Staßfurt. Bildungseinrichtungen schimpfen über die mangelnde Kooperationsbereitschaft von Wirtschaftsunternehmen. Und Wirtschaftsunternehmen sind entsetzt über die fehlenden Werte und Grundlagen-Kenntnisse der Schulabgänger. Ein pauschalisiertes Bild, in dem beide Parteien sowohl Recht als auch Unrecht haben.

Diese beiden Parteien zusammenzubringen, das hat sich das Regionale Übergangsmanagement des Salzlandkreises auf die Fahne geschrieben. Im Zuge der Bildung eines Arbeitkreises sollen künftig Strategien zum gegenseitigen Vorteil gebündelt werden. Einen ersten Schritt in diese Richtung stellte die Auftaktveranstaltung am Mittwoch in der Staßfurter Kreisvolkshochschule dar.

Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bildung waren erschienen, um Erfahrungen auszutauschen und ins Gespräch zu kommen. Landrat Ulrich Gerstner eröffnete die Veranstaltung und betonte in Hinblick auf demografische und technologische Wandlungsprozesse die veränderten Rahmenbedingungen, denen Unternehmen und Bildungseinrichtungen gleichermaßen gegenüberstehen. " Eine frühzeitige und zielgerichtete Berufsorientierung gewinnt zunehmend an Bedeutung ", saggte er. Mit systematischer Berufsorientierung soll gegen den Fachkräftemangel vorgegangen werden. " Berufsweg-Planung ist Lebensweg-Planung ", verdeutlicht Bildungsdezernentin Petra Czuratis. Diese dürfe nicht erst in der achten Klassen beginnen. " Schon im Kindergarten müssen Fähigkeiten und Fertigkeiten zielgerichtet gefördert und gefordert werden. "

Die positiven Erfahrungen einer frühen Berufsorientierung verdeutlichten anschließend Vertreter von Bildungseinrichtungen. So informierten Katrin Jelitte, Leiterin der " Albert-Schweitzer " -Schule Aschersleben und Dagmar Bitterlich, Leiterin der " Maxim-Gorki " - Schule Schönebeck ihre Erfahrungen mit dem Bildungswege des " Produktiven Lernens " ( Ausbildungsvariante : zwei Tage Schule und drei Tage Praxis ). Mit der Methode des " Produktiven Lernens " soll die Schulabbrecherquote gesenkt und die individuellen Potenziale der Jugendlichen sollen stärker gefördert werden.

Neben der Positiv-Berichterstattung bemängelten die Schulleiter jedoch, die fehlende Kooperationsbereitschaft der Unternehmen. " Wir sind nicht ihr Klientel ", bekam Katrin Jelitte schon mal zu hören, als es um die Vermittlungs von Praktikums- und Ausbildungsplätzen ging. " Dabei sind die jungen Leute nicht so schlimm und ungebildet, wie häufig pauschal behauptet wird ", so Jelitte.

Die Bernburger Schulleiterin Angret Zharadnik stellte ihre unlängst eröffnete " Campus Technicus " -Schule vor und betonte : " Schule ist der Ort, an dem Bildungskarrieren beginnen. Doch auch an die Eltern müssen wir künftig noch näher ran. " Zudem sei es wichtig die Lehrkräfte intensiver im Bereich " Berufsorientierung " Fortzubilden. Lehrer seien mit den zahlreichen Berufsbildern überfordert. " Wir haben gar nicht die Kompetenz über die Vielzahl der Berufe und deren spezifische Anforderungen zu informieren. " Der Bitte, dass Vertreter von Unternehmen künftig öfter in die Schulen kommen und Berufsspezifisch informieren, schlossen sich alle Schulleiter an. Vor der Frage " Wie bringe ich Schülern bei, wie eine Firma funktioniert ?" steht auch der Leiter der Staßfurter Pestalozzi-Schule Volker Link.

Arbeiten gehört nicht zur Lebensplanung

Die Idee, dies durch ein Schülercafé zu tun, das von den Schüler selbst betrieben wird, funktioniert in der Realität sehr gut. Dennoch stehe man als Lehrer häufig auch an Punkten, bei denen andere Eingreifen müssen als die Lehrer oder Betriebe. So zum Beispiel Verweigerer, die als Achtklässler schon beschlossen haben, dass Arbeiten nicht zu ihre Lebensplanung gehört. " Da können Schulen und Betriebe noch so gut kooperieren, da ist man machtlos. "

Zu Wort meldeten sich auch Vertreter von Wirtschaftsunternehmen. So verdeutlichte Frank Siewek, Mitarbeiter bei Erdgas Mittelsachsen ( EMS ), die nicht immer leichte aber durchaus erfolgreiche und enge Zusammenarbeit mit Schülern.

In verschiedenen Projekten bereitet die EMS die Schüler in Zusammenarbeit mit der Schule seit vielen Jahren aktiv auf ihre Zukunft vor.