Das kulturelle Leben in einem Ort steht und fällt mir den Menschen, die sich dafür engagieren. In Hecklingen gibt es einen Mann, der seit Jahren nicht locker lässt, wenn es darum geht, anderen mit Musik, Gesang und guter Laune eine Freude zu bereiten. Vor 17 Jahren hob er den Hecklinger Straßenkarneval aus der Taufe, seit 32 Jahren schlägt sein Herz für den Chor. Es pulsiert für seinen Heimatort und dafür, dass in dem kleinen Städtchen niemals nichts los ist. "Du bist spitze!", sagt die Jury der Volksstimme-Redaktion deshalb zu Reinhard Hoffmann und stellt ihn als ersten von insgesamt sechs Kandidaten vor. Ob er der Lokalmatador wird, liegt in der Hand der Leser.

Hecklingen. "Warum haben Sie ausgerechnet mich ausgesucht?" So richtig kann Reinhard Hoffmann aus Hecklingen selbst gar nicht verstehen, wieso die Wahl der Jury ausgerechnet auf ihn gefallen ist. Dabei wird im Gespräch schnell klar, wie es dazu kam. Wenn er von seinem Hobby erzählt, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Die Fakten überschlagen sich. Wo anfangen? Am besten dort, wo seine Liebe zur Musik ihren Ursprung fand. Damals, vor 32 Jahren. Damals, als er eigentlich nur seine Frau zur Probe des Frauenchores begleiten wollte und dann bei einem Bierchen bei den Männern hängen blieb. Hoffmann klärt auf: "Meine Frau konnte sehr gut singen und war von den Sängerinnen des Frauenchores eingeladen worden", erinnert er sich. Zur selben Zeit und am selben Ort traf sich der Männerchor zur Singestunde, die aber noch nicht angefangen hatte. Vorher saßen die Herren in der Gastwirtschaft zusammen. "Mann" kannte sich, Hoffmann setzte sich dazu. Der Gedanke, selbst Mitglied im Chor zu werden, reifte. Hoffmann, einst noch ohne Chorerfahrung, machte das erste Mal Nägel mit Köpfen und begab sich auf zuvor nicht bekanntes Terrain. 28 Jahre jung hatte der Kreis der Sangesbrüder 1977 eine Stimme mehr. Für Hoffmann der Beginn einer neuen, lieb gewonnenen Freizeit. Und diese wiederum sollte weitaus größer sein, als das Singen allein. Das zeigte sich bereits wenige Monate später. "Wie der Zufall es wollte, war es im November, als ich mich dem Chor anschloss. Der Karneval, den der Verein organisierte, stand vor der Tür." Hoffmann denkt gern daran zurück, als er zum ersten Mal eine Show zusammen mit den anderen Sängern kreierte, einstudierte und aufführte. In den Jahren danach immer wieder aufs Neue. "Es war einfach eine tolle Zeit", erinnert er sich gern und muss schmunzeln. So manch lustige Begebenheit ist unvergessen geblieben.

Hoffmann spielt Benny von der Olsenbande

Das wohl größte Aufsehen zogen die Karnevalisten für Hoffmann in den 1980er Jahren auf sich, nachdem die Hecklinger Kaufhalle überfallen worden war. Eine Parodie darauf folgte 14 Tage später. Die Jecken nahmen den Einbruch verkleidet als Olsenbande aufs Korn und ernteten für ihr Double der dänischen Kriminalkomödien-Darsteller so viel Beifall wie nie. "Das war der absolute Knaller. Die Leute haben lang gelegen und die damalige Verkaufsstellenleiterin verließ wütend den Saal." Das passende Kostüm von Bandenmitglied Benny hat Hoffmann aufgehoben, ebenso die vielen Bilder der Veranstaltungen. Die Andenken sind wohlbehütet und schlummern auf dem Dachboden.

Nicht so Hoffmanns Tatendrang. Fragt man ihn nach seinem Motto, wird schnell klar, dass es ihm am Herzen liegt, was auf die Beine zu stellen. "Nicht der Wind bestimmt die Richtung, sondern wie man die Segel setzt", kommt der Leitspruch wie aus der Pistole geschossen. Hoffmann lächelt und setzt noch einen oben drauf: "....und wenn kein Wind ist, rudern wir", scherzt er in seiner typischen Art. Ein verschmitztes Grinsen huscht über sein Gesicht, zugleich wirkt er dennoch irgendwie ernst.

Kein Wunder. Der trockene Humor ist sein Markenzeichen. Wer Hoffmann in seiner Paraderolle beim Hecklinger Karneval als Feuerwehrmann an der Bütt und Moderator der Show kennt, weiß um sein Talent.

Markenzeichen: Der trockene Humor

Frei reden, dabei keine Miene verziehen und einen Gag nach dem anderen reißen. Worüber? Hoffmann hat den Geschmack des Publikums über die Jahre kennengelernt. Aus seiner Sicht sind es die kleinen Dinge des Alltags, die am meisten ankommen. Weniger die große Politik, mehr das, was jeder tagtäglich erlebt. Das auf die Spitze zu treiben, darauf habe er beim Karneval viel Wert gelegt. Dass das Publikum seinen Spaß hat, darauf kommt es ihm und dem Chor an. Damals wie heute.

