Wolmirsleben. Noch immer fühlen sich die Camper und Bungalowbesitzer am Schachtsee in Wolmirsleben im Stich gelassen. Daher hatte der Campingrat am verangenen Sonnabend zu einem runden Tisch eingeladen. "Eigentlich hatte der Rat schon den Kopf in den Sand gesteckt. Doch die Camper haben uns aufgebaut, weiter zu machen", erklärte der Vorsitzende des Campingrates Manfred Fürst am Sonnabend.

74 Camper, die ihren Wohnwagen in den ersten Reihen am Schachtsee haben, haben bereits die Kündigung bekommen. "Die sind schon gestraft genug. Und jetzt auch noch das. Eigentlich hieß es, dass alle Camper, die ihre Pacht bereits bezahlt haben, diese zurück bekommen. Jetzt wird deutlich, dass die Camper mit Kündigung ihr Geld erst bekommen, wenn sie den Platz geräumt haben", erklärte Manfred Fürst. Alle Vorschläge der Camper seien strickt abgelehnt wurden. Man dachte auch über eine Vereinsgründung nach. Der Verein könnte dann den Schachtsee beziehungsweise den Campingplatz betreiben. Doch dieses Vorhaben wurde zurück gestellt. "Das wäre ein Full-Time-Job für den Verein", machte der Campingratsvorsitzende deutlich.

"Wir werden hier systematisch fragmentiert, eingeschüchtert, genötigt und erpresst", stellte Fürst in den Raum und erhielt dafür Applaus der zahlreichen Camper. "Eine Gemeinschaft, die seit 35 Jahren besteht, wird auseinander gerissen. Die einen bekommen ihr Geld zurück, die anderen nicht. Niemand sagt uns, wie es hier weiter gehen soll. Teilweise werden die Campingfreunde zum Abbau ihrer Wohnwagen genötigt. Der Nutzungsvertrag läuft doch bis zum 31. Dezember", erklärte Manfred Fürst weiter.

Die Camper fordern jetzt die Rücknahme der Kündigungen. Denn diese seien nicht gerechtfertigt. Das Wasser gehe deutlich zurück und man müsse Optionen zulassen. Außerdem fordern die Camper den sofortigen Abbaustopp, denn man sei schon so gestraft genug. "Wir wollen auch die Rückgabe des Geldes für alle. Außerdem muss das Objekt sofort ausgeschrieben werden, damit sich schnell ein Käufer findet. Sicherlich gibt es zahlreiche Interessenten", machte der Vorsitzende deutlich.

Auch der Landtagesabgeordnete Johann Hauser (FDP) hatte sich zu dieser Versammlung am Schachtsee angekündigt. "Die Probleme hier müssen im Dialog gelöst werden. Ich weiß um Ihre Betroffenheitslage, aber es bringt nichts, wenn man gegeneinander arbeitet. Es ist klar, dass eine Lösung gefunden werden muss. Klar ist aber auch, dass die Gemeinde kein Geld für entsprechende Maßnahmen hat. Man ist auf Unterstützung von Land und Bund angewiesen", so Hauser. In den Arbeitsgruppen, die im Land gebildet worden, wird der Schachtsee ein Thema sein. Das versprach der Landtagskandidat. Eine dauerhafte Lösung gebe es aber nicht in 14 Tagen. Das brauche seine Zeit. "Miteinander reden ist hier die Devise", ergänzte Hauser.

Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr, der nur wenige Stunden vor dieser Versammlung dazu eingeladen wurde, wurde von den Campern unter Druck gesetzt. Trotzdem bleibt ihm nichts anderes übrig, als am Beschluss des Verbandsgemeinderates festzuhalten. "Aus Gründen der Gefahrenabwehr müssen die Kündigungen bestehen bleiben", so Stöhr.

Auch auf der Gemeinderatssitzung am Montagabend in Wolmirsleben war der Schachtsee Thema. Bürgermeister Knut Kluczka wehrte sich gegen die Vorwürfe, dass die Gemeinde in den letzten Jahren nichts in das Naherholungszentrum Großer Schachtsee investiert hätte. "Mehrere Millionen sind in dieses Projekt geflossen", so Kluczka. Einen entsprechenden Nachweis hielt er in der Hand. Zudem habe es einen jährlichen Zuschuss von bis zu 160 000 Euro gegeben.

Als eine emotionale Sache empfindet Gerhard Meier (Die Linke) das Naherholungszentrum Schachtsee. Deshalb nahm auch er an der Versammlung am Sonnabend teil. "Ich kann nur sagen, dass ich Herrn Stöhr an diesem Tag nicht beneidet habe. Er muss den Beschluss des Verbandsgemeinderates ja umsetzen. Da geht es nicht, dass man jemanden persönlich angreift", so Gehard Meier. Leider seien konstruktive Gespräche bei dieser aufgeheizten Stimmung nur sehr schwierig gewesen. "Man muss jedoch eines bedenken. Da oben haben sich Leute angesiedelt, die nicht zur Klasse der Millionäre gehören", ergänzte das Gemeinderatsmitglied.