Wie dem Landkreis auf den Leib geschneidert war das Thema, unter dem der gestrige "Tag der Industriekultur" stand: Salz. Ziel des landesweiten Museumstages ist es, auf die Industriegeschichte aufmerksam zu machen und so die regionale Identität zu stärken. Die Umsetzung erfolgte ganz unterschiedlich.

Salzlandkreis. Vorsichtig schiebt Chemiker Raik Deblitz ein Gummibärchen ins Reagenzglas. Poff: eine Flamme entzündet sich, Rauch steigt auf – das Ende des Gelantine-Tiers ist besiegelt. "Da sehen wir mal, dass Gummibärchen hochgefährlich sind", witzelt Georg Plenikowski. Das Publikum schmunzelt. Dann klärt er auf: Im Reagenzglas war auch noch ein geschmolzenes Salz. Mit einer Reihe solcher Experimente hat der Schönebecker Verein iMUSEt gestern auf dem Gelände der EMS dem Tag der Industriekultur Leben eingehaucht. Denn dort lassen die Mitglieder bald ein Industriemuseum entstehen.

Zwischen den Experimenten des Chemikers erzählten Plenikowski und seine Mitstreiter, wieso Schönebeck ein bedeutender Ort in der Industriegeschichte ist – vor allem in Bezug auf Salz. Schließlich weiß nicht jeder, dass in der Elbestadt mit der heutigen Lapua GmbH die älteste noch in Deutschland produzierende chemische Fabrik steht. Oder dass Carl Hermann das Cadmium entdeckt hat. Obwohl das Museum noch in der Planung ist, gab es gestern schon einige Exponate zu sehen. Der Verein hatte zum Beispiel Modelle des ehemaligen Sprengstoffwerks und Fotos vom Zementwerk Glöthe in der Villa ausgestellt. Die Resonanz war beachtlich: Mehr als 100 Besucher kamen.

Auch im Schönebecker Solepark gab es gestern etwas Anschauliches zum Thema Salz: Lothar Göttling warf sich in die Kluft eines mittelalterlichen Salzsiedemeisters und führte das traditionelle Handwerk vor. "Das Salzsieden ist ein Stück Industriekultur", erklärte Andrea Silber vom Solepark, die als Ansprechpartner für Besucher zur Verfügung stand. "Deshalb passt es perfekt zu dem Aktionstag." Auch auf das Gradierwerk konnten Besucher gestern steigen.

Das zweite Mal beteiligte sich das Stadt- und Bergbaumuseum Staßfurt am "Tag der Industriekultur". Die städtische Einrichtung hat schon weitaus mehr Besucher gesehen als gestern. "Da gibt’s heute andere Attraktionen um die Ecke", erklärte Museumsleiter Michael Scholl und meinte damit das Eisenbahnfest in der Salzstadt. Dabei wären solche Exponate wie das Eselstretrad aus dem Mittelalter oder Bohrmaschinen, die bis Anfang der 1970er Jahre beim Salzabbau im Einsatz waren, immer interessant.

Im Fahrzeugmuseum Glöthe drehte sich am "Tag der Industriekultur" alles um die kultigen JAWA-Motorräder. Rund 100 Fans hatten ihre Fahrzeuge mitgebracht, teilweise kamen sie sogar aus Leipzig. "Wir hatten hier unzählige Versionen", erzählt Ingo Schramm im Anschluss. "Blaue, grüne, schwarze – eine JAWA war sogar in frauenfreundlichem Lila", fügt er lachend hinzu. Und Schramm schwärmt von zwei weiteren besonderen Exemplaren: Motorräder mit drei Rädern.

Auch in Bezug auf das Alter waren die JAWAs bunt gemischt – das älteste Modell stammt von 1937, das jüngste von 1996. "Dazwischen kann man die ganze industriekulturelle Entwicklung erkennen", sagt Schramm. Mehrere hundert Besucher schauten sich das aus der Nähe an.

   

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