksstimme der Pressesprecher der EMS, Frank Sieweck. Damit setzt die EMS den Wunsch der Gesellschafter um.

Jetzt beginnt das Unternehmen, das im nächsten Jahr sein 20-jähriges Bestehen in der Elbestadt gefeiert hätte, die Suche nach einem neuen, geeigneten Standort. Im Gespräch ist unter anderem das leerstehende Rathaus in Förderstedt und ein zweiter Standort im Gewerbegebiet in Staßfurt.

"Das wäre eine ideale Lösung", freute sich gestern der Atzendorfer Landtagsabgeordnete Johann Hauser (FDP). Das Rathaus in Förderstedt steht seit dem Auszug der Verwaltung leer.

Der EMS scheint die Dezentralisierung aber nicht ganz recht zu sein. "Es gibt derzeit eine Reihe von Optionen", so der Pressesprecher. Die Vorzugsvariante der EMS wäre, ein zentrales Objekt in der Stadt Staßfurt zu finden.

Die Mitarbeiter der EMS sollten gestern über die Entscheidung des Aufsichtsrates informiert werden. Am Morgen gab es ein Gespräch mit dem Betriebsrat, anschließend wurden die Mitarbeiter der Firma informiert.

"Schon in den Wochen zuvor gab es Signale, dass es bei einem negativen Beschluss des Stadtrates die Mitarbeiter dennoch hinter uns stehen werden", so Sieweck. Der Schönebecker Stadtrat hat auf seiner Sitzung vor 14 Tagen die Neuvergabe der Gaskonzession den Stadtwerken Schönebeck zugesprochen. Die Übergabe des Stadtnetzes soll Ende des Jahres 2012 vollzogen sein.

Was aus dem EMS-Gebäude in Schönebeck werden wird, steht noch nicht fest. "Wir werden auf jeden Fall mit Vertrieb und Kundenservice vor Ort bleiben", so Frank Sieweck.

Seinen Worten zufolge ist der regionale Gasversorger auch ein guter Steuerzahler. In den letzten Jahren habe die EMS im Durchschnitt pro Jahr rund 500 000 Euro Gewerbesteuern in die Schönebecker Stadtkasse gezahlt.

Da ist es kein Wunder, dass sich Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos) über die Entscheidung des Aufsichtsrates freut, dass die EMS ihren Hauptsitz nach Staßfurt verlegen will. "Das ist eine logische Konsequenz der Entscheidung des Schönbecker Stadtrates", so Zok. Staßfurt bilde dann für das Unternehmen den Schwerpunkt im Netz- und Kundenbereich. Die Kommune werde dem Unternehmen geeignete Objekte anbieten, kündigte der Oberbürgermeister an.

"Das ist ein Geschenk, dass man annehmen muss, freute sich auch Stadtratschef Dr. Walter Blauwitz (Linke) über die EMS-Offerte. "Wenn sich ein so potenter Steuerzahler anbietet, sich in unserer Stadt niederzulassen und wenn man dann auch noch hoffen kann, dass die Steuergelder auch in den nächsten Jahren fließen, müssen wir alles mögliche tun, um ein passendes Gebäude für ihn zu finden", sagte er.

Der stellvertretende Förderstedter Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Lärz (CDU) meinte: "Eine Stadt sollte Gewerbe ansiedeln." Dafür gebe es in Förderstedt nicht nur das Rathaus, sondern auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Firma Sikora. Vom Rathaus sollte die untere Etage für das Bürgerbüro, das Standesamt und das Büro des Ortsbürgermeisters der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.