- Der Geschichtssender History verleiht seit 2005 den History-Award an Städte und Institutionen, seit 2007 vor allem an Schülerprojekte
- Mit über 200 Millionen TV-Empfangshaushalte in 145 Ländern und 25 Sprachen ist History das einzige internationale Fernsehnetzwerk, dessen Programm sich ausschließlich geschichtlichen Themen widmet.---- Der History-Award wird 2011 unter dem Motto "Über die Grenzen" geführt.
- Schirmherrin ist Dr. Auma Obama.
- Zur Jury gehören Experten von deutschen Universitäten

"In einem Land vor unserer Zeit" ist der Titel eines Geschichtsfilms, den Schüler der Schönebecker Maxim-Gorki-Sekundarschule in sechsmonatiger Arbeit erstellt haben. Er beschreibt das Leben in der DDR, die Jugendlichen haben dazu Familienmitglieder befragt und in Archiven rechechiert. Der Film, mit Hilfe des Salzlandkreises und der Sparkasse entstanden, ist der einzige Beitrag beim History-Award "Über die Grenzen" aus Sachsen-Anhalt. In dieser Woche kann man noch im Internet darüber abstimmen.

"Was weißt du über die DDR?" – Diese Frage stand am Anfang eines Filmprojektes in der Maxim-Gorki-Schule Schönebeck. Im Mai 2009 begannen die jungen Frauen und Männer der damaligen neunten Klasse, sich intensiv mit der untergegangenen Republik zu beschäftigen. Die DDR-Zeit ist Teil verschiedener Unterrichtsfächer, in Deutsch beschäftigen sich die Schüler mit der Literatur, in Geschichte mit dem Staat. "Doch diese Generation junger Leute weiß nicht mehr viel über das Land, in dem Großeltern und Eltern lebten, ältere Geschwister aufgewachsen sind", sagt Lehrerin Heike Uhlig und beschreibt damit ihre ersten Eindrücke aus dem Unterricht. "Die DDR ist so weit weg wie die Steinzeit." In den meisten Familien spiele das Thema DDR keine Rolle (mehr), die Jugendlichen selbst hätten andere Interessenslagen, seien vielmehr im Jetzt verwurzelt, so die Pädagogin.

Doch die Gorki-Schüler sollten der Deutschen Demokratischen Republik auf die Spur kommen. Weil der Umgang mit modernen Medien Teil eines Wahlpflichtfaches, entschloss man sich, einen Film zu drehen. Darin wurden Zeitzeugen befragt. "Nahe lag es, zuerst die Familienmitglieder und Freunde, Trainer und Erzieher zu befragen, die die DDR erlebt hatten", erklärt Heike Uhlig. So wurde das Thema im Zuhause oftmals zum ersten Mal auf das Trapez gehoben. Bei den Gesprächen ging es um alle Bereiche, die das Leben betreffen, um Schule, Arbeit, Freizeit, Freundschaft, Kindheit, Ausbildung.

Daneben spielte aber auch die Wahrnehmung eine Rolle. Die Interviewpartner erinnerten sich an Gerüche, Farben, Klänge. Dabei waren die Schüler zu einem interessanten Zwischenergebnis gelangt, so Heike Uhlig. "Die meisten Leute sagten, in der DDR sei alles viel besser gewesen, doch keiner wünschte sie sich zurück." Im Film sollte deshalb der Versuch unternommen werden, diese Diskrepanz offen zu legen.

Neben den Interviews mit den eigenen Leuten, hatten die Jugendlichen auch Prominente angeschrieben. Sido, Cindy aus Marzahn, Nina Hagen oder Paul Kalkbrenner. Die einzige, die antwortete, war Kanzlerin Angela Merkel. "Das hat die Schüler enttäuscht und geärgert."
Doch sie disponierten einfach um, zogen durch die Stadt, befragten Leute an einem Einkaufsmarkt und lokale Prominenz aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Die Resonanz war sehr gut, das Projekt lief wie von selbst, die Motivation der Jugendlichen steigerte sich. "Wie ein Dominoeffekt", beschreibt Heike Uhlig die Zeit. Neben der empirischen Arbeit, kam die historische Recherche dazu. Mit den Ergebnissen aus Museen- und Archivenstöbereien, aus Büchern und Internet rundeten die Schüler ihre filmische Arbeit inhaltlich ab. Alles wurde in eine Form gebracht, sortiert, Kategorien zugeordnet. "Das brauchte eine Menge Zeit und Ausdauer", erinnert sich Heikle Uhlig und lobt, dass die Jugendlichen sogar in den Ferien aktiv gewesen seien.

Als alles aufgenommen war, hatten die 30 Gorki-Schüler nach sechs Monaten Arbeit unglaubliche 30 Stunden Filmmaterial zusammen. 30 Minuten sollten es eigentlich sein, 80 Minuten hat man zusammengeschnitten. Filmemacher Ray Behringer aus Gernrode/Harz begleitete die Jugendlichen die gesamte Zeit über, half beim Schnitt und den technischen Detailfragen. Entstanden war der Film "In einem Land vor unserer Zeit – Schüler fragen zum Thema DDR und Wende". Gedacht war er, um ausschnittsweise und an Themenfeldern orientiert im Unterricht auf verschiedene Themen rund um die DDR eingehen zu können und damit den Unterricht aufzulockern. Der Film erlebte seine Premiere am 9. November im Salzelmer Kreismuseum. Die Begeisterung, die den Jugendlichen entgegenschlug, sei riesig gewesen, sagt Heike Uhlig. Die Schüler hätten viel aus dem Projekt mitgenommen, könnten nun über die DDR mitreden, seien selbstbewusster und souveräner geworden, hätten verstanden, Dinge zu hinterfragen. Und sie seien ermutigt worden, den Film auch in anderen Bereichen vorzustellen.

Und hier kommt der History-Award ins Spiel, der 2011 unter dem passenden Motto "Über die Grenzen" läuft. Vor Ostern sei dafür die Bewerbung rausgegangen, nachdem Heike Uhlig, fast schon zu spät, im Internet gestöbert hatte, und merkte, dass Film und Wettbewerb gut zusammenpassen. Die Maxim-Gorki-Schule ist die einzige aus Sachsen-Anhalt, die einen Beitrag beim History-Award eingereicht hat. Nur noch in dieser Woche kann man im Internet abstimmen, wer gewinnen soll. Eine Jury, zu der unter anderem Fernseh-Historiker Prof. Dr. Guido Knopp gehört, entscheidet zusätzlich über die Arbeiten. Die Preisverleihung findet am 11. Mai in München statt. Schirmherrin von "Über die Grenzen" ist Dr. Auma Obama, Schwester des US-Präsidenten. Sie wird auch in der bayerischen Hauptstadt dabei sein. Und Heike Uhlig hofft mit ihren Schützlingen, dass die Erfolgsstory von "In einem Land vor unserer Zeit" weitergeht.

Hier können Sie abstimmen:
http://www.history-award.de