Die Geschäftsleitung der Kreiskliniken Aschersleben-Staßfurt gGmbH will bereits im Juni oder Juli die chirurgische Station am Standort Staßfurt schließen. Diese Hiobsbotschaft teilte der Chefarzt des Staßfurter Krankenhauses, Dr. Martin Frost, den Mitgliedern der städtischen Arbeitsgruppe mit, die für den Erhalt des Standortes Staßfurt kämpft.

Staßfurt. In diesem Fall werde auch er seine Arbeit niederlegen, kündigte Dr. Frost an. Denn dann habe man nachts, wenn die ambulant tätigen Chirurgen nicht mehr im Hause seien, keine Möglichkeit mehr, in Staßfurt zum Beispiel eine Platzwunde zu nähen. Dann müsste jeder Patient nach Aschersleben gefahren werden.

" Dann kann ich auch keine stationären HNO-Operationen mehr anbieten ", fügte der HNOArzt Harald Jahns hinzu. Das hätte zur Folge, dass er auch keine Patienten mehr aus dem Altkreis Bernburg aufnehmen könne, wo diese Leistungen derzeit nicht angeboten würden. Wenn man bei einer solchen OP von Kosten zwischen 1000 bis 1500 Euro ausgehe, werde das Krankenhaus Staßfurt weitere finanzielle Verluste hinnehmen müssen. " Ich weiß nicht, ob man darauf verzichten kann ", so Jahns. Zudem würden sich die anderen Krankenhäuser im Umfeld über weitere Patienten aus Staßfurt freuen.

Der Oberarzt der Chirurgie, Jens Lingott, teilte mit, dass er sich zum 1. Oktober im Krankenhaus einmieten und die Praxis von Dr. Ina-M. Weinreich übernehmen werde. Nach 16 Uhr könne man dort aber keine größeren chirurgischen Eingriffe mehr vornehmen, weil man keinen Anästhesisten mehr im Hause habe. Lingott : " Keiner weiß, wie es weiter geht. Das ist nicht gerade motivierend für das Personal. "

Wie der Chefarzt informierte, kann sich die Klinikleitung vorstellen, in Staßfurt eine weitere Station der derzeit überbelegten Inneren Medizin zu öffnen, wenn die Chirurgie weg sei.

Auf die technische Ausstattung seines Hauses eingehend, sagte Dr. Frost, dass da alte DDR-Zeiten wieder aufleben. Er habe vier neue EKG-Geräte beantragt, um die aus der Wendezeit stammenden Exemplare ablösen zu können. In vergleichbar großen Kliniken seien sieben bis acht Geräte im Einsatz, so Frost. Darüber hinaus sollen zwei neue Beatmungsgeräte geordert werden. Im Gegensatz zu Aschersleben, wo ein neues Exemplar 40 000 Euro kosten soll, wollen sich die Staßfurter Mediziner mit 13 000 Euro pro Stück zufrieden geben.

" Wenn man das hört, stehen einem die Haare zu Berge ", kommentierte Stadtratschef Dr. Walter Blauwitz ( Die Linke ) die Ausführungen der Ärzte. Im Aufsichtsrat der Salzlandkliniken, dem Dr. Blauwitz angehört, wäre es aus seiner Sicht ganz dienlich, wenn " diese praxisnahe Stimme " mal gehört würde.

Auch Blauwitz Parteifreundin Brigitte Köpplin äußerte sich empört : " Da geht einem der Hut hoch. Ich habe das Vertrauen nicht mehr, dass die Kliniken sachlich geführt und geleitet werden. Das geht alles zu Lasten der Bürger. "

" Der Bericht hat mich geschockt ", sagte auch der Landtagsabgeordnete Peter Rotter ( CDU ). Das habe durchaus Methode, was mit dem Standort Staßfurt gemacht werde. Nach seiner Einschätzung ist das von den Salzlandkliniken vorgelegte Klinikkonzept für Staßfurt nur ein Placebo. Rotter : " Wir sollten darauf bestehen, dass die Leute, die die Verantwortung dafür haben, hier Rede und Antwort stehen. "

" Ich bin enttäuscht, dass ich für diesen Landrat Wahlkampf gemacht habe ", sagte Stadträtin Karin Gründler ( SPD ) und distanzierte sich damit von ihrem Parteifreund Ulrich Gerstner.

Karl Seidel, der dem Seniorenrat der Stadt angehört, empfahl, Druck gegen die Klinik-Leitung aufzubauen und eine Bürgerinitiative zu gründen beziehungsweise ein Bürgerbegehren anzustreben. Letzeres wäre sehr kompliziert umzusetzen, meinte der Chef der Fraktion Wählergemeinschaften, Hartmut Wiest. Er könnte sich vorstellen, eine Beschlussvorlage in den Kreistag einzubringen, die Operationen im 24-Stunden-Betrieb in jedem der vier Mittelzentren des Kreises vorsieht.

Der Klinik-Hauptsitz Aschersleben habe das Staßfurter Krankenhaus runter gerasselt, monierte der stellvertretende CDU-Fraktionschef des Stadtrates Heinz Czerwienski. " Die haben sich saniert auf unsere Kosten ", fügte er hinzu.

Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) hatte den Arbeitsgruppen-Mitgliedern zu Beginn der Sitzung mitgeteilt, dass ihm sowohl der Sprecher der Salzlandkliniken, Peter Löbus, als auch Aufsichtsratschef Gerald Bieling informiert hätten, dass sie der Einladung der Stadt, in der nächsten Ratssitzung am 6. Mai zur Zukunft des Klinik-Standortes Bericht zu erstatten, nicht nachkommen könnten. Während Bieling geäußert hätte, er könne dem Stadtrat nicht das sagen, was dieser gerne hören wolle, habe Löbus auf den 19. Mai verwiesen. An diesem Tage gebe es strukturelle Veränderungen im Aufsichtsrat, die er abwarten wolle, sagte Zok. Beide wollen heute bei ihm vorbeischauen, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Ausschussmitglieder verständigten sich darauf, den entsprechenden Tagesordnungspunkt für die Stadtratssitzung trotz der Absage nicht zu streichen.