Gut fünf Prozent der Wahlberechtigten mehr als vor fünf Jahren nutzten ihr Mitspracherecht bei der Landtagswahl 2011 in Staßfurt und Umgebung. Dennoch bedeutete die Wahlbeteiligung von 43,3 Prozent im Wahlkreis Staßfurt das Schlusslicht in Sachsen-Anhalt. In Löbnitz betrug sie sogar nur ganze 30,04, in Rathmannsdorf immerhin 49,82 Prozent. Die Staßfurter Volksstimme fragte Bürger und Politiker nach ihrer Meinung, woran das gelegen haben könnte.

Staßfurt. "Ich wusste nicht, wen ich wählen sollte", gibt Undine Rosenthal aus Staßfurt offen zu. Komischerweise würden die Politiker immer erst kurz vor der Wahl "buhlen", dann sei der Briefkasten voll mit Werbematerial von denen. "Ich habe aber auch kein Vertrauen mehr. Es ändert sich doch nichts. Wir haben immer noch die höchste Arbeitslosigkeit in der Region. Und solche Monatsgehälter, die die ,oben‘ bekommen, verdienen die Leute hier ein ganzes Jahr nicht", meint die 46-Jährige, warum die meisten Wahlberechtigten im Wahlkreis Staßfurt nicht von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch gemacht haben.

Marcus Feger aus Neun- dorf sieht das etwas anders: "Ich weiß, dass ich gewählt habe. Wenn man nicht wählt, kann man sich auch nicht beschweren." Hier in der Region spiele aber sicher auch etwas Frustration mit, und dass man die Chance auf eine politische Meinungsbildung erst kurz vor der Wahl habe, so der 21-Jährige.

Klaus-Dieter Pusch aus Staßfurt ringt der aktuellen Wahlbeteiligung etwas Positives ab: "Es haben immerhin fünf Prozent Bürger mehr ihre Stimme abgegeben, als beim letzten Mal." Er gehe jedenfalls immer wählen, versichert der 56-Jährige.

An der allgemeinen Unzufriedenheit und am Desinteresse liege es, dass hier die geringe Wahlbeteiligung verzeichnet wurde, denkt Anke Ziebell aus Staßfurt. Die 49-Jährige vermutet aber auch, dass das Thema Krankenhaus Staßfurt mit eine Rolle gespielt habe. "Da waren die Leute sicher sehr enttäuscht."

"Wenn man wüsste, woran es gelegen haben könnte, hätte man ja was dagegen tun können", erklärt der Oberbürgermeister von Staßfurt René Zok. Für ihn sei es auch ein Rätsel, warum die meisten Bürger ihr demokratisches Recht nicht in Anspruch genommen hätten. "Die Landespolitik wirkt sich unmittelbar darauf aus, was wir in Staßfurt leisten können. Und wir haben immerhin sechs Kandidaten im Stadtrat, die in den Landtag wollten. Die kannte man, da hätte eine Meinungsfindung nicht schwer fallen dürfen." Und gerade bezüglich des Krankenhausthemas hätten die Bürger der Landesregierung sagen können, was man davon hält, so Zok (43). Es sei auf jeden Fall genau der verkehrte Weg, nicht zur Wahl zu gehen.

Wahlkreissieger Peter Rotter ist etwas ratlos, warum die Wahlbeteiligung in seinem Bereich so gering ausfiel. "Am Wetter kann es nicht gelegen haben. Wir haben in unserem Wahlkampf versucht, die Leute zum Wählen zu überzeugen." Der Atzendorfer, der nun für die CDU wieder in den Landtag einzieht, könne Argumente wie Politikverdrossenheit jedenfalls nicht nachvollziehen. Für den 55-Jährigen heißt es nun: "Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und ich verspreche, mit meiner Arbeit werde ich versuchen zu dokumentieren: Leute, es lohnt sich, wählen zu gehen."

Die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale des Wahlkreises Staßfurt und in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper finden Sie auf unserer 3. Lokalseite.

   

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