Der Flughafen Magdeburg Cochstedt erlebte am Sonnabend seine Feuertaufe. Tausende Besucher wollten sich den Flugplatz zum Tag der offenen Tür ansehen. Unterbrochen wurde die Veranstaltung von einem überzähligen Feuerlöscher, der als mögliche Bombe am späten Nachmittag entdeckt und von Polizei-Spezialisten vor Ort gesprengt wurde.

Cochstedt. Bereits am frühen Nachmittag staute sich der Verkehr vor dem Cochstedter Flughafen. Der Tag der offenen Tür lockte Tausende Bürger zu dem neuen Airport, der erst drei Tage vorher eröffnet hatte.

Erfahrungen mit so einer Veranstaltung hat von den 50 Mitarbeitern des Flughafens keiner. Zunächst sei mit rund 500 bis 1000 Besuchern gerechnet worden, meinte noch Flughafenchef Uwe Hädicke. Gestern schätzte er die Zahl auf mehr als 5000 Gäste. Die Polizei musste immer wieder um Hilfe gerufen werden, damit sich die Besucherströme in Bahnen lenken ließen.

Einen Einblick gab das Flughafenpersonal auch in die intimsten Bereiche, wie dem Sicherheitsbereich. Zahlreiche Führungen wurden angeboten. Vor dem Gelände gab es außerdem einige Attraktionen. Der Zoll hatte hier auch einen Stand aufgebaut. Die Beamten in hellgrün hatten einige gefälschte Artikel mitgebracht, die aufgespürt hatten, zeigte Pressesprecher Ralf Klose. Einige Besucher erkundigten sich bei den Zollbeamten über die Regelungen zur Einfuhr aus dem Ausland. Eine Zollkontrolle gibt es auch dem Cochstedter Flughafen.

Die einzige Fluggesellschaft Ryanair, die den Airport momentan anfliegt, bietet Flüge zu vier spanischen Reisezielen mehrmals in der Woche an. Vor allem ältere Bürger interessierten sich am Sonnabend dafür. "Es gibt sehr viele Menschen, die noch nicht geflogen sind oder früher schon einmal und mit dem Gedanken spielen, eine größere Reise zu unternehmen, hat Flughafenchef Uwe Hädicke beobachtet. Das Infomaterial der Fluglinie wurde den Mitarbeitern regelrecht aus den Händen gerissen.

Rund 30000 Tickets, so der Chef weiter, habe die Fluglinie für Cochstedt bereits abgesetzt. Vor allem über das Internet vertreibt Ryanair seine Tickets – ein Problem für die ältere Generation, räumt er ein.

Mehrere Stockwerke über dem Boden, hoch oben im Tower ist von der Hektik am Boden wenig zu spüren. Axel Bertram sitzt entspannt vor den Monitoren und beobachtet die Wetterdaten. Der Mann ist hier als Flugleiter tätig. Erst am Abend wird eine Linienmaschine erwartet. Solange toben sich die Kleinflugzeuge über und rund um den Flugplatz aus. Regelmäßig starten sie zu Rundflügen über Cochstedt.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr lässt Uwe Hädicke dann den Sicherheitsbereich schließen. Polizeibeamte stoppen dazu die Menge am Eingang des Flughafengebäudes. "Mir müssen jetzt sperren, damit unsere Fluggäste noch die Möglichkeit haben einzuchecken", erklärt er. Geduldig nehmen die Besucher die Warterei in der Schlange hin.

Etwa eine Stunde später wird dann ein Mitarbeiter auf einen Feuerlöscher im Sicherheitsbereich aufmerksam, der dort offenbar nicht hingehört. Er schlägt Alarm.

Da sich niemand erklären kann, wie der Feuerlöscher in den Sicherheitsbereich gekommen ist, beginnt eine Untersuchung des Löschers durch das Flughafenpersonal. "Der Feuerlöscher unterschied sich von unseren Geräten", sagte gestern auf Volksstimme-Nachfrage Uwe Hädicke. Das Testergebnis beunruhigt die Mitarbeiter des Airports. Sie können nicht ausschließen, dass ein Sprengsatz in dem Löscher ist und verständigen die Polizei.

Die Beamten holen Fachleute vom Landeskriminalamt, die das Gerät im Freien sprengen. Ein Untersuchungsbericht gibt es noch nicht, sagte gestern Polizeisprecher Frank Küssner.

Die Evakuierung, lobt Uwe Hädicke, sei sehr ruhig verlaufen. Alle Mitarbeiter hätten sich an die Anweisungen gehalten und richtig reagiert, betonte er.

Ausgerechnet in den vermeintlichen Bombenfund kommt die Landung der Linienmaschine. Da das Hauptgebäude nicht nutzbar ist, werden die Passagiere im Feuerwehrdepot untergebracht. Auch die Fluggäste für den Abflug werden dort untergebracht. Mit rund 40 Minuten Verspätung kann die Maschine aber wieder abheben.

Den Flughafenbetreiber werden die Ereignisse allerdings noch beschäftigen. "Wir haben festgestellt, dass wir keine Decken haben. Zum Glück war es sehr warm. Das muss aber nicht immer so sein", sagte Uwe Hädicke.

   

Bilder