Die Geschichte der Hecklinger Zuckerindustrie reicht möglicherweise viel weiter zurück als in der Chronik des Ortes nachzulesen. Ein Chronist für Zuckertechnologie hat auf seiner Spurensuche in den Archiven Indizien recherchiert, die darauf deuten, dass es in Hecklingen schon vor rund 170 Jahren die erste Zuckerfabrik gab und ihr zwei weitere folgten.

Hecklingen. Der Magdeburger Lüder Bruse ist der Geschichte der Zuckerindustrie auf der Spur. Als Hobbychronist möchte er die Historie früherer Fabriken möglichst lückenlos erfassen. Hecklingen und die Frage, ob es in dem Ort einst nicht nur ein Werk, sondern gleich mehrere gab, beschäftigen ihn immer wieder. Er hat Nachforschungen angestellt, Literatur gewälzt, Gespräche mit Einheimischen geführt und einen Ergebnisbericht geschrieben. Mit Sicherheit kann Bruse zwar noch nicht sagen, wie viele Zuckerfabriken in Hecklingen einst produzierten. Hinweise darauf, dass es mehrere waren, hat er aber ausfindig gemacht.

"Die Frage nach dem tatsächlichen Bestand von Zuckerfabriken in Hecklingen bleibt offen", sagt Bruse.

Seine Recherchen haben ergeben, dass eine Existenz der sogenannten Wüstenhagenschen Zuckerfabrik von 1858 bis 1964 unumstritten ist. Danach soll sie 1964 bis 1992 als Trocknungswerk für die Tierfutterproduktion gedient haben. Bruse bezieht sich dabei auf die Ausführungen der Hecklinger Chronik von Walter Knust.

Dass dieser Zuckerbetrieb nicht der einzige in Hecklingen war, scheint nicht von der Hand zu weisen zu sein. Bruse nennt den Grund in einem Zitat aus einem Buch von 1858 mit dem Titel "Geographie und Statistik des Herzogtums Anhalt-Bernburg". Darin heißt es: "In Hecklingen befinden sich zwei Zuckerfabriken, denen allem Anschein nach eine dritte auf Aktien erbaute folgen wird." Dass es sich bei Letzterer um die bereits erwähnte Wüstenhagensche Fabrik handelt, davon geht der Ingenieur aus.

Ihr Vorgänger könnte seinen Worten nach möglicherweise die Zuckerfabrik von Braunbehrens & Co. gewesen sein. Die Vermutungen fußen auf den Mitgliederlisten des Vereins für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein der Jahre 1853 und 1856.

"Fabrik bei Weltausstellung 1855 in Paris als Aussteller von Rohrzucker"

Außerdem hat er herausgefunden, dass der Betrieb seine Produkte vor mehr als 150 Jahren in Frankreich bewarb. "Schließlich war die Braunbehrens-Fabrik aus Hecklingen auch bei der Weltausstellung 1855 in Paris als Aussteller von Rohrzuckerproben namentlich genannt worden", sagt Bruse.

Zuckerfabrik Nummer drei könnte seinen Nachforschungen zufolge von 1838 bis 1840 in Betrieb gewesen sein. Das hat Bruse in dem Buch eines "aktuellen Autors zur Industriegeschichte Zucker in Mitteldeutschland" nachgelesen.

Doch nicht nur die Geschichte der Zuckerindustrie in Hecklingen, sondern auch die Historie im angrenzenden Umland interessieren den Magdeburger.

Abschließend fasst er die Ergebnisse seiner Spurensuche in der Region zusammen: "Für 1857 wird unter der Ortsbezeichnung Warmsdorf die Zuckerfabrik von Braunbehrens & Co. genannt. Bereits um 1830 sind die Herren Salmuth und Braunbehrens Besitzer eines Rittergutes in Ilberstedt. Nahezu zeitgleich gab es die Zuckerfabrik von Albert Rabe & Sohn in Ermsleben und den Domänenpächter Oberamtsmann Rabe in Schneidlingen."

Bruse ist nach wie vor an der Klärung der tatsächlichen Existenz der Fabriken rund um Hecklingen interessiert und freut sich über Hinweise aus der Bevölkerung. Telefonisch ist er hierfür unter (0391) 73 14 710 erreichbar.

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