Seit mehr als zehn Jahren versorgen die Mitarbeiter der Staßfurter Tafel die Ärmsten der Stadt mit Lebensmittelbeuteln beziehungsweise mit einer warmen Mittagsmahlzeit. Welche Dienstleistungen das Soziokulturelle Zentrum noch bietet, zu dem die Tafel gehört, erfuhren die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Senioren und Soziales des Stadtrates in ihrer jüngsten Sitzung vor Ort.

Staßfurt. "Wir bemühen uns, dem entsprechenden Klientel stets ein attraktives Angebot zu unterbreiten", sagte Wolfgang Fischer vom Verein für Integration, Beschäftigung und Soziales (IBS) aus Lutherstadt Eisleben, der die Einrichtung vor drei Jahren vom insolventen Initiativkreis für Arbeitsbeschaffung und Bildung Staßfurt übernommen hatte.

Aus Fischers Sicht ist es traurig, dass es die Tafel überhaupt geben muss. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit sei sie aber für die Sozialschwachen der Stadt unverzichtbar. Die fünf auf ehrenamtlicher Basis tätigen Mitarbeiter sowie ihre Kolleginnen und Kollegen, die vom Jobcenter des Salzlandkreises über geförderte Maßnahmen integriert wurden, versorgen unter der Leitung von Tafel-Chefin Irene Häntsch täglich 20 bis 60 Personen mit Lebensmittelbeuteln und noch einmal zwölf bis 40 Personen mit einem Mittag-essen.

Um diese Lebensmittelspenden zu organisieren, sei ein großer organisatorischer Aufwand zu bewältigen, sagte Fischer. "Das geht nicht ohne Sponsoren". In diesem Zusammenhang nannte er die Handelskette Lidl, die der Staßfurter Tafel 5000 Euro zur Verfügung stellte. Von dem Geld habe man unter anderem einen neuen Herd und weitere Küchenausrüstung sowie neue Bestuhlung anschaffen können, berichtete Fischer.

Damit sei man nun auch in der Lage, diejenigen mit einem warmen Essen versorgen zu können, die ihre Wohnung, zum Beispiel aufgrund einer Krankheit, nicht mehr verlassen können.

Darüber hinaus betreibt der Verein IBS im gleichen Haus eine Kontakt- und Beratungsstelle, die besonders den Arbeitslosen und Sozialschwachen unter die Arme greift. Mit der personellen Besetzung sei dem Verein ein "Glücksgriff" gelungen, sagte Fischer. Die im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme tätige Kollegin habe sich sehr gut eingearbeitet. "Die Beratungsstelle wird wie der Umsonstladen sehr gut angenommen", schätzte Fischer ein.

Eine nicht unverzichtbare Arbeit leistet auch die IBS-Nähstube des Soziokulturellen Zentrums. "Wir arbeiten auch für Schulen, Kindertagesstätten, für Theater- und Laienspielgruppen", sagte Fischer.

"Unser Sorgenkind", so fügte er hinzu, "ist das Medienzentrum." Die schlechte Auslastung des Computerkabinetts führte er darauf zurück, dass die Jugendlichen privat meist über bessere Geräte verfügen. Zurzeit sei dort ein IT-Mitarbeiter tätig, der sehr gefragt sei.

Weiterhin betreut der Verein im ehemaligen "Kaiserhof" an der Bodebrücke zwölf seelisch Behinderte mit Suchtproblemen, davon fünf ambulant, die aus den Kliniken nach Staßfurt kommen. "Für mich", so IBS-Vorstandsmitglied Dr. Lutz Koch, "ist Staßfurt damit Vorreiter. Das gibt es in Eisleben nicht."