Kommt das alte, 1994 mit der ersten Kreisgebietsreform abgeschaffte SFT-Kfz-Kennzeichen bald wieder ? Wenn es nach dem Studiendekan Bachelor der Hochschule Heilbronn, Professor Dr. Ralf Bochert, geht, sollte das bald möglich sein. Denn er plädiert in einem Forschungsprojekt für mehr Freiheit bei der Kennzeichenwahl.

Staßfurt. Inzwischen, so teilte er mit, haben sich fast 100 ehemalige Kreisstädte aus ganz Deutschland in Heilbronn gemeldet. " Die Masse bedeutet eine Chance, darüber öffentliche Aufmerksamkeit und politisches Durchsetzungsvermögen zu bekommen ", so der Professor, der sich auch an Staßfurts Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) gewandt hatte.

Ihm und seinen Amtskollegen schlug der Professor das Hanauer Modell vor. Es sieht mehrere Kennzeichen in einem Landkreis vor. Deren Zuordnung erfolgt eindeutig nach dem Wohnort. Dazu müssten im Landkreis mehrere Zulassungsbezirke definiert werden.

Großen Wert legt der Professor auf die Feststellung, dass das Modell kostenneutral eingeführt werden kann. " Das ist sehr wichtig, weil Kritiker der Liberalisierung mit dem Kostenargument kommen werden ", sagte Bochert. Noch in diesem Monat, so kündigte er an, will die Hochschule in 20 beteiligten Städten die Bürger befragen, was sie von dem Forschungsprojekt halten. " Weitere Städte können sich in Eigeninitiative, zum Beispiel über ein Schulprojekt, das wir unterstützen, beteiligen ", sagte der Professor.

Bei einem positiven Ausgang will er sich zusammen mit den beteiligten Kommunen dafür engangieren, dass die Fahrzeugzulassungsverordnung auf Bundesebene so geändert wird, um einen Kennzeichenwechsel zu ermöglichen.

" Wenn das bei den Kraftfahrern auf eine große Resonanz stößt, würde ich das Forschungsprojekt unterstützen ", sagte der Staßfurter Oberbürgermeister gestern der Volksstimme. Eine Eigeninitiative will er dazu aber nicht entwickeln.

" Ich bin in der Frage, ob man das alte SFT-Kennzeichen wieder zulassen sollte, hin- und hergerissen ", räumte das Stadtoberhaupt ein. Für die Stadt Staßfurt und das Selbstwertgefühl mancher Kraftfahrer wäre das sicher nicht verkehrt. Andererseits könnte eine Abkehr von der bisherigen Regelung die Identitätsfindung im neuen Salzlandkreis, zu dem sich am 1. Juli 2007 die Altkreise Aschersleben-Staßfurt, Bernburg und Schönebeck zusammengeschlossen hatten, erschweren, glaubt Zok. Er sei deshalb offen für eine Diskussion zu diesem Thema.

Im Verkehrsministerium in Magdeburg hält man den Vorstoß von Professor Bochert für keine gute Idee. " Möglich ist alles. Es muss aber auch bezahlbar sein ", sagte Ministeriumssprecher Harald Kreibich. Seinen Worten zufolge dienen die Kraftfahrzeugkennzeichen der Kennzeichnung der Fahrzeuge. " Sie haben keinen identitätsstiftenden Charakter ", so Kreibich und fügte hinzu : " Die Identitätsstiftung ist eine gute Sache. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen.

Wenn man es jetzt den Kraftfahrern freistellen würde, nicht nur die Buchstaben nach dem Trennungsstrich, sondern auch die davor als Wunschkennzeichen zu wählen, dann würde es erhebliche Zusatzaufwendungen erforderlich machen, um schnell und unmissverständlich herausfinden zu können, woher ein Fahrzeug kommt, warnte Kreibich.

In diesem Zusammenhang verwies der Ministeriumssprecher darauf, dass es mal die Idee gegeben habe, ein Kfz-Kennzeichen zu entwickeln, dass die Fahrzeughalter ein Leben lang begleiten sollte, egal wohin sie ziehen. Doch das sei aus den bereits erwähnten Gründen verworfen worden.

Fahrzeuge, die nach der Wende im Altkreis Sstaßfurt zugelassen worden waren, erhielten bis zum 30. Juni 1994 ein SFTKennzeichen. Sie wurden ab dem 1. Juli 1994 bis zum 30. Juni 2007 durch ASL für Aschersleben-Staßfurt ersetzt. Seit dem 1. Juli 2007 gibt es im neuen Salzlandkreis SLK-Schilder.

Im vergangenen Jahr erfolgten im Großkreis insgesamt 9 317 Neuzulassungen, 13 855 Umschreibungen und 3 485 Wiederzulassungen sowie 22 203 Abmeldungen und 1 075 Wiederinbetriebnahmen, teilte Landkreissprecherin Ursula Rothe der Volksstimme gestern mit.