Lautstarker Protest im Ascherslebener Rathaus : Für den Erhalt des Egelner Gymnasiums demonstrierten am Mittwoch vor der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses rund 150 Kommunalpolitiker, Lehrer, Eltern und Schüler aus der Egelner Mulde.

Aschersleben / Egeln. Wenige Minuten später ging es im Ratssaal um das Schicksal dieser Bildungseinrichtung. Die Ausschussmitglieder, die wie Eberhard Müller ( SPD ) sagte, eine " Gänsehaut " von der Protestaktion bekommen hatten, empfahlen dem Kreistag einstimmig, die Landkreisverwaltung mit der Beantragung einer Ausnahmegenehmigung für die Bildung der fünften Klassen beim Landesverwaltungsamt zu beauftragen.

" Wir haben eine Chance, das Gymnasium Egeln im nächsten Jahr zu erhalten ", sagte Dr. Manfred Püchel ( SPD ). Es müsse gelingen, mit dem neuen Schuljahr wieder fünfte Klassen zu bilden, um einen fließenden Übergang sichern zu können. " Der Wille ist bei Eltern und Schülern eindeutig da, auch bei einem freien Träger ", sagte Püchel. Das Landesverwaltungsamt hatte im vergangenen Jahr unter Hinweis auf die nicht ausreichenden Schülerzahlen die Bildung von fünften Klassen in Egeln abgelehnt. Deshalb besuchen die Fünftklässler aus der Egelner Mulde nun das Gymnasium in Staßfurt.

In diesem Jahr, so Püchel, sehe es besser aus. Da liege man weit über 50 Anmeldungen. Deshalb äußerte sich der SPD-Politiker nicht erfreut darüber, dass die Landkreisverwaltung mit ihrer Beschlussvorlage dem Landesverwaltungsamt Ablehnungsgründe liefert. Barbara Hoeft, Referentin für den schulfachlichen Bereich der Hallenser Behörde, gab zu bedenken, dass ein kleines Gymnasium Vorteile, aber auch eine Reihe von Nachteilen mit sich bringe. Das ließ die stellvertretende Ausschusschefin Dorothee Müksch ( CDU ) nicht gelten : " Kleinere Klassen sind besser als größere. "

Auf Nachfrage von Püchel räumte Hoeft ein, dass die Egelner Gymnasiasten bislang nicht schlechter auf das Abitur vorbereitet waren als die Schüler in Aschersleben oder Staßfurt. Deshalb regte sich bei den Ausschussmitgliedern Unbehagen, als die nächste Vorlage behandelt wurde. Danach sollen die 350 000 Euro, die der Kreis zur Verbesserung des Brandschutzes in Egeln einsetzen wollte, zum Gymnasium Aschersleben umgeleitet werden. Das Geld könne nur in staatlichen Schulen eingesetzt werden, die mindestens fünf Jahre Bestand haben, nicht aber in solchen, die sich in freier Trägerschaft befinden. Ansonsten drohe die Rückzahlung, warnte die Leiterin des Schulverwaltungsamtes Martina Jeschek und fügte hinzu, dass das Landesverwaltungsamt verlange, die auslaufende Beschulung des staatlichen Gymnasiums Egeln in zwei Jahren abzuschließen.

Auf Vorstoß von Dr. Püchel, des Kreischefs der Linken, Dr. Lothar Boese und von Heike Seeber als sachkundige Bürgerin verständigte sich der Ausschuss darauf, diese Vorlage in die Verwaltung zurück zu verweisen. Püchel sicherte zu, mit der Investitionsbank zu klären, ob der Kreis die 350 000 Euro in Egeln auch dann einsetzen darf, wenn das Gymnasium anschließend von einem freien Träger übernommen wird. Dafür sprach sich Müksch vehement aus.