Zur Aktion " Sauberes Staßfurt " hatten die Stadt und der Stadtpflegebetrieb am Sonnabend wieder aufgerufen. Gemeinsam wollte man am Vormittag für mehr Ordnung und Sauberkeit sorgen. Doch die Resonanz in der Bevölkerung war gering.

Staßfurt. Als Gabriele Witschaß in der Zeitung vom Staßfurter Frühjahrsputz las, war ihr sofort klar : " Da mache ich mit !" Sie ärgert sich über den Müll, der von vielen einfach weggeworfen wird, ist manchmal wütend, wenn sie in der Stadt an den Dreckecken vorbeigeht. " So präsentiert sich Staßfurt nicht im besten Licht ", sagt Gabriele Witschaß und meint, dass es manchmal in den Ortsteilen oder auf den Dörfern viel sauberer sei, als in der Stadt. " Das ist unsere Stadt, in der wir leben, deshalb sollten wir uns auch kümmern ", sagt die Staßfurterin.

Mit dieser Meinung allerdings, und das zeigte die Beteiligung an der Aufräumaktion Sonnabandvormittag, stand sie ziemlich allein da. Neben Gabriele Witschaß waren lediglich Julia Brückner und Heinz-Jürgen Czerwienski als Freiwillige gekommen. Die Enttäuschung bei den Organisatoren war groß. " Die Vorbereitungszeit ist sehr aufwändig, wir besorgen Handschuhe, Müllsäcke und Arbeitsgeräte ", sagt Doris Brückner und ist traurig, dass sich so wenige für ihre Umwelt und die Natur interessieren. Yvonne Lea, im Stadtpflegebetrieb für Transport und Müllentsorgung zuständig, findet deutliche Worte : " Wenn es eine Bürgermeisterwahl gegeben hätte, wären mehr Leute gekommen. " Sie spielt auf den Frühjahrsputz 2008 an, bei dem die Resonanz groß war, weil die Kandidaten zum Teil mit ihren Unterstützern öffentlichkeitswirksam erschienen waren.

" Andere schmeißen den Müll einfach hin und wir müssen ihn aufsammeln "

Die Freiwilligen, die gekommen waren, legten sich dafür ziemlich ins Zeug. Auch wenn längst nicht alle Aufräumbereiche geschafft wurden, geplant waren Arbeiten in den Parks oder rund um das Krankenhaus an der Bode. Dafür ging es aber vom Neumarkt in die Horst.

Und die Helfer räumten ganze Containerladungen Müll zusammen : Metallteile, alte Teppiche, Autobatterien, Flaschen, Plastikmüll, verschlissene Kleidung. Da blieb oft nur ein Kopfschütteln übrig : " Rings um den Neumarkt stehen Papierkörbe, man kann seinen Müll überall kostenlos entsorgen und trotzdem sieht es so aus ", sagt Gabriele Witschaß fast ein bisschen fassungslos.

Für die Profis Yvonne Lea und Doris Brückner ist das leider fast Alltag geworden. " Man findet die verrücktesten Dinge ", sagt die Stadtpflegebetriebsmitarbeiterin und berichtet von Fahrrädern, die aus dem Wasser in der Horst gezogen werden und Eimern mit alter Farbe oder Unrat. " Schlimm ist es auch, wenn Leute uns arbeiten sehen und dann noch gute Tipps geben, selbst aber Zaungäste bleiben ", meint Doris Brückner.

Umso mehr freut es sie, dass sich Schulen und Vereine schon im Vorfeld beteiligt hatten. Zwölf blaue Müllsäcke hielten die Mädchen und Jungen aus den fünften Klassen des Dr .-Frank-Gymnasiums in ihren Händen. Sie waren mit Zigarettenstümmeln, Scherben, Papier- und Plastikmüll gefüllt. Die Schüler sind beispielhaft schon seit vielen Jahren dabei. Am Freitag lagen die Schwerpunkte der Aufräumaktion auf dem Königsplatz und den umliegenden Straßen. Rund 100 Kinder aus den fünften Klassen, die sich freiwillig nach dem Unterricht meldeten, wurden dazu mit Handschuhen und Müllsäcken ausgestattet. " Am schlimmsten ist, dass überall Hundekot liegt. Das erschwert die Arbeit sehr und ist wirklich unangenehm ", sagt Antonia. Sie und ihre Freundinnen Jennifer, Sarah und Nicole ziehen den Hut vor den Mitarbeitern des Stadtpflegebetriebes, die täglich neu aufräumen müssen.

" Jeder trägt Verantwortung "

" Traditionell sind die fünften Klassen dabei ", sagt Lehrerin Margit Nikolaus. Die Kleinen seien schnell zu begeistern. Dass die jüngsten Gymnasiasten mitwirken, habe aber auch Prinzip. " Die neuen Schüler am Gymnasium entwickeln so ein Verantwortungsgefühl für das Umfeld ihrer Schule ", sagt die Lehrerin. Ordnung und Sauberkeit würden am Gymnasium einen hohen Stellenwert besitzen. Es gebe eine Hausordnung, die Mädchen und Jungen aller Klassenstufen seien zur Müllvermeidung aufgefordert und schließlich hege der Schülerrat Pläne, neben die Lehrer auch Schüler als Pausenaufsicht zu stellen. " Das könnte eine andere Wirkung zeigen, wenn Gleichaltrige miteinander sprechen. Nicht so, wenn allein die Lehrer belehren ", beschreibt Margit Nicolaus das Ansinnen hinter dieser Idee.

Mehr noch setzt das Gymnasium auf Nachhaltigkeit : " Die Teenies von heute sind die Erwachsenen von morgen. Sie gehen möglicherweise ganz anders mit ihrer Natur um, verhalten sich viel umweltbewusster, weil sie wissen, welcher Schaden durch Müll entsteht und welchen Aufwand seine Beseitigung erfordert. "

Das habe etwas mit einem Gerechtigkeitsgefühl zu tun. Jennifer, Antonia, Sarah und Nicole machte der Nachmittag zwar Spaß, denn sie unternehmen etwas zusammen, ein bisschen sauer waren sie aber schon über die Unachtsamkeit so mancher Zeitgenossen. " Andere schmeißen den Müll einfach hin und wir müssen ihn aufsammeln ", sagt Jennifer und hofft, dass viele Leute gesehen haben, wie die Schüler mit gutem Beispiel vorangegangen sind. " Wer Abfall verursacht, muss sich auch um seine ordnungsgemäße Beseitigung kümmern und das nicht anderen überlassen ", beschreibt Margit Nicolaus, was sie auch mit den Mädchen und Jungen ihrer Klasse besprochen hat. " Jeder trägt dafür Verantwortung. "