In diesem Jahr wird es keinen Betrieb des Schachtsees in Wolmirsleben geben. Der Campingplatz wird geschlossen, der Badebetrieb ausgesetzt. Schuld ist das Hochwasser am See. Dabei soll es sich aber nicht um eine endgültige Schließung handeln. Darauf wies der Verbandsgemeindebürgermeister am Sonnabendmorgen bei einer Versammlung hin.

Wolmirsleben. Nun ist es offiziell. In diesem Jahr wird der Campingplatz am Schachtsee nicht betrieben. Gleiches gilt für den Badebetrieb. Das gab Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr auf der Versammlung am Sonnabendmorgen bekannt, zu dem der Campingrat aufgerufen hatte.

Die Plätze im Versammlungsraum reichten nicht aus. Zahlreiche aufgebrachte Camper waren gekommen. Und auch die Bungalowbesitzer interessierte die Zukunft des Schachtsees brennend.

"Für uns sollte dies eigentlich eine Auftaktveranstaltung werden, doch daraus ist ein Todesstoß geworden", machte Manfred Fürst, Vorsitzender des Campingrates, deutlich. Am Donnerstag habe er vom Verbandsgemeindebürgermeister erfahren, dass der Campingplatz in diesem Jahr geschlossen wird. "Wir haben zahlreiche Gespräche geführt und Lösungsvorschläge gebracht. Doch es war ein Kampf gegen Windmühlen, den wir verloren haben", sagte Fürst. Er dankte allen Campern für das entgegengebrachte vertrauen und kündigte seinen Rücktritt und die Auflösung des Camping-rates an. Beides bedauerten die Anwesenden sehr und gaben es auch lautstark preis. Zum Ende der Sitzung machte Manfred Fürst seine Entscheidung jedoch wieder rückgängig. "Wir brauchen jemanden, der für uns kämpft und die Fäden in der Hand hält", waren sich die Camper einig und konnten ihren Ratsvorsitzenden überzeugen.

Vollstes Verständnis für die Camper

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Verbandsgemeinderates, Peter Fries, versuchte Michael Stöhr die Situation so gut wie möglich zu erklären. "Ich habe vollstes Verständnis für ihre Situation. Ich habe mich sofort bereiterklärt, diese Informationsveranstaltung durchzuführen, sowie Rede und Antwort zu stehen. Wir wollen hier heute keine endgültige Schließung des Campingplatzes verkünden. Es geht nur um dieses Jahr. Auch uns liegt etwas daran, dass es hier weitergeht", machte Stöhr deutlich. In den vergangenen Jahren sei eine Menge Geld in das Naherholungszentrum Schachtsee geflossen und das wolle man auch von Seiten der Verbandsgemeinde nicht aufgeben. "Jeder wird erkennen, dass der Wasserstand so hoch ist, wie er seit Jahrzehnten nicht mehr war. Knapp die Hälfte des Schachtsees steht unter Wasser. Das Sanitärhaus ist vollkommen überschwemmt, das Baumamt spricht vom Totalschaden", so der Verbandsgemeindebürgermeister weiter.

Es musste geprüft werden, wie es weitergehen kann. Zur Verbandsgemeinderatssitzung am Mittwochabend sei man nach einer langen und harten Diskussion zu dem Entschluss gekommen, dass man den See in dieser Saison nicht betreiben kann. Keiner kann sagen, wann sich der Wasserstand wieder normalisiert. Man geht aber davon aus, dass dies nicht vor Juni passieren wird.

74 Camper haben bereits mit sofortiger Wirkung eine Kündigung bekommen. Das betrifft die Camper, die unmittelbar vom Wasser betroffen sind. Diese Fläche soll auch in Zukunft nicht mehr für Dauercamper verpachtet werden. "Der Campingplatz muss, wenn er weiter betrieben wird, umstrukturiert werden. Das schaffen wir aber nicht in acht Wochen", ergänzte Stöhr. Man wolle also dieses Jahr nutzen, um eine Lösung für 2012 zu finden.

Auch die Anstrengungen, den See zu privatisieren oder zu verkaufen, sind misslungen. Das heißt, dass die Verbandsgemeinde weiterhin der Eigentümer des Komplexes bleiben wird. Man muss also gemeinsam mit dem Campingrat nach Lösungen suchen. "Die Gründung eines Vereins war ebenfalls im Gespräch. Mitglieder wären dann die Camper. Das wäre eine Möglichkeit, den Campingplatz in Eigenregie zu betreiben. Das könnte eine Lösung für die Zukunft sein", machte der Verbandsgemeindebürgermeister deutlich.

Für die Verbandsgemeinde wird es nicht möglich sein, den Campingplatz zu den alten Konditionen zu betreiben. Die Verbandsgemeinde hat nur Einnahmen aus der Umlage, die die Gemeinden zahlen. Und zu der Verbandsgemeinde gehören neun Kindertagesstätten, drei Grundschulen und acht Feuerwehren. "Und das sind unsere Hauptaufgaben, die finanziert werden müssen. Den Betrieb eines Campingplatzes leisten wir uns. Und das wollen wir auch in Zukunft. Wir fahren hier mit dem Schachtsee ein jährliches Defizit von 150 000 Euro. Wenn es irgendwo weitergehen soll, muss das auf Null gefahren werden", machte Michael Stöhr den Anwesenden deutlich.

Miete wird zurückerstattet

Die Camper in den ersten Reihen, die bereits ihre Kündigung bekommen haben, sollen bis zum 31. März ihren Platz räumen. "Natürlich sind wir bereit, diese Frist zu verlängern. Es ist klar, dass niemand an seinen Wohnwagen kommt, wenn das Wasser noch da ist", erklärte Stöhr. Allen Campern wird ein Platz zur Verfügung gestellt, auf dem sie ihre Wagen zwischenlagern können. Neue Verträge werden aber bis zum Ende des Jahres nicht abgeschlossen. Camper, die nicht unmittelbar betroffen sind, können ihre Wagen stehen lassen. Ebenso bekommen alle Camper, die ihre Miete bereits gezahlt haben, diese zurückerstattet. "Sollte jemand generell kündigen wollen, sehen wir von der Kündigungsfrist ab", erklärte Stöhr weiter.

Strom und Wasser werden abgestellt

Deutlich wies der Verbandsgemeindebürgermeister noch einmal darauf hin, dass in diesem Jahr der Campingplatz nicht betrieben wird. Strom und Wasser werden demnach abgestellt. Ein Sicherheitsdienst wird jedoch weiterhin den Platz bewachen.

Peter Fries wies auch noch einmal darauf hin, dass man nun zusammen mit dem Land und dem Landkreis nach einer nachhaltigen Lösung suche. Alle Behörden seien in dieses Problem involviert. Sicher sei, dass eine langfristige Lösung mit einem hohen Aufwand an Geld verbunden sei. Geld, das die Gemeinde Wolmirsleben und die Verbandsgemeinde allein nicht aufbringen können, erklärte Peter Fries in Hinsicht auf den Zulauf, der immer noch großer Streitpunkt ist. Nicht nur, dass die Camper und Bungalowbesitzer sagen, dass dieser Zulauf Schuld am Hochwasser am Schachtsee sei. Ein weiterer Dorn im Auge sei die Einleitung von Schmutzwasser aus der Pilzzuchtanlage und dem Wasser von den Ackerflächen, das mit Düngemittel angereichert sei.

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