Mit einem Festakt in der Aula des Dr .-Frank-Gymnasiums in Staßfurt feierten Schüler, Ehemalige, Lehrer, Vertreter aus der Politik und dem öffentlichen Leben gestern 100 Jahre gymnasiale Bildung in Staßfurt. Festredner war der Greifswalder Professor Werner Schmidt, der 1964 sein Abitur an der Schule ablegte. Grußworte sprachen Thomas Leimbach, Präsident des Landesverwaltungsamtes in Sachsen-Anhalt, und Salzlandkreis-Landrat Ulrich Gerstner. Zu den Gästen gehörten auch Staßfurts Oberbürgermeister René Zok und Landkreis-Schuldezernentin Petra Czuratis.

Staßfurt. " Das Staßfurter Dr .-Frank-Gymnasium steht für eine Erfolgsgeschichte in der Region ", sagte Thomas Leimbach in seinem Grußwort vor mehreren hundert Gästen in der Aula der Staßfurter Bildungseinrichtung. In den vergangenen 100 Jahren hätten bis zu 6000 Schüler ihr Abitur abgelegt. Sie seien zu Leistungsträgern geworden, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in der Region maßgeblich ausgelöst und mitgetragen hätten, so der Landesverwaltungsamtschef. Vor 100 Jahren hätte man im wirtschaftlich prosperierenden Staßfurt erkannt, dass die technische Entwicklung wissenschaftlichen Nachwuchs fordere. Diese Tradition müsse für die Bildungseinrichtung zum Auftrag für ihre zukünftige Arbeit werden.

Das erfordere aber auch, so Leimbach, dass die Schüler ihre gesellschaftlichen Verantwortung als Leistungsträger der Gesellschaft erkennen und gerecht werden, Lehrer ihre Schützlinge auf diesem Weg begleiteten. " Die Gesellschaft braucht Menschen, die ihre Potenziale

ausschöpfen, Leistung für sie bringen und dadurch Schwächere mitnehmen. Nur so funktioniert der Sozialstaat ", sagte Leimbach.

Er blickt dabei vor allem auf die Entwicklung, dass das Abitur längst nicht mehr nur als allgemeine Hochschulreife diene.

Optimale Begleitung und Potenzialförderung

Die Schüler müssten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem Studium profilieren und so ihren Platz in der Gesellschaft erkennen. Das müsse auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung passieren, in der eine immer kleiner werdende junge Generation einer wachsenden Zahl älterer Menschen gegenübersteht. " Deshalb müssen Schüler optimal und individuell gebildet werden, weil wir es uns gesellschaftlich gar nicht mehr leisten können, jemanden auf der Strecke zu lassen. "

Leimbach dankte Lehrern und Schülern, würdigte auch die Leistung des einstigen Salzlandgymnasiums und wünschte, dass die Schule mit einem klaren Blick für nötige Veränderungen unter Berufung auf die eigene Tradition bestehen bleibt. Der Präsident überbrachte auch die Grüße der Landesregierung und des Kultusministers.

Professor Werner Schmidt ließ in seiner Rede 100 Jahre Gymnasium in Staßfurt teils mit sehr persönlichen Erinnerungen und Eindrücken, teils mit dem Blick auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen Revue passieren. Am Ende seiner Ausführungen war es ihm wichtig, mehrer Wünsche für das Gymnasium zu äußern. Weil die Schulpolitik Ländersache ist und es kein Zentralabitur gibt, wünschte Schmidt Ruhe und Stabilität bei der Organisation des Unterrichts. Schüler müssten zur Ehrlichkeit und Toleranz erzogen werden, so der Redner weiter. Wichtig sei auch, dass die Heranwachsenden in kritischer Selbstreflexion erkennen, wo die Grenzen ihrer Fähigkeiten liegen. Dann müssten sie das Rüstzeug und die Motivation haben, selbst diese Wissenslücken schließen zu können.

Landkreis investiert fünf Millionen Euro

Das würde nicht nur die weiterführende Ausbildung an einer Hochschule erfordern, sondern sei wichtiger Aspekt, um in der globalisierten Welt zurecht zu kommen, mit allen Vor- und Nachteilen der Informationsgesellschaft.

Schmidts Blick richtete sich auch auf die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik. " In Zeiten knapper Kassen müssen sie die Hand über das Gymnasium halten. " Angesprochen war damit vor allem der Landkreis als Schulträger.

Landrat Ulrich Gerstner betonte, dass in den vergangenen fast 20 Jahren rund fünf Millionen Euro in Gebäude und Ausstattung der Schule investiert wurden. Gerstner wies in diesem Zusammenhang auf die gute Zusammenarbeit mit dem 1991 entstandenen Schulförderverein hin. Von ihm seien Impulse ausgegangen, der Verein begleite und trage an vielen Stellen das schulische Leben. " Der Erfolg des Gymnasiums liegt auch in der Ergänzung zwischen dem Schulträger und den Ehrenamtlichen des Vereins. "

In seiner Rede betonte der Landrat neben historischen Begebenheiten besonders den Erfolg bei Wettbewerben wie Jugend forscht, dem Projekt Jugend debattiert oder den Titel Schule ohne Rassissmus – Schule mit Courage. Darin würden die vielfältigen Aspekte einer ganzheitlichen Bildung deutlich.