Groß Rosenburg. Die Landeskommission des Wettbewerbes " Unser Dorf hat Zukunft " besuchte gestern Groß Rosenburg, das sich im vergangenen Jahr beim Kreisausscheid qualifiziert hatte. Der Landessieger steht dann Ende Mai fest.

Es waren verschiedene Dinge, worauf die Kommissionsmitglieder ihr geeintes Augenmerk richteten. Ursel Meissner aus dem Bauministerium nahm besonders die Baugestaltung und -entwicklung Groß Rosenburgs unter die Lupe. " Mir gefällt beispielsweise sehr gut, dass die Seitenränder der Fahrbahn mit Natursteinen gepflastert sind ", lobte sie die Gestaltung der Hauptstraße. Das " ländliche Element " komme durch derartige Formgebung gut zum Ausdruck. " Es stellt einen Kompromiss zwischen einer geräuscharmen, glatten Asphaltstraße und herkömmlicher Bauweise dar ", fügte sie hinzu. Auch auf harmonische Baulückengestaltungen hatte Ursel Meissner ein Auge : " Die meisten Orte haben ja keine Gestaltungssatzungen. Da kann man nur Beratungsarbeiten leisten. "

Kommissionsleiter Johannes Wesselmann empfindet die Dorfrundgänge des Wettbewerbs " immer wieder als eine positive Überraschung ". " Die Kraft und die Bereitschaft der Leute, sich dort einzusetzten, wo sie leben, spüren wir überall in Sachsen-Anhalt ", betonte Wesselmann, der früher im Amt für Flurneuordnung ( ALF ) Fördermittelanträge beschied. " Das hier ist nicht zu vergleichen mit dem Erfahrungshorizont, den man in der Verwaltung hat ", räumte er ein. " Da stellt man oft nur das Fordernde der Orte fest. Hier erkennen wir aber auch die Kraft, für sein Dorf etwas Gutes zu tun. "

Er appellierte an die kommunalen Verwaltungen, nicht nur auf Gewerbegebiete zu setzen, sondern den inneren Zusammenhalt zu fördern. " Ich halte es für ganz entscheidend, dass wir auf die Leute in den Orten mehr hören ", lautet sein Fazit. Die Landespolitik unterstütze das mit den integrierten ländlichen Entwicklungskonzepten. " Dabei gibt man den Leuten Gelegenheit, nicht nur mit zu reden, sondern zunehmend mit zu entscheiden ", unterstrich Johannes Wesselmann.

Dr. Jörn Weinert richtete sein Augenmerk auf Rosenburgs kulturellen und sozialen Aktivitäten. Der Chef des Landesheimatbundes initiierte die Aktion " Dorfpaten " im Nachbardorf Zuchau. Nun hörte er interessiert zu, wie Groß Rosenburgs Ortsbürgermeister Hagen Meiling von einem " Mehrgenerationenhaus " in der Ortsmitte sprach. " Dafür können wir uns die leer stehende Schule vorstellen ", blickte der Bürgermeister in die Zukunft. Gegenwärtig wird deren untere Etage bereits als Jugendklub genutzt.

Eine weitere Station des Rundgangs war der Biohof von Evelyn Malecki. Sie bewirtschaftet ein malerisches Anwesen, das von ihrem Großvater Martin Kaube 1938 begründet wurde. Es ist einer jener Typenhöfe, die man in Rosenburg und Sachsendorf oft findet. Diese Verbindung von ökologischem Landbau und touristischem Beherbergungswesen bezeichnete Jörn Weinert als " rentabel und zukunftsweisend ".

Die Bewertungskriterien waren gestern vielschichtig. Neben Entwicklungskonzepten und wirtschaftlichen Initiativen achtete die Bewertungsgruppe auch auf soziale und kulturelle Aktivitäten sowie Bau- und Grüngestaltung. Für den siebten Landeswettbewerb nominierten sich 16 Orte zwischen Arendsee und Zeitz.

Bis zum 29. Mai sollen die Dorfrundgänge ausgewertet und eine Entscheidung getroffen werden, wer Sieger wird.