Rathmannsdorf. Es war Liebe auf den ersten Blick, die bis heute nichts erschüttern kann. 60 Jahre sind Willi und Reina Müller jetzt verheiratet. " Gezankt haben wir uns kaum mal, immer nur ergänzt ", schickt der geborene Altmärker voraus, bevor die beiden aus ihrem gemeinsamen Leben erzählen. " Meine Eltern hatten in den Nachkriegsjahren ganz schön zu knabbern mit vier Kindern ", erinnert sich die waschechte Rathmannsdorferin. Sie hatte sich auf dem Saal bei Boys in Willi verguckt und " da war ‘ s geschehen ". Und der junge Mann, der 1948 aus der Kriegsgefangenschaft gekommen war, wurde schnell von der Familie aufgenommen.

Die Hochzeit ließ nicht lange auf sich warten. " Uns hat noch Herr Stahl getraut. " Ältere Rathmannsdorfer werden es noch wissen : Er war der Buchhalter der LPG, betreute damals die Sparkasse im Ort und traute eben auch. Reina stand später übrigens auch auf der anderen Seite des amtlichen Tisches. Etwa zehn Paare durfte sie trauen. " Immer, wenn der Bürgermeister lieber mit dem LPG-Vorsitzenden übers Land fuhr ", erzählt die heute 78-Jährige. Standesamtliche Trauungen in Rathmannsdorf sind längst Geschichte. Und auch die " Quelle ", wo sich das Paar kennenlernte, gibt ‘ s schon über 20 Jahre nicht mehr.

Die Liebe hat derweil auch solche Erlebnisse überstanden wie den Silvesterabend im Heizungskeller von Willi und Reinas einstiger Arbeitsstelle. Welches Jahr es genau war, wissen die beiden nicht mehr. Aber es war ein eisekalter Winter, und der dienstliche Auftrag für den Reparaturschlosser lautete, bloß keine kalte Stube im Komplex des Rehabilitationszentrums, dem heutigen BBRZ, riskieren !

" Damals lebten wir von der Hand in den Mund ", erklärt der mittlerweile 81-Jährige, " Wenn mal was kaputt war, mussten wir improvisieren. Zum Beispiel auch einen großen Heizkessel haben wir zusammen mit den Heizern selbst geschweißt. " Heute alles unvorstellbar, schwärmt er über die positive Entwicklung des Hauses. Damals hieß es für Willi eben auch, Dienst schieben zu Silvester. Die Heizer hatten frei. " Er war eigentlich als leitender Handwerker eingestellt worden ", bemerkt Reina noch, die besagten Silvesterabend im Heizungskeller wie selbstverständlich zusammen mit ihrem Mann verbrachte.

Solche Erlebnisse schweißen anscheinend zusammen. Auch die viele Arbeit am Haus nennen die beiden, warum sie sechs Jahrzehnte im Guten miteinander auskamen. " Wir waren immer in Bewegung, sind viel arbeiten gegangen, um die Kinder groß ziehen zu können ", so Reina.

Wenn man die Schar der Gratulanten sieht, die an diesem Wochenende nach Rathmannsdorf kommt – natürlich wird an der früheren Wirkungsstätte des Paares im Schloss gefeiert – dann muss das Paar alles richtig gemacht haben. Ihre beiden Kinder schenkten ihnen vier Enkel. Auch zwei Urenkel zählen schon zur großen Familie, die verstreut ist und in Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen lebt. " Wenn wir sie brauchen, genügt aber ein Anruf ", verrät Uroma Reina noch.

Das schönste Geschenk für das diamantene Paar wäre übrigens, würde einer ihrer Nachfahren Interesse an ihrem Häuschen in Rathmannsdorf finden.