Das abgeschlossene Abitur befähigt junge Menschen, an einer Hochschule zu studieren. Doch Angebote, Studienstandorte und -bedingungen können zum echten Dschungel werden. Im Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasium gibt es deshalb die Studienbörse. Die Oberstufenschüler können sich orientieren. Ehemalige Gymnasiasten sorgen für den nötigen Durchblick – lehrreich und altersgerecht nahbar.

Staßfurt. Kai Trippmacher steht mitten im Leben – im Studienleben. Der 20-jährige Staßfurter studiert an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität Maschinenbau. "Ein Traum von Schulzeit an", sagt Kai, der entsprechende Abiturleistungen in Mathematik und Physik vorweisen konnte. Die Begeisterung für sein Studienfach teilt der junge Mann gern. So stand seine Teilnahme außer Frage, als seine ehemalige Schule anfragte, ob er bei der diesjährigen Studienbörse als Referent auftreten und über sein Studium berichten wolle. Die gab es jetzt bereits zum dritten Mal am Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasium und war für die elften und zwölften Klassen interessant. "Einen ganzen Tag lang gibt es anstelle von Unterricht Informationen und Orientierungshilfen zum Studium", erklärt die Schulfachliche Koordinatorin Frauke Fleischer als Organisatorin der Aktion.

Wichtig ist ihr dabei nicht nur der Inhalt, sondern auch dessen Vermittlung. So setzt die Studienbörse des Gymnasiums den Mädchen und Jungen nicht typische Studienlenker vor, sondern profitiert von den Erfahrungen ehemaliger Dr.-Frankler. "Der Zugang zu den Schülern ist ein anderer, als der, wenn Offizielle von Unis und Hochschulen da sind", ist Frauke Fleischer überzeugt. Jetzige Studenten könnten authentische und realistische Einblicke in ihren Alltag geben – von der Vorlesung bis zum Unisport.

Für die Dr.-Frank-Schüler bedeutet das aber gleichzeitig, dass sie ohne mögliche Schwellenängste ganz frei ihre Fragen stellen konnten. Die Grundrahmen der Vorträge hat die Schulfachliche Koordinatorin dabei mit ihren jungen Refernten abgesprochen. "Es geht um Studienabläufe und -inhalte, um Zugangsvoraussetzungen, Studiengebühren, Stundenpläne, Prüfungen, Praktika und Auslandsaufenthalte, Abschlüsse und Perspektiven, aber auch um die Kosten des Studiums, des Wohnens am jeweiligen Studienort oder um Freizeitmöglichkeiten." Alles aus der individuellen Sicht.

Orientierung spielt im Schulalltag eine Rolle

Frauke Fleischer staunte dabei nicht schlecht über ihre ehemaligen Schützlinge, über Mühen und Aufwand, die sich alle machten, um beste Einblicke in ihr Leben zu gewähren. Da gab es Power-Point-Präsentationen, Filme, Quizeinstiege, Folien und Kopien.

Die Gymnasiasten hatten bei der Studienbörse die Möglichkeit, in drei Durchgängen Referate je nach eigener Interessenslage zu hören. Bei einem vierten und abschließenden Durchgang kamen alle in der Aula zusammen und erhielten Informationen zu Dualen Studiengängen. Die IHK Magdeburg stellte dabei ihre Stipendieninitiative vor, die auf die Studienform zielt, bei der Uni und Betrieb miteinander verbunden werden. Dabei wurde es auch ganz konkret, die Unternehmen beschrieben spezifische eigene Angebote. Für die Dualen Studiengänge müssen sich die jungen Frauen und Männer jetzt in der elften Klasse bewerben.

Dass die Studienbörse ein Erfolg ist, hat nach Frauke Fleischers Meinung zuerst mit ihrem Referentenprinzip zu tun. Zudem seien Neugier und Interesse der Schüler und ihrer Familien groß. "Bei dem großen Angebot von Studienfächern und -orten kann man schnell den Überblick verlieren. Eltern und Schüler sind da oft überfordert. Hier will das Gymnasium helfen." Ohnehin würden Berufs- und Studienorientierung in Theorie und Praxis des Schulalltags eine wichtig Rolle spielen, erklärt die Schulfachliche Koordinatorin. Die neunten Klassen absolvieren Betriebspraktika, die Agentur für Arbeit informiert die zehnten Klassen, in der elften und zwölften Klassenstufe setzt die Studienbörse an. Zudem gebe es außerunterrichtliche Infoveranstaltungen von Universitäten und Hochschulen. Die zwölften Klassen unternehmen einwöchige Studienfahrten und erlebten so den Hochschulalltag. Kleinere Gruppen sind darüber hinaus oft Gast auf Berufsfindungsmessen oder bei Tagen der offenen Tür in den Hochschulen und Unis.

Gymnasium wertet Aktionstag aus

Frauke Fleischer lässt nicht unerwähnt, dass ein Psychologiekurs der Schule den gesamten Tag auswertet. Alle Teilnehmer der Studienbörse füllen einen Feedback-Bogen aus. Mittels 20 Fragen wird eine Evaluation durchgeführt, die die Resonanz erfragt. Hintergrund sei, so die Lehrerin, dass die Schulaktion möglichst nah an den Interessen der Schüler bleibe. Denn anders als bei einer allgemeinen Studien- oder Berufsmesse soll die Studienbörse am Gymnasium am Bedarf vor Ort orientiert sein. So fließen die Ergebnisse der Befragung in die Vorbereitung der nächsten Studienbörse mit ein. Vielleicht stehen dann einige junge Frauen und Männer der jetzigen Oberstufe selbst mitten im Studienleben und als Referenten in ihrer ehemaligen Schule. Bei Maschinenbaustudent Kai Trippmacher war das ganz genau so und der junge Mann war froh darüber, wie sich die Begeisterung über sein Studium bei der Börse auf seine Zuhörer übertrug.

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