Staßfurt. Das Zusammenspiel klappt ausgezeichnet. Wenn Werner Günther mit seiner siebenjährigen Schäferhündin Rike vom Ritterberg unterwegs ist, pariert das Tier genau, gehorcht seinem Herrchen aufs Wort. Mehrmals am Tag führt der Staßfurter Senior seine Rike aus. " Wir gehen meistens durch Gärten, Feldwege und die Horst, sagt der 80-Jährige. Manchmal läuft die Schäferhündin bei großen Runden neben dem Fahrrad her. Immer an der Leine versteht sich. Für das Tier sind diese Gänge wichtig und Werner Günther kann ihnen auch ihren Reiz abgewinnen. " Man erlebt die Natur in allen Facetten und man bleibt selbst gesund. "

Die Staßfurter, denen Herrchen und Hündin bei ihrem Gassigehen begegnen, wissen das zu bestätigen.

Hundsportverein 1949 gegründet

Für Werner Günther gehört Rike mit zur Familie. Er hat schon von früher Kindheit an sein Herz an Tiere verloren, wuchs zu Hause mit Hühnern, Enten, Kaninchen und Schweinen auf. Immer waren auch Hunde dabei, Teckel oder Foxterrier. Später kam zuerst ein Altdeutscher Schäferhund, dann ein Deutscher Schäferhund dazu. Eine Rasse, von der Werner Günther bis heute fasziniert ist. " Mir gefallen besonders das Aussehen der Hunde, Fell und Haltung, die Einsatzmöglichkeiten und die Vielseitigkeit. "

Die Tiere lediglich als " Hausund Hofhund " zu halten, erschien ihm nicht zweckmäßig. Von Anfang an war Werner Günther klar, dass die Hunde ausgebildet werden müssen. In Staßfurt blühte 1950 der Hundesport. Mit seiner Hündin Bianka von der Ardenauerhöhe trat auch der Hundebesitzer in diesem Jahr in die Staßfurter Ortsgruppe des Vereins für Deutsche Schäferhunde ein, die ein Jahr zuvor gegründet worden war.

Entsprechend der Vorschriften wurde die Hündin abgerichtet und bestand 1953 die erste Prüfung. Bald darauf erfolgte die Körung, eine Prüfung, bei der die Tauglichkeit des Hundes zur Zucht festgestellt wird. Eine Zuchtordnung bestimmt die Voraussetzungen, die vor allem die Leistungsfähigkeit und Anatomie des Hundes berücksichtigen. Und schon ein Jahr später gab es Nachwuchs – Der erste Wurf im neuen Zuchthaus " vom Eulenturm ", den Namen suchte sich Werner Günther in Anlehnung an ein historisches Gebäude in der Stadtmitte aus, das es heute nicht mehr gibt, und das Referenz zur Heimatstadt Staßfurt sein sollte. Werner Günther hatte sich der Zucht verschrieben. Nicht ganz professionell wie er sagt, aber hobbymäßig. Und er brachte es immerhin bis zum " P " im Alphabet. Peggy vom Eulenturm war der letzte Hund aus eigener Zucht. Heute ist Werner Günther " nur noch " Halter.

Nach wie vor hält er aber seinem Verein die Treue, für den er im Laufe seines Lebens schon wichtige Aufgaben im Ehrenamt übernommen hat. Von 1949 bis 1960 wechselten die Vorsitzenden drei Mal. Es waren Paul Blumenberg, Kurt Sieg und Otto Buchholz. Als eines der jüngsten Mitglieder war Werner Günther von Beginn an in verschiedenen Funktionen tätig. Als Schriftführer, Kassierer oder Kassenprüfer. 1960 schließlich übernahm er, nachdem er allerhand Vorstandserfahrung gesammelt hatte, die Leitung der Ortsgruppe und übte das Amt bis 1992 aus.

Dabei setzte er vor allem auf ein kontinuierliches Wachsen des Vereins und auf die Festigung der Strukturen. So wurde das Vereinsgelände am Strandsolbad 1958 in Besitz genommen, mühevoll von den Mitgliedern hergerichtet und ab 1968 ein Vereinsheim dort errichtet. Anfangs gab es lediglich eine Baracke und einen alten Eisenbahnwagen. Ab 1969 wurde das Haus, in Eigenleistung vom Verein gebaut, eingeweiht. Zusätzlich wurden 40 Boxen für die Unterbringung der Hunde gebaut. Der Verein hatte sein Zuhause gefunden, hier ist er bis heute ansässig.

Aber auch bei den Mitgliederzahlen gab es positive Entwicklungen. Bis zu 70 Hundefreunde waren regelmäßig bei Zuchtschauen, Schulungen, Versammlungen, Körungen, Meisterschaften auf Kreis- und Bezirkseben, Prüfungen und der laufenden Ausbildung dabei. " Viele Halter züchteten eigene Tiere, gaben sie dann ab und die frischgebackenen Herrchen kamen in den Verein ", beschreibt Werner Günther die Entwicklung, die maßgeblich durch seine offene aber auch umsichtige Leitungstätigkeit beeinflusst wurde.

Eine große Herausforderung, so der Staßfurter, sei dann die Wendezeit gewesen, in denen Satzungs- und Prüfungsrecht sowie alle anderen rechtlichen Voraussetzungen nach bundesdeutschem Recht vereinheitlicht werden mussten. 1992 gab er den Vorsitz an Eckhard Wolter ab.

Viel Rat vom Ehrenvorsitzenden

Als Ehrenvorsitzender ist der Sportsfreund aber heute noch aktiv und steht dem jetzigen Ersten Vorsitzenden sowie den jungen Züchtern beratend zur Seite. Werner Günthers Name ist heute aus der Ortsgruppe des Deutschen Schäferhund-Vereins in Staßfurt nicht mehr wegzudenken. Inzwischen ist er hier seit 60 Jahren Mitglied und wurde dafür vom Vorsitzenden der Landesgruppe Sachsen-Anhalt, Horst Blume, mit der Ehrennadel des Vereins für Deutsche Schäferhunde geehrt.

So lange es gesundheitlich möglich ist, will Werner Günther auch noch einen eigenen Hund halten, er macht aber klar, dass man uneingeschränkt 365 Tage im Jahr für das Tier da sein müsse und kritisiert, dass viele sich heute einen Hund halten, weil es Mode sei, dem Tier, seiner Natur und seinen Bedürfnissen, aber in den seltensten Fällen gerecht werden würden. Unterstützt wird Werner Günther heute von seiner Familie. Sohn und Enkelkinder sind längst mit dem " Hunde-Virus " infiziert …