Staßfurt.Die Arbeit in einer Kindertageseinrichtung wird zumeist mit Frauen in Verbindung gebracht. Eben ein typischer Frauenberuf. Zu selten sind Männer in Betreuungseinrichtungen zu finden. Aber wieso eigentlich? Das fragte sich auch der 15-jährige Benjamin Koch und nutzte die Gelegenheit, es herauszufinden. Er bewarb sich für einen Kita-Arbeitsplatz am "Zukunftstag".

Gestern war es soweit. Einen ganzen Tag lang wuselten die Kinder der Evangelischen Kita "St. Petri und Johannes" um ihn herum. "Ich finde es klasse, wie die Kinder lachen und herumtollen", stellt er schon nach kurzer Zeit fest. Aber nicht nur mit den Kindern zu spielen und zu lachen waren seine Aufgaben, sondern auch das Essen zuzubereiten und den Nachwuchs zum Mittagsschläfchen zu bringen. "Puh..." sagte er, als alles friedlich und ruhig schlief. Der erste Teil seiner Mission war geschafft – der Vormittag. Nun gab es etwas Zeit sich auszuruhen. Doch dies nicht all zu lange, denn kaum war das erste Kind wieder erwacht, tummelten sich auch alle anderen wieder um ihn herum. Sie hatten Hunger. Benjamins Mutter, die ebenfalls in der Kita arbeitet, findet es gut, dass sich auch Jungs für diesen Beruf entscheiden. "Männer gehen anders als Frauen auf die Kinder ein", weiß die Erzieherin. "Ich finde es klasse, dass mein Sohn dies auch mal testet", sagt sie. "So kann er herausfinden, ob es ihm liegt." Außerdem wolle Benjamin sowieso in diese Richtung gehen, vielleicht als Sozialarbeiter.

Den Zukunftstag nutze nicht nur Benjamin zur Berufsorientierung. Auch die Gymnasiastinnen Gina Sauer, Paula Zok und Jessica Rühlmann erkundigten sich über typisch männliche Ausbildungsberufe. Sie waren im Sodawerk. Dort experimentierten die Mädels zum Beispiel an einem Kondensator, der den reinen Alkohol vom Glühwein trennte. Wobei Betreuer Christoph Niemann scherzhaft kommentierte: "Aber bitte nicht trinken!". Zudem stellten Gina, Paula und Jessica eigene Reagenzglashalter für den Chemieunterricht her. Eine tolle Erfahrung, wie die Mädels befanden. Paula resümierte: "Ich finde es sehr interessant hier – alles mal zu sehen und auch mal zu experimentieren." Gekommen seien sie aus reinem Interesse – um mal zu "schnuppern". Die Mädchen meinten, dass sich die Betreuer viel Mühe gaben und alles verständlich erklärten. Paula war nach diesem Tag fest davon überzeugt, einen Beruf im Fachgebiet Chemie zu wählen, vielleicht sogar im Sodawerk.

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