Güsten (rk). Im Vorfeld des morgen um 19 Uhr im "Bürgerhaus" in Güsten stattfindenden Bürgerforums zu den geplanten neuen Anlagen für die Hühner- und Schweinemast meldete sich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde "Saale-Wipper", Steffen Globig, zu Wort:

"Schweine stinken! Und wo viele Schweine sind, stinkt es umso mehr. Auch Hühner duften nicht nach Lavendel. Das weiß jeder, der auf dem Dorf groß geworden ist. Früher wurden auf jedem Hinterhof Huhn und Hahn auf dem Mist gehalten. Später konzentrierte sich alles in der LPG und heute werden Nutztiere in riesigen Anlagen professionell mit viel Technik, ähnlich einer Fabrik, aufgezogen und gemästet.

Die Betriebsgemeinschaft Schackenthal beabsichtigt nun in der Feldflur vor Osmarsleben und Amesdorf solche Anlagen in zu errichten. Pro Woche werden 100 Sauen ferkeln, 1000 Schweine werden wöchentlich die Reise in den Schlachthof antreten. Bei den Hühnern werden dreimal pro Jahr tausende "ausgetauscht." Dazu kommen die Transporte von Futter, Wasser und Kot in unvorstellbaren Größenordnungen.

Wer möchte so etwas schon vor der Haustür haben? Die Angst im Schweinegeruch oder Hühnermief leben zu müssen und somit wichtige Lebensqualität zu verlieren, kann ich gut nachvollziehen. Der Wert von Grundstücken wird in der Nähe solcher Anlagen auch nicht gerade steigen.

Die künftigen Betreiber versprechen mit der allerneuesten Technik und einer Biogasanlage die Ställe nahezu hermetisch abzuschirmen und die Ausdünstungen auf ein kaum wahrnehmbares Minimum zu reduzieren.

Wie das erreicht werden soll, wurde uns anhand von Beispielen demonstriert. Diese neuen Betriebe sind schon technisch mit den Ställen in Hecklingen oder Neundorf nicht vergleichbar. Außerdem werden Gutachten vorgelegt, die mit Wetteranalysen und Filtertechnik belegen sollen, dass sich die Anlagen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften bewegen werden und die Anwohner nicht belästigen. Solchen Prognosen kann man glauben oder anzweifeln oder Gegengutachten erstellen. Niemand kann wissen, welche Belästigungen wirklich zu erwarten sind. Das wird sich erst zeigen, wenn der Betrieb läuft.

Es ist meine Pflicht, mich für das Wohl der Bürger einzusetzen und dafür zu sorgen, dass unsere Gemeinden lebenswert bleiben. Die Ängste und Sorgen der Anlieger nehme ich deshalb sehr ernst. Aus diesem Grund habe ich einigen Sprechern der nun gegründeten Bürgerinitiative schon mehrmals, leider vergeblich, angeboten, an diesen Treffen teilzunehmen, um deren Befürchtungen in den Prozess einzubinden. Nur wenn das Problem von allen Seiten beleuchtet wird, kann man objektiv entscheiden. Dass mir die Bürgerinitiative jetzt einen Schulterschluss vorwirft beziehungsweise behauptet, untätig zuzusehen, ist falsch und unfair.

Ich habe bisher mit landwirtschaftlichen Experten, politischen Vertretern, Behörden, mit Bürgermeistern und Bürgerinitiativen anderer Gemeinden und natürlich mit den künftigen Betreibern gesprochen, um mir ein eigenes Bild zu machen: Solange die Investoren nachweisen können, sich an die zahlreichen gesetzlichen Bestimmungen, vom Baurecht, über den Tierschutz, das Immissionsrecht oder die Düngeverordnungen zu halten, werden wir den Bau der Tierhaltungsanlagen nicht verhindern können. Dieses Recht ist sogar einklagbar und einer Behörde bleibt nur das Gesetzbuch. Deshalb halte ich es für klüger, zu verhandeln und sich mit dem Unvermeidbaren zu arrangieren, als zu blockieren.

Sollte mir allerdings jemand eine gesetzliche Möglichkeit aufzeigen, diese Anlagen zu verhindern, würde ich diese Chance nutzen. Bis dahin setze ich auf Zusammenarbeit und Kooperation aller und auf die umfassende Information der Bevölkerung. Was nützt es, sich gegenseitig anzugreifen? Wenn es keine Möglichkeit gibt, die Ställe zu verhindern, suchen wir Kompromisse, mit denen alle Beteiligten auch noch in 10 Jahren leben können. Ansonsten gehen wir wie die Hähne aufeinander los und es herrscht dicke Luft, bevor die Ställe gebaut wurden.