Die städtische Klinik-Arbeitsgruppe unter Leitung von Oberbürgermeister René Zok (parteilos) will die am 26. Mai um 18 Uhr geplante Demonstration zu einer machtvollen Kundgebung gegen die weitere Einschränkung der medizinischen Leistungen des Staßfurter Krankenhauses machen. Deshalb sollen möglichst viele Bürger aus dem gesamten Altkreis Staßfurt zur Teilnahme mobilisiert werden.

Staßfurt. Mittwochabend verständigte sich die Runde im Rathaus darauf, dass der Oberbürgermeister, der stellvertretende CDU-Fraktionschef des Stadtrates, Heinz Czerwienski, der Chef des Sodawerkes, Ulrich Eichhorn, sowie ein Vertreter des Seniorenbeirates auf der Kundgebung vor der Klinik das Wort ergreifen sollen.

Zok bittet die Bürger, Transparente und Spruchbänder mit ihren Forderungen, Wünschen und Fragen mitzubringen. Er sicherte zu, sich darum zu bemühen, noch eine Schalmeienkapelle zu gewinnen, die den Umzug vom zentralen Treffpunkt am Neumarkt bis zur Bodestraße anführen soll. Das gleiche gelte für die Organisation von Sonderbussen, die besonders die Senioren aus der Egelner Mulde nach Staßfurt bringen sollen.

Da sowohl Landrat Ulrich Gerstner (SPD) als auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Salzlandkliniken, Gerald Bieling (CDU), der Sprecher der Holding, Peter Löbus, und die beiden Geschäftsführer der Kreiskliniken Aschersleben-Staßfurt gGmbH, Melita Planert und Dr. Erik Czihal, ihre Teilnahme an dem am gleichen Tag im Salzlandtheater stattfindenden Bürgerforum zur Zukunft des Klinikstandortes Staßfurt abgesagt haben, werden um 19.30 Uhr andere Gäste im Podium Platz nehmen.

Dabei handelt es sich um den Oberbürgermeister, den Chef des Sodawerkes Staßfurt, Ulrich Eichhorn, der die Idee für die Protestdemonstration hatte, den Kreistagsabgeordneten und Stadtrat Hartmut Wiest sowie um einen Vertreter des Seniorenbeirates.

"Es ist ein Skandal und dürfte einzigartig sein in der Bundesrepublik, dass der Landrat den Bürgern nicht Rede und Antwort stehen will wie sich das eigentlich gehört. Und das 20 Jahre nach der Wende. Pressemitteilungen sind dafür kein Ersatz. Mit seinem Verhalten leistet der Landrat der Politikverdrossenheit Vorschub", wetterte der FDP-Kreischef Johann Hauser und warf Gerstner "Feigheit" vor. Der Kreischef dürfe nicht vergessen, dass die Stadt Staßfurt pro Jahr rund zehn Millionen Euro zur Finanzierung von kreislichen Aufgaben an das Landratsamt überweise.

Der ehemalige Chefarzt des Krankenhauses Staßfurt, Dr. Uwe Kreißler, der an der Beratung der Arbeitsgruppe teilnahm, empfahl, beim Kampf um den Erhalt des Klinikstandortes auf die Verschwendung von Steuer- und Fördergeldern, zum Beispiel durch die Einstellung des OP-Betriebes, hinzuweisen. "Mit Logik lässt sich das, was dort passiert, nicht mehr nachvollziehen." Zudem müsse es eine andere Personalpolitik geben, damit die Ärzte nicht abwandern.

"Man darf sich heute über den fehlenden Personalbestand nicht wundern, wenn man die Ärzte selbst vergrault hat", warf der ehemalige Verwaltungsleiter des Staßfurter Krankenhauses, Günter Fritze, der Geschäftsführung in Aschersleben vor. Als Beispiele nannte er die beiden Fachärzte für Frauenheilkunde, Dr. Harald Friedrich und Dr. Ute Rommel. Diese seien so "beeinflusst" worden, dass sie nach Schönebeck gegangen seien. "Das war für den Standort Staßfurt traurig", so Fritze. Ihre Patienten seien aber nicht wie erwartet nach Aschersleben gegangen, sondern mit den Ärzten nach Schönebeck. Ähnlich sei es Dipl.-Mediziner Dirk Rommel ergangen. "Er wollte mehr Selbständigkeit. Jetzt hat er sie in Schönebeck als Chefarzt der Unfallchirurgie", sagte Fritze, der die derzeitige Personalsituation in Staßfurt als äußerst problematisch bezeichnete. "Deshalb wäre der Gedanke einer Privatisierung eine sehr gute Lösung, um die Probleme, die der Standort Staßfurt hat, in den Griff zu bekommen", erklärte der ehemalige Verwaltungschef. Das habe man schon damals versucht. Doch die Klinikleitung in Ascherleben habe das nicht gewollt.

Negativ auf das Krankenhaus Staßfurt wird sich aus seiner Sicht auch die zum 1. Januar 2011 geplante Schließung des Notarztstandortes Staßfurt auswirken. Früher habe man sich dort angesiedelt, wo die meisten Fälle zu erwarten seien. Heute dagegen gehe man in eine "Kuhbläke" wie Atzendorf, so Fritze voller Unverständnis. "Das Wertvollste, was Staßfurt hat, ist der OP-Trakt mit dem ambulanten OP-Zentrum", sagte er den Abgeordneten. Diese Einrichtungen seien die modernsten im Land gewesen. Deshalb lehnt auch die Mehrheit der Arbeitsgruppen-Mitglieder die für Juni/Juli vorgesehene Schließung der Chirurgie und des stationären OP-Traktes ab.