Der Tierschutzverein Staßfurt und Umgebung zog jetzt auf der Jahreshauptversammlung Bilanz über seine Arbeit im vergangenen Jahr. Die Mitglieder waren vielfältig aktiv wenn es um die Rettung von Tieren und die Beratung von Haltern ging. Mit der privaten Hundepension Gröningen (Landkreis Börde), die für Fundtiere in der Stadt Staßfurt verantwortlich zeichnet, wollen die Mitglieder stärker zusammenarbeiten, fordern aber auch gleiche Bedingungen ein.

Staßfurt. Katzenbabys im Schuhkarton vor dem Kleidercontainer, halberfrorene Katzen, denen Ohren und Gliedmaßen beinahe schon abfallen, eine fast verhungerte Dogge oder Kaninchen und Meerschweinchen, die den Eiswinter im Garten nicht überlebten –nur einige der vielen Fälle, in denen der Tierschutzverein in Staßfurt und Umgebung im vergangenen Jahr aktiv wurde und über die Vereinsvorsitzende Ursula Sittig bei der Jahreshauptversammlung berichtete.

"Wer ein Tier hat, muss sich auch der Verantwortung stellen"

Tierschutz bleibt wichtig, auch in der Salzstadt, Sittig verdeutlichte das mit einem Zitat von Theodor Heuss: "Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz überhaupt geschaffen werden muss." Die Arbeit des Vereins ist vielfältig. Die Fälle, auf die seine Mitglieder stoßen manchmal unglaublich. "Wer ein Tier hat, muss sich auch der Verantwortung stellen", sagt die Vorsitzende und betont das Grundprinzip bei der Haltung von Hund, Katze und Co. Doch es gebe immer wieder Menschen, die sich dieser Verantwortung nicht stellen wollen oder können. Dann wird der Tierschutzverein aktiv. Mit mangelnder Tierhaltung oder -misshandlung ist er fast täglich konfrontiert. Seine Mitglieder werden gerufen, wenn Missstände beobachtet und gemeldet werden. Dabei arbeiten sie eng mit Behörden und Amtstierärztin zusammen.

Die Tierfreunde setzen auch auf Vorbeuge. In der Tierauffangstation in der Rosmarienstraße werden Fundtiere, vor allem Katzen, aber auch Hunde, aufgenommen, aufgepäppelt, medizinisch versorgt und vermittelt. Im vergangenen Jahr waren es allein rund 80 Stubentiger. Die ehrenamtlich agierenden Tierschützer kümmern sich um die Sterilisation und Kastration von Katzen und Katern. "Ein Thema, über das wir auch Katzenhalter aufklären, um zu vermeiden, dass die ungewollten Jungtiere später womöglich einfach ausgesetzt werden", sagt Ursula Sittig. 2009 wurden rund 30 Katzen so behandelt, im laufenden Jahr sind es bereits 17. Im Idealfall werden die Tiere alle vermittelt. Dann kümmert sich der Tierschutzverein auch um die Beratung der frischgebackenen Herrchen sowie um Vor- und Nachkontrollen von Tierheimtieren.

Informationen gab der Tierschutzverein auch bei seinen Infoständen beim "Tag der Regionen", dem Salzlandfest, bei eigenen Aktionen oder bei Veranstaltungen innerhalb von Schulprojekttagen. Die Mitglieder boten Telefonberatungen zur Igelüberwinterung, sie nahmen an der Anhörung zum Hundegesetz im sachsen-anhaltischen Landtag teil, Futterspenden werden gesammelt und Futterstellen betreut.

Ursula Sittig bekennt aber auch, dass es Probleme gibt. Die Aktion "Nimmst du mein Tier, nehme ich deins" läuft nicht wie gewünscht. Es fehlen Helfer, die Tiere auch einmal aufnehmen wollen, wenn ihre Besitzer in den Urlaub fahren.

"Es geht um die Tiere, da müssen wir alles in Bewegung setzen"

Angespannt bleibt auch das Verhältnis zur privaten Hundepension Gröningen. Die Stadt hat dem Unternehmen die Pflichtaufgabe der Verwahrung von Fundtieren und die Kadaverbeseitigung übertragen. Die Tierschützer beklagen, dass die Unterbringung von Katzen nach ihrem Kenntnisstand nicht den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Ursula Sittig erklärt, dass die vereinseigene Tierauffangstation hohe Auflagen mit der Einrichtung von eigenen Quarantäne- und Krankenräumen erfüllt hat. "Diese Vorgaben müssen von allen, Tierheimen und tier- heimähnlichen Einrichtungen, gleichermaßen erfüllt werden." Der Verein beanstandet auch, dass es Fälle gab, in denen die Gröninger Pension an den Tierschutzverein verwies, obwohl er die Aufgaben übertragen bekommen hat und dafür bezahlt wird.

In diesem Zusammenhang rief Ursula Sittig in Erinnerung, dass alle Vereinsmitglieder ehrenamtlich arbeiten, Tierarzt- und Futterkosten über Spenden finanziert und viele Private finanzielle Aufwendungen für Benzinkosten beispielsweise selbst tragen würden. "Wir betteln, wo wir können. Von staatlicher Seite bekommen wir kein Geld." Der Verein fordert die politischen Verantwortlichen in Magdeburg auf, genaue Gesetzesvorgaben zu schaffen und vor allem zu klären, wie Fundtiere definiert sind.

Bei aller Kritik, der Schutzverein setzt auf den Ausgleich. Der Besitzer der Hundepension Gröningen will in Staßfurt eine Pension und Tierauffangstation errichten, Hunde und Katzen aufnehmen. Das Grundstück ist gekauft und die Bauanträge bei der Stadt gestellt. Über Stadtratsmitglieder wurde der Verein informiert, dass verschiedene Katzenhäuser geplant sind, die Anlage großzügig gestaltet wird. Das begrüßt der Verein. Bis aber alles fertig ist, muss ein Weg der Zusammenarbeit gefunden werden, dazu sucht man jetzt das gemeinsame Gespräch zusammen mit den Verantwortlichen in der Stadt. "Es geht um die Tiere, da müssen wir alles in Bewegung setzen", sagt Ursula Sittig.

   

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