Die Bielefelder Unternehmerfamilie Wüllner hat seit der Übernahme des Schlossbrunnens in Gänsefurth im Jahr 1991 insgesamt rund 60 Millionen Euro in diesen Standort investiert. Allein im vergangenen Jahr wurden rund zwei Millionen Euro eingesetzt. Das berichtete Geschäftsführer Horst Braunisch den Mitgliedern des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses des Kreistages, die dort eine Sitzung durchführten.

Hecklingen. Den vor 19 Jahren erfolgten Verkauf des Unternehmens an die Familie Wüllner bezeichnete Braunisch als "Glücksfall" für die Stadt Hecklingen, die den Brunnen zuvor von der Treuhandanstalt zusammen mit insgesamt 680 Hektar Land zurückübertragen bekommen hatte.

"Wir konnten in der DDR zwar einen Nagel oder eine Schraube zweimal verwenden, aber von Marketing hatten wir keine Ahnung", sagte der Geschäftsführer. Da sei es sehr hilfreich gewesen, dass Wüllner zu dieser Zeit der sechstgrößte Getränkegroßhändler in Deutschland gewesen sei. Von den 27 Mineralwasserfirmen der DDR existiere heute nur noch die in Gänsefurth.

122 verschiedene Produkte

"Die vergangenen 20 Jahre waren eine interessante Zeit, in der wir den Schlossbrunnen Schritt für Schritt erweitert und uns am Markt etabliert haben. Jetzt müssen wir sehen, dass wir dranbleiben", sagte Braunisch.

Nach seiner Einschätzung sei ein großes Wachstum in der Branche heute nicht mehr möglich. Es gehe nur noch über den Verdrängungskampf.

Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise habe sich die Schlossbrunnen Wüllner GmbH auch im vergangenen Jahr gut geschlagen, teilte der Geschäftsführer den Ausschussmitgliedern mit. Für dieses Jahr plane man ein zweistelliges Umsatz-plus ein.

Beim Betriebsrundgang informierte Braunisch die Abgeordneten, dass das mittelständische Unternehmen derzeit 147 Mitarbeiter zählt.

Vor Jahren waren es noch etwas mehr. Das ist auf die Ausgliederung der Fahrzeugflotte inklusive der Beschäftigten zurückzuführen, die eine Staßfurter Spedition vor zwei Jahren übernommen hatte.

Zum umfangreichen Produktionssortiment gehören Bier und Mineralwasser in unterschiedlichster Geschmacksrichtung. Insgesamt werden in Gänsefurth 122 verschiedene Produkte und -gebinde hergestellt, sagte Braunisch.

Für die alkoholfreien Getränke greift das Unternehmen auf acht Mineralbrunnen im Umfeld zurück. Neben der 1876 vom Hecklinger Medizinalrat Dr. Crampe entdeckten Schlossquelle mit einer ausgezeichneten Mineralisierung führen sie solche Namen wie Merkur, Anhaltiner Bergquelle, Bonatur oder Waldquelle. Keiner der Brunnen sei gleich. Jeder zeichne sich durch eine andere Zusammensetzung der Mineralien des rund 3000 Jahre alten Wassers aus, sagte Braunisch. Davon werden pro Tag rund eine Million Flaschen gefüllt und unter den verschiedensten Namen vorrangig in Sachsen-Anhalt und in den anderen neuen Bundesländern verkauft.

Lieferant des Hofes in England

Damals war der Schlossbrunnen sogar Hoflieferant des englischen Königshauses. Durch den Ersten Weltkrieg wurde die Lieferung des Gänsefurther Mineralwassers aber 1917 wieder eingestellt.

Besonders stolz ist er darauf, dass sein Unternehmen heute mit einem Jahresausstoß von 188 000 Hektolitern nach der Hasseröder Brauerei der zweitgrößte Bierproduzent in Sachsen-Anhalt ist. Der Gerstensaft werde allerdings nicht in Gänsefurth gebraut, sondern anderswo und dann angeliefert.

Die Expansion des Traditionsunternehmens stieß bei den Mitgliedern des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses auf großes Interesse. Ausschusschefin Heike Brehmer (CDU), die zu DDR-Zeiten in diesem Betrieb schon in den Ferien gearbeitet hat, sagte: "Die Entwicklung des Schlossbrunnens ist die für die Region besonders hervorragend. Auf dieses Unternehmen sollten wir stolz sein und es unterstützen, um die Arbeitsplätze zu sichern." Sie habe in ihrer Zeit als Landrätin ihren Gästen stets Gänsefurther Mineralwasser serviert.

"Hier handelt es sich um ein florierendes mittelständisches Unternehmen", meinte Staßfurts Stadtratschef Dr. Walter Blauwitz (Linke). 147 Arbeitsplätze seien eine beachtliche Zahl und das Angebot beachtlich und vielfältig. "Da kann man den Beschäftigten nur einen ordentlichen Sommer wünschen", so Dr. Blauwitz.