Der Trend zur Jugendweihe ist weiterhin ungebrochen, sagte Heidemarie Dittrich von der gleichnamigen Interessenvereinigung. Die geburtenschwachen Jahrgänge beziehungsweise die Schulschließungen machten sich bemerkbar. Den Anfang der Jugendweiheveranstaltungen in diesem Jahr machten die Sekundarschulen Förderstedt, Hermann-Kasten und Am Tierpark Staßfurt sowie die dortige Sonderschule.

Staßfurt. Den 8. Mai 2010 werden die 82 Mädchen und Jungen aus Staßfurt und Umgebung so schnell wohl nicht vergessen. Denn an diesem Sonnabend erhielten sie in feierlicher Form ihre Jugendweihe und wurden somit symbolisch in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Die Interessenvereinigung Jugendweihe Staßfurt, zu der auch die Außenstellen in Aschersleben und Bernburg gehören, hatte mit Hilfe von Sponsoren wie immer alles perfekt vorbereitet.

Die Westminster Hymn, gespielt vom Jugendblasorchester Staßfurter unter Leitung von Jörg Buschmann, bildete dann den passenden musikalischen Rahmen für den Einmarsch der Jugendweihelinge in den Saal, wo viele Eltern und Großeltern, Geschwister, Freunde und Bekannte schon ganz aufgeregt mit dem Fotoapparat oder dem Camcorder warteten, um den Sprung der Mädchen und Jungen in einen Lebensabschnitt in Bild und Ton festhalten zu können.

Festredner war dieses Mal der Wahlkreismitarbeiter des SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Manfred Püchel, Heiko Wunderling. Er berichtete nicht nur über seine Jugendweihe vor 30 Jahren, sondern gab den Jugendlichen gute Ratschläge für das spätere Leben mit auf den Weg. "Nutzt Eure Chancen!", rief er ihnen zu. Wichtig sei, dass man sich eine eigene Meinung bilde und diese auch seinen Eltern, Freunden und Lehrern sage, auch wenn denen das manchmal nicht gefalle.

"Ein am Computer vorprogrammiertes Leben gibt es nicht. Und auch keine Savepoints, zu denen man zurückspringen kann, wenn was schief gelaufen ist. Jeder von euch wird seine eigenen Erfahrungen sammeln, gute wie schlechte. Am Ende seid ihr es selbst, die die richtigen Schlüsse daraus ziehen müssen", sagte der Redner. Als Navigator für das Leben bezeichnete er die Werte, nach denen wir leben. "Orientiert man sich an den richtigen Werten", so Wunderling, "kann kaum etwas schief gehen. Nimmt man die falschen, scheitert man irgendwann."

Zu den richtigen Werten gehören demnach Höflichkeit, Respekt vor dem Anderen, Ehrlichkeit, Hilfbereitschaft., Offenheit, Bescheidenheit, Fleiß, Freundschaften pflegen, tolerant sein und mit Vernunft an die Dinge herangehen. Schlechte Berater seien dagegen Neid, Hass, Angeberei, Gewalt, Arroganz und falscher Ehrgeiz.

Jeder Mensch habe die gleichen Rechte und sei auch gleich viel wert, egal, ob er eine helle oder dunkle Hautfarbe habe. Es gehöre zur Würde des Menschen, so akzeptiert zu werden, wie man sei. "Das ist die Grundlage für unser Zusammenleben", sagte Wunderling.

In diesem Zusammenhang mahnte er seine Zuhörer jedoch auch, sich nicht dem rechtsextremen Gedankengut hinzugeben. "Überlegt Euch das gut. Lösungen für Eure Probleme haben die Rechten nicht. Wohin rechtes Gedankengut führt, haben die Nazizeit und die getöten Jungen und Mädchen eures Alters gezeigt, die Krieg, Diktatur und Vertreibung nicht überlebt haben", so der Redner.

Mit dem neuen Lebensabschnitt bekämen die jungen Leute nun Stück für Stück mehr Freiheit. Sie sollten aber auch Stück für Stück mehr Pflichten und mehr Verantwortung übernehmen.

Auf die spätere Berufstätigkeit eingehend, stellte Wunderling fest, dass die Jugendweihelinge in ein paar Jahren auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt bessere Chancen haben dürften als vorhergehende Generationen, weil bald mehr Facharbeiter in Rente gehen als junge Leute nachrücken.

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