Von Falk Rockmann

Ilberstedt. "Hochzeit" nennen es die Brückenbauer auch, wenn sich Überbau und Unterbauten ihrer Meisterwerke vereinigen. Das war gestern Mittag auf der B-6n-Baustelle bei Ilberstedt der Fall, als eine der beiden Fachwerkstahlkonstruktionen über die Bahngleise geschoben wurde. Millimeter für Millimeter brachten zwei Selbstfahrmodule den 800-Tonnen-Koloss auf den Westpfeiler des Brückenbauwerks Nummer 93. Auf den jeweils zwölf Achsen schwebte das "blaue Wunder" mit maximal fünf Metern pro Minute seinem Ziel entgegen.

Ein Schauspiel und Krönung dieser zwölf Millionen Euro teuren technischen Meisterleistung. Denn die Brücke hier im letzten Abschnitt der B 6n liegt in einem Bergsenkungsgebiet. "Die Fachwerkkonstruktionen sind sehr ,steif‘, die eventuelle Senkungen problemlos aufnehmen könnten", erklärt Thomas Kühn vom Schachtbau Nordhausen, zuständiger Bauleiter für den Verschub. "Die nächsten 30 Jahre wird mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass sich hier was senkt." Sollte es dennoch passieren, haben die Brückenbauer dafür gesorgt, dass zwischen Gleis und Brücke genügend Luft ist und die Bahn ihre Gleise ständig unterstopfen könnte, so Kühn. Zudem bestehe die Möglichkeit, die Brücke anzuheben und die Lager nachzuziehen. Die lichte Höhe beträgt momentan vier Meter mehr als im Normalfall erforderlich.

Heute feiern die Brückenbauer hier nun das zweite Mal Hochzeit. Nachdem gestern zahlreiche Zaungäste das Spektakel verfolgten – die Volksstimme hatte es angekündigt – gibt es heute, ab 7 Uhr, die Möglichkeit, den Verschub der Schwester-Brücke zu verfolgen.

Für die Zeit dieser Bauarbeiten ist die Bahnstrecke bis morgen, 4 Uhr, gesperrt. Zwischen Güsten und Bernburg fahren ganztägig Ersatzbusse, informierte die Deutsche Bahn.