Sie gehören insbesondere im Vorfrühling an zahlreichen waldigen Gegenden zum Straßenbild: Krötenzäune. Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Salzlandkreises sind jetzt zwei dieser "Schutz-Fallen" im Schönebecker Stadtgebiet postiert. Betreut werden sie hier vom Naturschutzbund (Nabu). Der hatte am Sonnabend zur Aktion "Krötentaxi" eingeladen. Taxis gab es, aber keine Kröten.

Schönebeck. Einen Frosch zum Frühstück. Grasgrün ist er und kommt aus der Tüte. Anna bietet die Gummitiere freigiebig an und Susann Struwe greift gerne zu. "Wir haben heute noch nicht gefrühstückt", sagt die junge Frau, die gemeinsam mit Töchterchen Lara einem Angebot des Naturschutzbundes (Nabu) gefolgt ist.

Es ist noch bitterkalt an diesem Sonnabendmorgen an der Landstraße nach Ranies. Der Nabu hat die geneigte Öffentlichkeit zur Hilfsaktion "Krötentaxi" eingeladen. Zwischen Elbdamm, Straße und einem angrenzenden Waldstück haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofes Schönebeck im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Salzlandkreises bereits vor knapp zwei Wochen einen Krötenzaun gespannt. Damals hatte eine kurze Wärmeperiode die Lurche aus ihrer Winterstarre geholt und damit zur Wanderung in ihre Laichgebiete gelockt. Doch der Winter kam mit grimmigen Minus-temperaturen zurück, und Kröten, Frösche und Molche entschieden sich prompt, in ihre Starre zurück zu verfallen.

Trotzdem kontrolliert Michael Wunschik von der Schönebecker Nabu-Ortsgruppe die entlang des Zaunes postierten Eimer. Hier sollen die Lurche hineinplumpsen, um dann von tierlieben Zweibeinern per "Taxi" sicher über den Fahrweg transportiert zu werden. "Die Stöcker in den Eimern sind Absicht. Wenn andere Kleintiere hinein fallen, können sie daran wieder hinauf klettern. Nur die Kröten schaffen das nicht", erzählt Michael Wunschik. In Ermangelung leibhaftiger Lurche zeigt er Abbildungen der verschiedenen hier vorkommenden Tiere in einem Bestimmungsbuch. 18 Arten sind in Sachsen-Anhalt heimisch, im Schönebecker Bereich finden sich immerhin bis zu 13 Arten. Die Erdkröte gehört dazu, vor allem deshalb bekannt, weil die Weibchen ihre Männchen huckepack tragen. Auch die Knoblauchkröte, die vom Körpergeruch her ihrem Namen alle Ehre macht, kann am Krötenzaun gefunden werden. Zum Ensemble der Wanderer gehört außerdem der Laubfrosch, dessen abendliche, volltönenden Konzerte bereits zu allerlei Geschichten und Gedichte Anlass gaben. Der Laubfrosch ist übrigens ein echter Schönebecker. Sein Vorkommen ist, bis auf wenige andere Reviere in Deutschland, auf die Auenwälder bei Grünewalde und Plötzky konzentriert. Wunschik unterscheidet scherzhaft in katholische und evangelische Laubfrösche. "Die einen rufen¿ papst, papst, papst‘ und die anderen stimmen ein mit ¿lutter, lutter, lutter‘", beschreibt der Naturschützer lautmalerisch die quakigen Rufe. Dann zeigt er in seinem Bestimmungsbuch auf die Rotbauchunke. Auch sie lebt in hiesigen Gefilden, ist allerdings bereits vom Aussterben bedroht. "Bei Gefahr zeigt sie ihre rotgefärbte Bauchseite und hofft, dass diese Farbe beim Feind Eindruck macht", erläutert Michael Wunschik den anwesenden staunenden Kindern das Verhalten dieses Tieres.

Den Wandersinn der Lurche erklärt er mit deren Bedürfnis, im Frühjahr in die Gewässer zurückzukehren, die ihre Kinderstube waren. Sollte ein solcher Teich zugeschüttet werden, würden die Kröten und Frösche einfach sterben. Sie können sich veränderten Umweltbedingungen nicht einfach und flexibel anpassen. Da besteht dann wohl eine gewisse Verwandtschaft mit dem Menschen. "Die Tiere riechen ihr Gewässer. Deshalb bringt es nichts, Frösche für den eigenen Gartenteich zu fangen. Der Frosch wird schnell feststellen: ¿Das ist nicht mein Tümpel‘", versetzt sich Wunschik in die Empfindungswelt der lederhäutigen Krabbelwesen.

In die tagesaktuelle Statistik wird er heute eintragen: "Sonne, minus vier Grad, keine Amphibien." Doch der Frühling wird unweigerlich kommen und die Lurche erneut erwecken. "Am Sonnabend, dem 12. März", kündigt Wunschik an, "haben interessierte Kinder und Erwachsene nochmals die Gelegenheit, an den beiden Krötenzäunen im Schönebecker Stadtgebiet mitzuhelfen." Treffpunkt ist dann um 9 Uhr am Krötenzaun an der Straße zwischen B 246a und Ranies. Doch noch eine Frage: Können Kröten beißen? "Ach wo. Die machen nichts. Die lassen sich ergeben überall hintragen", beruhigt Wunschik.

Weitere Amphibienzäune sind unter anderem an der Haberlandbrücke zwischen Elbenau und Umflutkanal, in der Nähe der Bernburger Jugendherberge an der Straße an der Röße, unter der alten Burg in Aschersleben, in Frose hinter der Bahn in Richtung Hoym und in Freckleben an den Fischteichen aufgestellt, informiert Ingrid Schildhauer vom Landratsamt auf Nachfrage. In Calbe an den Grebener Teichen ist übrigens ein Tunnel für die sichere Passage der Lurche installiert worden.