Unter 1800 Schülern, die landesweit am Bundeswettbewerb "Jugend debattiert" teilnahmen, setzte sich der Staßfurter Gymnasiast Hannes Gärtner in seiner Altersklasse durch. Er gewann nicht nur das Schul- und anschließend das Regionalfinale, sondern konnte auch den Sieg beim Landesfinale für sich verbuchen. Nun bereitet sich der 15-Jährige auf das große Bundesfinale Anfang Juni vor.

Staßfurt. Gepflegtes Streiten scheint Hannes Gärtner in die Wiege gelegt worden zu sein. Anders kann es sich der 15-Jährige nicht erklären, dass er nun im Bundesfinale des "Jugend debattiert"-Wettbewerbes Anfang Juni steht.

Als der junge Staßfurter beim Schulausscheid teilnahm, habe er sich noch nichts dabei gedacht, erzählt er. "Ich hab aus Spaß an der Freude mitgemacht." Über den anschließenden Sieg hatte er sich zwar gefreut, aber Chancen beim Regionalausscheid habe er sich dennoch nicht ausgerechnet. Als er aber auch diesen für sich entscheiden konnte, hat ihn der Ehrgeiz gepackt. Das Landesfinale, das Anfang Mai im Landtag in Magdeburg stattfand, war der bisherige Höhepunkt seiner jungen "Streiter-Karriere". Die besten acht Schüler debattierten im Plenarsaal um den Einzug ins Bundesfinale.

"Mir haben an dem Tag ganz schön die Knie geschlottert", gibt Hannes zu. Etwa zwei Wochen vorher habe er die Themen bekommen, auf die es sich vorzubereiten galt. Ob er den Pro- oder Contra-Standpunkt beim Debattieren einnehmen muss, war nicht bekannt. So musste er jeweils zwei Sichtweisen zu drei vorgegebenen Themen vorbereiten.

Lehrer, Internet und Fachleute wurden in die Vorbereitungen ebenso einbezogen wie Freunde und Familie. "Ich habe mit meinen Eltern am Abendbrotstisch und mit meinen Freunden in den Unterrichtspausen debattiert", verrät er. Außerdem habe er aktuelle Parteivorschläge und Rechtsbeschlüsse studiert.

Und der Aufwand hat sich gelohnt. Nach zwei gewonnenen Qualifikationsrunden machte er auch in der Finalrunde das Rennen. Debattiert wurden Fragen wie "Sollen Verpackungsgrößen im Lebensmitteleinzelhandel staatlich vorgeschrieben werden?" oder "Soll Internet-Piraterie mit Internet-Sperren bekämpft werden?". Sehr anspruchsvolle, aber durchaus interessante Themen, wie er findet.

"Ich versuche zu hohe Erwartungen zu vermeiden. Sonst ist die Enttäuschung groß"

Als Siegerprämie ging es in der vergangenen Woche zum Debattier-Training auf die Burg Rothenfels am Main (Bayern). Dort traf Hannes auf die Sieger der anderen Bundesländer – seine potentiellen Kontrahenten. Von einer Konkurrenzsituation sei aber keine Spur gewesen. Ganz im Gegenteil. Zahlreiche Freundschaften habe er geschlossen, erzählt er.

In Seminaren wurden alle auf den gleichen Stand gebracht. So lernten die Jugendlichen, wie man das Grundgesetz in seine Argumentationsstrukturen einbringen kann, wie effektiv recherchiert wird, rhetorische Kniffe und wie man sich souverän und seriös präsentiert. Sogar die richtige Atmung beim Debattieren wurde gelehrt. "Schließlich nutzen die Gegendebattanten die Atempausen, um einem ins Wort zu fallen", erklärt Hannes.

Das Rüstzeug für das "Jugend debattiert"-Bundesfinale hat der 15-Jährige jedenfalls. Ob es ihm gelingen wird, dies auch optimal umzusetzen, kann und will er nicht sagen. "Die Konkurrenz ist stark", gibt er zu. "Ich versuche zu hohe Erwartungen zu vermeiden. Sonst ist die Enttäuschung groß."

Die Erfahrungen, die Hannes, der eigentlich Eventmanager werden möchte und in seiner Freizeit Bass bei der Band "Take Off" und im Jugendblasorchester spielt, gemacht hat, kann ihm keiner nehmen. "Sicherlich ist der Sieg mein Ziel", sagt er. Nicht zuletzt, weil er in der Final-Runde vor dem Bundespräsidenten debattieren wird. Dennoch sei er jetzt schon viel weiter, als er je zu träumen gewagt hätte.