Seit Jahren laufen die Fäden der Organisation des Vereins bei Hoffmann zusammen. Heute ist er Sprecher des Vorstands. Er übernimmt die Führung, denn die Position des Vorsitzenden gibt es im Hecklinger Männerchor nicht. Dafür Hoffmann als Cheforganisator, der im Vorstand seit den 1980er Jahren mitarbeitet und seitdem schon nahezu jede Position durchlaufen hat.

Seit langer Zeit kümmert er sich um Veranstaltungen, Auftritte, Konzerte, Jubiläen, Fahrten, Feiern und Feste, die Kooperation mit dem Frauenchor. Überließ dabei schon vor 17 Jahren nichts dem Zufall, als er ein Novum in Sachen Karneval für seinen Heimatort aus der Taufe hob. Die Rede ist vom Hecklinger Straßenkarneval, der unter Hoffmanns Regie ins Leben gerufen wurde. Hunderte kamen jedes Jahr und feierten den Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Die Vereine präsentierten sich, Wagen fuhren, die Menge tobte, bunte Kostüme, Kamelle und Konfetti wohin das Auge blickte.

Sein Werk: Ein Umzug zum Karneval lebt auf

Dabei hatte Hoffmann die Idee dazu nicht erst nach der politischen Wende, sondern schon viel früher. "Ich wollte schon, dass die Vereine zu DDR-Zeiten einen Umzug zum Karneval veranstalten." Das sei aber vom Rat des Kreises nicht erlaubt worden. "Es gibt nur einen Umzug und das ist der erste Mai", sei ihm damals mitgeteilt worden, berichtet er von der Abfuhr. Dann kam die Wende und mit ihr die Chance, einst geschmiedete Pläne in die Tat umzusetzen. Der Versuch glückte, alle machten mit. "Es war vom ersten bis zum letzten Umzug eine sagenhafte Resonanz". Im Laufe der Jahre sei die Zahl derer, die kamen, kontinuierlich gestiegen.

Hoffmann redet in der Vergangenheit. Wehmut schwingt in seiner Stimme mit. "Ich kann lustig sein, wenn es darauf ankommt, aber auch sehr ernst", schätzt er sich selbst ein. Mit seiner Meinung hält er nicht hinterm Berg, sagt den Leuten, mit denen er zu tun hat, ehrlich was er denkt. "Der Realität ins Auge blicken", auch das ist eine Seite des Reinhard Hoffmann. Nachwuchssorgen des Chores, dazu sinkende Einnahmen aus dem Kartenverkauf, enorme Kosten für die Veranstaltungen – die Bedingungen, einen Karneval auf die Beine zu stellen, hätten im vergangenen Jahr schwieriger nicht sein können.

Das Initiatorenteam um Chef Hoffmann musste handeln, traf die wohl schmerzlichste Entscheidung in der Geschichte des Vereins und sagte den Hecklinger Karneval für die Session 2010/2011 seit seiner Gründung vor 40 Jahren erstmals ab. Keine Abendveranstaltungen im Saal, kein Seniorenfasching, keine Weiberfastnacht, kein Straßenumzug. Ein Schritt, der für alle nicht einfach gewesen sei, den die Chöre aber gehen mussten, weil sie ihr Aushängeschild aus eigener Kraft in diesem Jahr nicht länger hätten halten können, weiß Hoffmann. Trotzdem, der selbstständige Finanzberater ist optimistisch. Auch wenn die anderen im Chor ihm nicht so richtig glauben wollen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir irgendwann zusammen mit dem Chor wieder einen Karneval in Hecklingen auf die Beine stellen werden", ist er von einem Comeback überzeugt.

Dazu müssen neue Mitglieder ran. Hoffmann, der von sich sagt, das durchzuziehen, was er sich in den Kopf gesetzt hat, ist optimistisch. Zumal der Männerchor im kommenden Jahr mit seinem 100-jährigen Bestehen ein großes Jubiläum vor sich hat. Was ihm wichtig ist? "Dass wir alle gesund bleiben, die Vereine im Ort sich wieder ein Stück näher kommen und der Chor erhalten bleibt." Vielleicht auch mit neuen jungen Mitgliedern. Damals, 1977, bei einem Bierchen, als der Zufall zuschlug und Hoffmann auf den Geschmack kam, den Leuten im Ort mit Unterhaltung was Gutes zu tun. An Ideen mangelt es ihm und seinen Sangesbrüdern nicht. Themenabende mit Seemannsliedern, Melodien zur Jagd und Weinlese werden 2011 in die Tat umgesetzt.

Die Abstimmung und wie sie funktioniert

Alle Kandidaten (siehe Coupon) haben zweifellos den Titel "Du bist spitze!" verdient. Doch nur einer kann sich die Krone aufsetzen. Den Sieger bestimmen allein die Volksstimme-Leser mit dem Abstimmungs-Coupon, der noch häufiger abgedruckt wird, wenn wir die anderen Kandidaten vorstellen.

Mitmachen lohnt sich für Sie, liebe Leser, doppelt: Zum einen verhelfen Sie Ihrem Kandidaten zum Sieg, zum anderen verlosen wir unter allen Einsendern tolle Preise. Darunter befinden sich ein Biberticketgutschein, Lederfußbälle, Sporttaschen sowie Rucksäcke. Die Zettel (bitte nur Original-Coupons) können in der Volksstimme-Redaktion, Gollnowstraße 6 in 39418 Staßfurt, abgegeben werden.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, im Internet für Ihren Kandidaten abzustimmen:

www.volksstimme.de/stassfurt

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