20 Einwohner aus verschiedenen Orten der Verbandsgemeinde Saale-Wipper haben eine "Bürgerinitiative für Lebensqualität und nachhaltige Landwirtschaft – gegen Deutschlands größte Massentierhaltung" gegründet. Damit soll der Protest gegen die südlich von Güsten geplanten Großanlagen für 600 000 Legehennen und 30 000 Schweine unterstrichen werden.

Güsten/Giersleben. Die Bürgerinitiative hat sich gegründet, nachdem die Pläne im Güstener Stadtrat bekannt gemacht wurden, und auch die Investoren darüber die Öffentlichkeit informiert hatten (Volksstimme berichtete).

Die Vertreter der Bürgerini-tiative – aus den Reihen der 20 Gründungsmitglieder wurden Wolf-Dietmar Beinroth (Amesdorf), Uwe Saupe (Bründel), Peter Rietsch (Giersleben), Michael Rose (Güsten), Peter Rosenhagen (Plötzkau) und Dr. Klaus Gerner (Warmsdorf) als Sprecher gewählt – spricht aus dem Grund von der "größten Massentierhaltung der Bundesrepublik", weil sie in der Legehennenanlage und der Schweineanlage eine Einheit sieht. "Unvorstellbar, was da an Umweltbelastung auf uns zukommt. Mehr als den schon vorhandenen Gestank brauchen wir nicht", erklären die sechs Sprecher der Initiative in einem Schreiben an die Volksstimme.

"In westlichen Bundesländern bringen schon Massenanlagen um 30 000 Hühner die Bürger und Politiker zu Gegenwehr. Hier können wir nichts gegen 600 000 tun?", verweist die Bürgerinitiative auf die Hauptausschusssitzung der Stadt Güsten Ende April, bei der man seitens der Verwaltung und des Güstener Bürgermeisters wenig Hoffnung auf Unterstützung erfahren habe.

"Neben vielen anderen Nachteilen hinsichtlich Umweltschutz sollen wir nun auch noch unter dem importierten Gestank leiden. Wenn der Investor von nur 20 Prozent des typischen Schweinegeruchs spricht, der allein die Schweineanlage verlasse, wäre das bei 30 000 Tieren dann der ungefilterte Gestank von 6000 Schweinen! Dazu kommen noch die 600 000 Hühner. Und die nächsten Wohnungen sind nur 1500 Meter entfernt. Milliarden von Toxinen, Viren, Pilzen werden freigesetzt und bis 50 Kilometer weit getragen", unterstreicht die Bürgerinitiative einmal mehr. "Tagtäglich, Sommer und Winter, jahraus, jahrein werden immer irgendwo um unsere Orte Tonnen von Gülle, Kot und End-Substrate transportiert und verklappt, Gestank verbreitet, die Böden überdüngt und kontaminiert, die Umwelt und das Grundwasser gefährdet."

Deshalb habe sich spontan nun diese Bürgerinitiative gegründet, "die gegen diesen geplanten Größenwahn angehen will", erklären ihre Sprecher. Sie sehen im übrigen "den milliardenschweren Solidarpakt II und den erwarteten geringen Widerstand als Ursache, dass sich Investoren hier zu solcher Gigantomanie veranlasst fühlen. Lassen wir uns nicht die Landschaft und die Umwelt vor unserer Tür durch solche gigantischen Massentieranlagen unwiederbringlich zerstören. Kämpfen wir gemeinsam dagegen, die Umweltbelastung macht vor keinem Ort halt."

Die Bürgerinitiative hat unterdessen eine Unterschriftensammlung gegen die geplanten Anlagen ins Leben gestartet.

Widerstand regt sich auch im Gemeinderat Giersleben. Der erwägt, anwaltliche und sachverständige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Auch etablierte Umweltverbände sollen mit ins Boot geholt werden.

An dieser Stelle sei noch einmal an das "Volksstimme-Forum" am Donnerstag, dem 20. Mai, 19 Uhr, im Bürgerhaus Güsten, erinnert. Dazu haben sich unter anderem auch wieder die Investoren der geplanten Anlagen angekündigt.