Güsten. Ein volles Haus hatten die Wirtsleute vom "Schwarzen Bär" nochmal, bevor sie das letzte Bier zapften. Für Harry und Dorle Frisch war am Donnerstag nun endgültig Schluss mit der "harten, aber auch sehr schönen Zeit" als Gastronomen, wie sie sagen. 20 Jahre in ein und demselben Lokal durchzuhalten, will auch was heißen in dieser Branche.

"Als wir genau am 14. April 1991 hier anfingen, hätten wir das auch nicht gedacht, dass das so lange läuft", ist Harry Frisch ehrlich. "Ganz schlimm war beispielsweise die Währungsunion. Die DDR-Mark saß jedenfalls viel lockerer bei den Gästen, als dann die neue D-Mark. Als aber das Bürgerhaus wenig später umgebaut wurde, ging es bei uns richtig los." Der "Schwarze Bär" hatte während dieser Zeit den einzigen Saal in der Stadt.

Am liebsten denken die Frischs aber an die vielen schönen Familienfeiern zurück. "Was haben wir gelacht! Natürlich bedeuten solche Feiern auch immer sehr viel Stress für die, die nicht am Tisch sitzen. Aber wenn man dann in zufriedene Gesichter blickt und die Gäste sich dankbar und erkenntlich zeigen, dann ist das wie eine Art Ehre", meint Harry Frisch, der übrigens punktgenau zum 20. Betriebsjubiläum auch seinen 65. Geburtstag in großer Runde feierte. Wie so eine Anerkennung aussieht, zeigte beispielsweise auch Roland Schneider, der sich mit seiner Mutter Ruth vorgestern mit einer Foto-Collage "für 20 Jahre freundschaftliche Nachbarschaft" bedankte.

"Ich will mich kümmern, dass der ,Schwarze Bär‘ ein Lokal bleibt. Es wäre sonst ein Verlust für Güsten"

Hervorheben möchten die Klein-Schierstedter, dass sie von Anfang an von den Güstenern gut aufgenommen wurden. "Wenn man einmal gewonnen hat, ist man dabei wie ein Einheimischer", freut sich auch Dorle Frisch über die schöne Zeit mit den Ränzelstechern. Und in all den Jahren konnten sie auf Ilona Hoffmann, Iris Marnitz und Beate Menzel zählen, die sie stundenweise unterstützten.

Und was wird nun mit dem "Schwarzen Bär", wenn Harry Frisch sich um das Grundstück in Klein Schierstedt und sein Tischlerhobby kümmert, und seine Dorle sich öfters dem geliebten Lesen widmen kann? Was wird aus ihren Stammgästen, zu denen Vereine wie die Sportfreunde vom FZV, die Angler vom "Blauen Hecht", aber auch die beiden Chöre der Stadt, die Feuerwehr und sogar die Ortsgruppe der Lokführergewerkschaft gehörten? Immerhin hat das Lokal eine dreihundertjährige Tradition. In der einstigen Poststation und der Pferdeausspann soll sogar Goethe mal übernachtet haben. In der jüngeren Geschichte war der "Schwarze Bär" Güsten der Treffpunkt für Discogänger. Im Saal, in den Gasträumen, selbst auf den Fluren war in den 1980-er Jahren kaum ein Durchkommen.

"Ich will mich kümmern, dass der ,Schwarze Bär‘ ein Lokal bleibt. Es wäre sonst ein Verlust für Güsten", weiß Harry Frisch um die Tradition des Hauses, das er nun verkaufen will.

Bedarf an der Gaststätte dürfte bestehen hier in diesem Teil der Stadt, zumal auch das Rathaus gegenüber mal wieder händeringend einen Pächter für den Güstener Ratskeller sucht.