Der Kultur und Bildungsausschuss des Stadtrates unterstützt das Projekt "Stolpersteine", für das das Dr.-Frank-Gymnasium in Staßfurt eine Dokumentation erarbeitet hatte, einstimmig. Die abschließende Entscheidung dazu trifft der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 24. März.

Staßfurt. In der Stadtratssitzung im Februar stellten Schüler des Dr.-Frank-Gymnasiums der Stadt Oberbürgermeister René Zok sowie den Stadträten und Gästen ihre Ergebnisse zum europaweiten Projekt "Stolpersteine" vor. Sie hatten in einer Dokumentation jüdische Familienschicksale während der Zeit des Nationalsozialismus erforscht und aufgearbeitet.

Dieses Material dient den Stadtvätern nun als Grundlage dafür, um vor den letzten Wohnstätten der ermordeten jüdischen Familien in Staßfurt "Stolpersteine" in den Fußweg einlassen zu können. Die mit den Daten der betreffenden Familien versehenen Steine sollen dem Vergessen entgegen stehen und den Opfern wieder einen Namen geben. Finanziert werden soll die Aktion über Spenden.

Die ersten "Stolpersteine" sollen zu Ehren der Familien Cohn und Rosenberg vor der Steinstraße 18 und 26 gesetzt werden.

Der Kultur- und Bildungsausschuss des Stadtrates stimmte diesem Vorhaben einstimmig zu. Deren Mitglieder machten sich aber Sorgen, dass es zu einer mutwilligen Zerstörung oder zum Diebstahl kommen kann. "Wir sind gefordert, die Stolpersteine vor einer Zerstörung zu schützen", sagte Gerhard Wiest (Linke). Das sei aber nicht ganz einfach, meinte sein Bruder Hartmut, der Chef der Fraktion Unabhängige Wählergemeinschaften. "Wir haben schon unsere Probleme damit, ganz andere Bauwerke vor Vandalismus zu schützen", sagte er und nannte beispielhaft die Bahnhofsbrücke. Die Stolpersteine dürften nicht mit normalem Werkzeug zu entfernen sein, forderte Wiest.

"Wir sollten ein Zeichen setzen und nicht über alle Eventualitäten reden", meinte Günter Döbbel (Fraktion FDP/Offene Liste).

Die "Stolpersteine" sind laut einem Internet-Lexikon ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die "Stolpersteine" sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden vor den letzten Wohnorten der NS-Opfer in das Pflaster eingelassen.